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„Trotzdem haben wir zunächst versucht, mit dem bisherigen Aerzener Gebläse die neue Förderhöhe von 65 Metern zu beschicken, indem wir den Höchstdruck einfach von 0,95 bar weiter erhöht und damit das Gebläse bewusst überreizt haben. Das konnte dauerhaft nicht ohne Folgen bleiben. Störungen und Havarien am Gebläse waren die zu erwartende Konsequenz. Diese Probleme entstanden jedoch ausschließlich durch unsere Vorgehensweise. Deshalb mussten wir für dieses Problem unbedingt eine Lösung suchen, mit der wir das Mehl problemlos in die neue, jetzt 65 m hohe Siloanlage fördern konnten“, betont Holger Mattner.
Der ehemalige Mitarbeiter der Saalemühle ist heute nicht nur Mitinhaber der auf dem Nachbargrundstück ansässigen Firma Hauser-Mattner, einem überregional und auch im Ausland tätigen Spezialisten für Druckluft- und Mühlentechnik mit 24 Service-Mitarbeitern und zusätzlichem Büro-Personal. Er betreut auch nach wie vor als externer Dienstleister und „Betriebsleiter Mühlentechnik“ die technischen Anlagen seines ehemaligen Arbeitgebers.
Gemeinsam mit der Aerzener Maschinenfabrik wurde nach einer Lösung für die neue Aufgabe gesucht. Der Zufall wollte es, dass die Aerzener Spezialisten gerade die neue Drehkolbenverdichter-Baureihe Delta Hybrid entwickelt hatten. Daraufhin wurde Anfang 2009 ein zusätzlicher Verdichter aus dieser Baureihe mit konstanter Drehzahl in einem Nachbarraum unmittelbar neben der Gebläse-Station installiert, wo es dank einer effektiven Schalldämmhaube besonders geräuscharm arbeitet.
Tag für Tag ohne Probleme
Das neue, absolut ölfrei verdichtende Delta Hybrid-Aggregat arbeitet jetzt mit einem konstanten Höchstdruck von 1,2 bar und damit noch deutlich unter dem machbaren Maximum von 1,5 bar – und dies seit der Inbetriebnahme vor rund 18 Monaten Tag für Tag rund um die Uhr problemlos. „Mit der produzierten Förderluft transportieren wir seit Inbetriebnahme die von einer Mühle produzierte Mehlmenge von 25 Tonnen pro Stunde ohne Schwierigkeiten von der Abgabestelle auf eine Höhe von 65 Metern in das neue Mehlsilo. Mit dieser neuen Anlage haben wir unser Förderproblem ohne Einschränkung optimal gelöst“, erläutert Mühlenfachmann Mattner.
Nach der Inbetriebnahme des Delta Hybrid-Aggregats und einer kurzen Erprobungsphase wurde das bisher für diesen Produktionsstrang zuständige Aerzener Gebläse GM35S vom Netz genommen und steht nur noch für Notfälle zur Verfügung. Bei Bedarf kann es nach Ergänzung einer inzwischen demontierten kurzen Rohrleitung sofort wieder aktiviert werden. Die ölfrei produzierte Druckluft wird ohne weitere Aufbereitung als Förderluft eingesetzt.
Auf Grund der guten Erfahrungen mit dem ersten Delta Hybrid-Aggregat hat man sich bei der Saalemühle in Alsleben inzwischen sogar zur Anschaffung eines zweiten, in der Förderleistung etwas kleineren schallgedämpften Delta Hybrid-Aggregates für die Erzeugung absolut ölfreier Förderluft entschieden. Dieses Aggregat übernimmt zukünftig die Aufgabe, die bisher ein Aerzener Gebläse des Typs GM25S erfüllt hat. Es ist ebenfalls für einen Höchstdruck von 1,5 bar ausgelegt. Mit der erzeugten Förderluft soll künftig Mehl aus der zweiten Mühlenanlage mit einer Stundenleistung von etwa 13 Tonnen ebenfalls über eine Höhendifferenz von 65 in das neue Silo gefördert werden. Das zweite Delta Hybrid-Aggregat wird ebenfalls mit einer hochwirksamen Schalldämmhaube ausgerüstet und in unmittelbarer Nachbarschaft der bereits vorhandenen Delta Hybrid-Anlage installiert.
Bei der pneumatischen Förderung des Mahlgutes aus der dritten Mühlenanlage gibt es aktuell keine Probleme, da hier zurzeit pneumatisch in ein „nur“ 45 Meter hohes Silo gefördert werden muss.
* Der Autor arbeitet als freier Fachjournalist.
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