Rohstoffbasis Die Rohstoffbasis wird breiter, aber Erdöl bleibt wichtig

Redakteur: Anke Geipel-Kern

Erdöl, Kohle, Erdgas oder Biomasse – die Diskussion, um den künftigen Rohstoffmix der Chemie hat gerade begonnen. PROCESS hat die wichtigsten Erkenntnisse für Sie zusammengestellt.

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„Mittelfristig wird sich die Rohstoffbasis von Erdöl auf Erdgas verbreitern.“ Prof. Dr. Michael Röper, Innovations-Management BASF (Bild: BASF)
„Mittelfristig wird sich die Rohstoffbasis von Erdöl auf Erdgas verbreitern.“ Prof. Dr. Michael Röper, Innovations-Management BASF (Bild: BASF)

Als im Herbst letzten Jahres die wegen der Wirtschaftskrise erloschene Fackel des Steamcrackers auf dem Werksgelände der BASF wieder zu leuchten begann, hatte das auch symbolischen Charakter. Schließlich sind die beiden Türme die Wiege fast aller Chemikalien, die BASF herstellt und damit das Herz des Verbundes.

Seit Gründung der Badischen Anilin- und Sodafabriken hat sich Erdöl bzw. Naphta zum Rohstoff Nummer 1 der chemischen Wertschöpfungskette entwickelt und das gilt nicht nur für die BASF sondern für die gesamte Branche. Aber Erdöl wird teurer, und die Chemie sieht sich schon seit langem im Wettbewerb mit größeren Abnehmern, wie der Kraftstoff- und der Energiebranche. Mittel- bis langfristig müssen daher Alternativen her, um sich aus der Abhängigkeit vom Erdöl zu befreien.

„Jetzt ist der richtige Zeitpunkt sich mit dem Thema Rohstoffwandel zu beschäftigen“, befand daher Dr. Hans-Jürgen Wernicke, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Süd-Chemie, anlässlich eines Symposions, das die großen Chemieorganisationen organisierten, um ihr neuestes Positionspapier „Rohstoffbasis im Wandel“ vorzustellen.

Welcher Rohstoff ist der richtige?

Gründe, die Wertschöpfungsketten der 200 unsterblichen Chemikalien, kritisch zu durchleuchten, gibt es gleich mehrere. Die Rohstoffkosten belasten die Unternehmen zurzeit mit 30 Prozent der Bruttowertschöpfung. Selbst Optimisten glauben nicht mehr, dass dieser Anteil wieder sinkt. „Die Absprungbasis (für den Erdölpreis: Anmerkung der Redaktion) liegt derzeit bei 40 Dollar pro Barrel“, rechnet Wernicke vor. Unter dieses Niveau wird seiner Meinung nach der Preis nicht mehr sinken.

Und auch die Konkurrenz schläft nicht. Nicht nur Asien zieht nach, Wettbewerb erwächst der europäischen Chemie in Indien und den ölreichen Golfstaaten, wo die Ölmultis zurzeit integrierte Chemiekomplexe bauen, die das geförderte Erdöl vor Ort zu Grund- und Zwischenchemikalien verarbeiten sollen. Hinzukommt: Die Petrochemie hat gegenüber alternativen Rohstoffen einen technischen Vorsprung von 70 Jahren. Generationen von Chemikern und Verfahrenstechnikern haben effiziente Katalysatoren entwickelt, Verfahren immer wieder getunt und damit kostengünstiger gemacht.

  • Aber welche anderen Rohstoffe kommen in Frage?
  • Ab wann lohnt sich der Umstieg?
  • Und welche Herausforderungen kommen auf die Verfahrenstechnik zu?

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