Mögliche Werksschließung Große Sorgen um Standorte von Chemiekonzern Dow

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Der US-Chemiekonzern Dow stellt mehrere Standorte auf den Prüfstand. Darunter sind zwei in Sachsen-Anhalt und Sachsen. Die Sorge in der Region ist groß. Die Bundesregierung soll umgehend handeln.

Unsichere Zukunft für Chemie-Standort Böhlen: Der US-Konzern Dow prüft eine mögliche Schließung seiner Anlage in Sachsen. (Bild:  Dow)
Unsichere Zukunft für Chemie-Standort Böhlen: Der US-Konzern Dow prüft eine mögliche Schließung seiner Anlage in Sachsen.
(Bild: Dow)

Die Befürchtung, dass der US-Chemiekonzern Dow zwei Anlagen in Sachsen-Anhalt und Sachsen stilllegt, löst große Sorge in der Region aus. Insbesondere die Anlage im sächsischen Böhlen sei ein zentraler Ausgangspunkt am Anfang vieler Produktionsketten im mitteldeutschen Chemiedreieck, teilte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle-Dessau mit. „Seine Stilllegung bedroht unmittelbar zahlreiche weitere Anlagen und Unternehmen sowie Arbeitsplätze in der gesamten Region.“ Die chemische Industrie an den Standorten Leuna und Schkopau stehe für ein Drittel des Industrieumsatzes im Süden Sachsen-Anhalts.

„Was einmal abgeschaltet ist, kommt nicht zurück“, sagte der Hauptgeschäftsführer der IHK Leipzig, Fabian Magerl mit Blick auf eine drohende Schließung. Es werde eine industrielle Lebensader beschädigt mit Dominoeffekten für eine komplette Wertschöpfungskette. Laut der Chemiegewerkschaft IG BCE wären die Auswirkungen für die Region dramatisch.

Der Konzern hatte zuvor mögliche Einschnitte bekanntgegeben: „Dow erwägt verschiedene Optionen, von denen die wahrscheinlichsten eine temporäre Stilllegung oder eine Schließung der Anlagen sind.“ Grund seien Überkapazitäten im Markt, die durch zunehmende Importe verschärft würden, hohe Energie-, Rohstoff- und CO2-Kosten sowie zunehmende regulatorische Belastungen. Endgültige Entscheidungen seien bisher nicht gefallen. Die Standortüberprüfung in Europa solle bis Mitte 2025 abgeschlossen werden. Danach werde entschieden.

Schock für die Beschäftigten

Für die Beschäftigten sei die Ankündigung des Unternehmens ein Schock, zitierte die IGB CE den Betriebsratsvorsitzenden in Böhlen, Andreas Zielke. „Wir fühlen uns vor den Kopf gestoßen. Das kam so aus dem Nichts.“ Wenn der Standort geschlossen werden sollte, sei das für alle 650 Beschäftigten der Dow in Böhlen, den Industriestandort Böhlen/Lippendorf und die ganze Region eine Hiobsbotschaft. Ähnlich sei das in Schkopau.

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Hilfe der Politik gefordert – Energiepreise sollen sinken

Die IHK Halle-Dessau wie auch diverse Landespolitiker sehen die Bundesregierung gefordert. Sie müsse für rasche Entlastung bei den Energiekosten sorgen. „Das muss die industriepolitische Priorität der Bundesregierung in den nächsten Wochen sein – weiteren Verzug kann sich der Industriestandort Deutschland nicht leisten“, mahnte IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Brockmeier.

Der Fraktionschef der FDP im sachsen-anhaltischen Landtag, Andreas Silbersack, forderte ebenfalls eine rasche Senkung der Energiepreise. Eine Reform des europäischen CO2-Zertifikatehandels, die abrupte Preissprünge verhindere, sei überfällig. Silbersack warnte vor einem beispiellosen Verlust des industriellen Herzstücks Ostdeutschlands.

Der CDU-Fraktionsvize Frank Bommersbach betonte: „Eine Werksschließung in Schkopau und Böhlen wäre außerordentlich bedauerlich und muss mit allen Mitteln abgewendet werden.“ Janina Böttger, Linken-Vorsitzende in Sachsen-Anhalt, erklärte, die Zukunft der Chemiebranche – insbesondere im Osten – müsse Chefsache werden. „Wir werden das Thema im Bundestag und in den Landtagen auf die Tagesordnung setzen: Die Chemieindustrie braucht eine tragfähige, langfristige industriepolitische Strategie.“

Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) hält es für entscheidend, dass die Ankündigung der neuen Bundesregierung, niedrigere Energiepreise für energieintensive Unternehmen auf den Weg zu bringen, dringend umgesetzt werden. Man müsse alles tun, um eine Schließung zu verhindern.

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