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Ein entscheidender Faktor ist die Herkunft und damit die Reinheit des Kohlenstoffdioxids. „Je nach Verfahren werden bei der CCS-Technologie CO2-Reinheiten von bis zu 99 Prozent erreicht. Das entspricht nach derzeitigem Stand des Wissens auch den Reinheiten, die wir für eine Weiterverwertung benötigen“, erklärt Kruse. Ein Grund, warum es allemal besser ist, aus diesen reinen Strömen zu schöpfen, als sie ungenutzt unter die Erde zu verbannen.
Relativ reines CO2 liefern zudem einige biotechnologische Prozesse, sodass solche Abgasströme sich sogar direkt weiterverwerten ließen. In hoher Reinheit und Konzentration fällt CO2 auch in chemischen Prozessen wie der Ammoniak- und der Ethylenoxidsynthese an: Erstere liefert – wie dem Dechema-Diskussionspapier zu entnehmen ist – mindestens 120 Megatonnen CO2, letztere geschätzte 5 Megatonnen pro Jahr. Will man jedoch weniger reine Abgasströme anzapfen, muss man das CO2 mit Absorbentien einfangen und es dann zur Nutzung wieder auf freien Fuß setzen – möglichst energiesparend. Deshalb beschäftigt sich Kruse aktuell damit, Absorbentien zu optimieren und den Energieeintrag bei der Desorption zu verringern. Entsteht CO2 nicht am Ort der Weiterverwertung, ist Transport nötig. Kruse schätzt, dass bei den Mengen, wie sie die Chemie umsetzt, ein Transport per Lkw oder Schiff machbar ist.
Unterm Strich
Auch wenn der Optimismus der Branche noch etwas verhalten ausfällt und die von Kruse skizzierte Idee, „dass die Chemie künftig die Menge Kohlenstoffdioxid, die sie emittiert, mindestens auch wieder nutzt“, noch Zukunftsmusik ist, so rückt die Vision einer positiven CO2-Bilanz für die Branche mit den derzeitigen Ansätzen einen Schritt näher. Die Zahlen des Dechema-Diskussionspapiers sprechen jedenfalls für sich: Würde Kohlenstoffdioxid in Polymere und andere Chemiebasisprodukte verwandelt, könnten etwa 178 Megatonnen CO2 pro Jahr, die ansonsten ungenutzt durch den Schornstein gejagt werden, in Prozesse mit Wertschöpfung fließen. Werde das Gas zu Kraftstoffen umgesetzt, sei sogar mindestens die zehnfache Menge drin.
* Die Autorin ist Volontärin bei PROCESS.
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