Joint-Venture Dr. Hans-Joachim Kogelnik: „Die Früchte der Restrukturierung sind noch lange nicht eingefahren.“

Redakteur: Marion Wiesmann

Im exklusiven PROCESS-Interview nimmt Dr. Hans-Joachim Kogelnik, Leiter der Geschäftseinheit Lustran Polymers, Stellung zur schrittweisen Abspaltung seiner Geschäftseinheit und Gründung des Joint-Ventures mit Ineos.

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Leverkusen – Lanxess will aus dem ABS-Kunststoffgeschäft, das 2006 einen Umsatz von knapp 900 Millionen Euro erzielte, aussteigen. Die entsprechende Geschäftseinheit Lustran Polymers soll ab September 2007 zunächst als Joint-Venture mit Ineos geführt werden. Hierbei wird der Leverkusener Chemiekonzern zunächst noch einen Minderheitsanteil von 49 Prozent halten, doch Ineos soll das gegründete Joint-Venture dann in einem zweiten Schritt im Jahr 2009 komplett übernehmen. Die Transaktion ist Teil einer umfassenden Restrukturierung, die bereits im Jahr 2005 begann. PROCESS hat nach Hintergründen der eher ungewöhnlichen Strategie gefragt – und bekam Antworten von Dr. Hans-Joachim Kogelnik, Leiter der Geschäftseinheit Lustran Polymers.

Im Rahmen Ihres Restrukturierungsplans haben Sie das ABS-Kunststoffgeschäft 2005 als unrentabel identifiziert. Mit welchen Problemen hatte Lanxess in diesem Geschäftsbereich zu kämpfen?

Dr. Hans-Joachim Kogelnik: „Der ABS Markt an sich und damit auch Lanxess kämpfen mit Überkapazitäten und enormen Margendruck aufgrund des höheren Angebotes im Vergleich zu den regionalen Bedarfen. Zudem ist dieses Geschäft in hohem Maße von der hohen Volatilität der Rohstoffkosten abhängig, die ca. 80 Prozent der Herstellungskosten dieses Kunststoffes ausmachen.“

Scheinbar haben die Marketingmaßnahmen im August vergangenen Jahres rund um die Umbenennung der Geschäftseinheit Styrenic Resins in Lustran Polymers nicht ausgereicht. Welche verfahrenstechnischen Maßnahmen haben Sie zudem in der Zwischenzeit ergriffen?

Dr. Hans-Joachim Kogelnik: „Das Mangement der Business Unit Lustran Polymers arbeitet seit drei Jahren mit hoher Intensität an der Turnaround Story des Geschäftes. Bisher wurden beeindruckende Ergebnise erzielt. Die strategische Neuausrichtung des Geschäftes, die Anpassung der eigenen Produktionskapazitäten an die regionalen Bedarfe, die Einrichtung der Regionalstrukturen mit an den Produktionsstandorten zusammengeführten Managementteams sowie die Entwicklungen von neuen Produkten wie z.B. Triax und Soft Touch ABS sind nur einige Beispiele, die zu dem bisherigen Erfolg geführt haben und noch weiter führen werden. Es muß allerdings auch gesagt werden, dass die bei Lanxess nicht vorhandene Rückwärtsintegration in die petrochemischen Rohstoffe Acrylnitril, Butadien und Styrol ein signifikanter Nachteil für die Business Unit Lustran Polymers sein wird. Die nun bekanntgegebene Partnerschaft mit Ineos ist daher eine logische Fortsetzung der Maßnahmen um die Trendwende des Geschäfts weiter zu festigen und die Profitabilität weiter zu stärken.“

Lustran Polymers wird in den nächsten zwei Jahren als Joint-Venture geführt, eine Übernahme durch Ineos ist jedoch schon abgesprochen. Worin liegen die Gründe für diese ungewöhnliche Vorgehensweise?

Dr. Hans-Joachim Kogelnik: „Die Früchte der Restrukturierung sind noch lange nicht eingefahren. Lanxess hat großes Interesse daran, an den zu erwartenden Ergebnissen zu partizipieren. Desweiteren ist Lanxess sehr interessiert, daß die Übertragung der Geschäfte in geordneten Bahnen stattfindet. Die Partnerschaft mit Ineos gibt dem Geschäft eine zukunftssichere Basis was die Versorgung mit Rohstoffen und die Abmilderung zyklischer Schwankungen angeht. Die Busines Unit Lustran Polymers kann zudem ihre technische Basis stärken und mit dem Partner gemeinsam weiter wachsen.“

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