Eine Verlagerung von Teilen der Produktion ins Ausland wegen der hohen Energiekosten in Deutschland sind für den Pharmariesen derzeit kein Thema. Probleme macht das Familienunternehmen an anderer Stelle aus.
Ende Oktober hat Boehringer Ingelheim mit dem Bau einer neuen Photovoltaik-Anlage begonnen.
(Bild: Boehringer Ingelheim Pharma)
Mit Notfallplänen und dem Streben nach mehr Unabhängigkeit von externen Energiequellen will der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim Risiken bei der Energieversorgung reduzieren. „Energiesicherheit ist auch für uns ein Thema und wir haben uns da in der Vergangenheit schon relativ gut aufgestellt“, sagte die Deutschland-Chefin des Konzerns, Sabine Nikolaus, der Deutschen Presse-Agentur. Der Stammsitz Ingelheim (Kreis Mainz-Bingen) werde dank des neuen Biomasseheizkraftwerks in absehbarer Zeit größtenteils unabhängig von externen Energiequellen sein.
„Das ist eine große Erleichterung“, sagte Nikolaus. Es dauere zwar noch bis Ende nächsten Jahres, bis das Kraftwerk in Betrieb gehen könne, „aber das ist ein überschaubarer Zeitraum“. Boehringer Ingelheim (BI) leiste damit auch einen Beitrag zur Nachhaltigkeit.
„Die rein chemische Industrie ist sicherlich noch energieintensiver als ein pharmazeutisches Unternehmen wie Boehringer Ingelheim“, erklärte die Managerin. Zwar stelle auch ihr Unternehmen Chemikalien her, aber das sei nur ein relativ kleiner Teil der Produktion. „Wir haben Notfall- und Backup-Pläne für alle unsere Standorte“, sagte sie. „Wir schauen, was wir kurzfristig machen können und natürlich, was mittel- und langfristig geht. Wir sind da gut aufgestellt.“
Während einige Unternehmen wegen der hohen Energiepreise in Deutschland und der unsicheren Versorgung mit Erdgas bereits laut darüber nachgedacht haben, Teile der Produktion ins Ausland zu verlagern, ist das laut Nikolaus bei Boehringer Ingelheim kein Thema. „Aufgrund der Energiesicherheit würden wir zur Zeit keine Verschiebungen von Investitionen ins Ausland erwarten“, sagte sie.
Da seien die Pläne von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zum Ausgleich eines Milliardenlochs bei den gesetzlichen Krankenkassen „und damit die Frage, ob der Industriestandort Deutschland noch von der Politik gewollt ist“, das weitaus größere Problem, betonte Nikolaus. Boehringer Ingelheim hat wiederholt davor gewarnt, die von Lauterbach geplanten Auflagen wie eine Erhöhung des Herstellerrabatts und ein Einfrieren der Medikamentenpreise würden die Innovationskraft der Pharmabranche in Deutschland mindern und hätten dauerhafte negative Folgen für Patienten und Arzneiversorgung.
Am BI-Standort Biberach stellt sich das Thema Energiesicherheit laut Nikolaus etwas schwieriger dar. „Die Hauptenergiequellen dort sind zwei große Gasturbinen. Eine haben wir umgestellt auf Diesel, was natürlich überhaupt nicht das ist, was wir wollen“, sagte sie. „Das ist in Sachen Nachhaltigkeit ein Rückschritt, bringt uns aber erst einmal die Sicherstellung unserer Produktionsprozesse.“ Parallel dazu schaue sich das Unternehmen andere Techniken an, die in Biberach verwendet werden könnten. „Da gibt es mittel- und langfristig einige Optionen; Erdwärme könnte ein Thema sein oder auch zukünftig die Wasserstofftechnologie.“
Auch wenn sich Boehringer Ingelheim insgesamt mit Blick auf die Energiesicherheit gut vorbereitet sieht, lässt das Thema die Unternehmensführung doch nicht ruhen. „Was uns eher Sorgen macht, ist die Situation unserer Zulieferfirmen: Bekommen wir von ihnen unsere Ausgangsstoffe? Da geht es auch um die Frage, was im Ernstfall zur kritischen Infrastruktur zählt“, sagte Nikolaus. „Selbst wenn die Politik sagt, die pharmazeutische Industrie gehört dazu, hilft das im Zweifelsfall nicht, denn wir sind letztlich von so vielen anderen Branchen wie Glas-, Aluminium- und Papierherstellung sowie von den chemischen Ausgangsstoffen abhängig.“
Ende Oktober hatte Boehringer Ingelheim zudem mit dem Bau einer neuen Photovoltaik-Anlage begonnen. Der Solarpark soll mit insgesamt 2440 Solarmodulen nach Fertigstellung das Stammwerk mit einem jährlichen Ertrag von rund einer Gigawattstunde an CO2-frei erzeugtem Strom versorgen. Damit ließe sich der Strombedarf von rund 200 Durchschnittshaushalten pro Jahr decken, teilte das Unternehmen mit. Das an die Autobahn 60 angrenzende Baufeld ist mit etwa 10.000 Quadratmetern größer als ein Fußballfeld. Investiert werden nach Unternehmensangaben 1,73 Millionen Euro für den Solarpark.
Das familiengeführte Unternehmen gehört mit weltweit über 52.000 Beschäftigten – davon etwa 17.000 in Deutschland – zu den größten deutschen Pharmaherstellern. Gewinn und Umsatz waren im vergangenen Jahr kräftig auf 3,4 Milliarden Euro beziehungsweise 20,6 Milliarden Euro gestiegen. Zweiter großer Standort in Deutschland ist Biberach in Baden-Württemberg mit knapp 6900 Beschäftigten.
Stand: 08.12.2025
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