Veränderungen und ganzheitliche Ansätze sind notwendig. Die chemische Industrie in Deutschland steht weiterhin am Scheideweg. Wie schätzt sich die Branche selbst ein und wie könnte die Zukunft aussehen? Der Future Readiness Index der Unternehmens- und Managementberatung KPMG gibt tieferen Einblick in das Empfinden der Vorstandsetagen.
Der Future Readiness Index von KPMG leitet sich aus der Befragung von Topmanager*innen der Prozessindustrie ab.
(Bild: KPMG)
Die Chemiebranche ist von der Covid-19-Pandemie und den damit einhergehenden Maßnahmen je nach Abnehmersegment unterschiedlich stark betroffen. Vor allem im Frühjahr zählten zu den Auswirkungen unterbrochene Lieferketten, Produktionsstillstände sowie fehlende Transportkapazitäten. Dies hat zu Umsatzeinbußen, Profitabilitätsrückgängen und Liquidationsverlusten in der Branche geführt. Die meisten Chemieunternehmen haben sich mittlerweile wieder gut von den Wirtschaftseinbrüchen im zweiten Quartal erholt, wobei der durch die Krise entstandene Digitalisierungs- sowie Anpassungsdruck jedoch fortwährt Dieser Anpassungsbedarf, z.B. im Vertrieb sowie in der Supply Chain die digitale Transformation voranzutreiben, sollte unbedingt als Chance gesehen werden, die bestehenden Strukturen auf den Prüfstand zu stellen und nachhaltige, agile sowie digital vernetzte Unternehmensorganisationen zu schaffen.
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Gut gerüstet für die Anforderungen von morgen?
Insgesamt sehen sich die deutschen Chemieunternehmen gut gerüstet für die Anforderungen von morgen. Als besonders zukunftsreif bewerten sich die Unternehmen in den Bereichen Kundenbedürfnisse, Produktportfolio und der Finanzlage. Mit Blick auf den technologischen Fortschritt sowie der Positionierung im Wettbewerb betrachten sich hingegen weniger Unternehmen als im Vorjahr gut gewappnet. Auch in Bezug auf das Risikomanagement gab durchschnittlich weniger als die Hälfte der Chemieunternehmen an, zukunftssicher positioniert zu sein – und das in Zeiten, in denen Handelsbeschränkungen sowie geopolitische Veränderungen und schwankende Rohstoffpreise in den Fokus der Weltwirtschaft gerückt sind.
Was ist der Future Readiness Index?
Die Ergebnisse des Branchenreports für die Chemieindustrie sind Teil des Future Readiness Index (FRI) 2020 – dem Lagebild von KPMG zur Zukunftsfähigkeit deutscher Unternehmen. Die diesjährige Untersuchung basiert auf einer Umfrage unter 601 Top-Entscheidern wie CEOs, Vorständen oder strategischen Leitern. Der Future Readiness Index besteht aus einer Unternehmensbefragung und einer Trendanalyse mit der KPMG Research Cloud. Den Branchenreport Chemieindustrie können Sie in unserer Mediathek herunterladen. Den gesamten Future Readiness Index finden Sie auf der Website von KPMG.
Verstärkter Fokus auf Zukunftsinvestitionen
Die Chemiebranche setzt verstärkt auf Zukunftsinvestitionen, was sich an dem generell steigenden Investitionsniveau der letzten drei Jahre erkennen lässt. Vorrangige Schwerpunkte für Investitionen sind Kundenbedürfnisse, Lieferanten- bzw. Zulieferernetzwerke sowie die eigene Finanzlage. Gerade in Chemiesegmenten, in denen die Produkte immer spezieller werden und die Kosten von Innovationen steigen, ist es umso wichtiger, den Cashflow wirksam zu steuern sowie über ausreichend Liquidität zu verfügen. Ein erheblicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr ist bei der Stärkung der eigenen Resilienz im Umgang mit internationalen Krisen und Konflikten zu verzeichnen, sicherlich auch als Reaktion auf die aktuell unsichere Positionierung in diesem Bereich. Aber auch die Innovationsfähigkeit auszubauen, ist in der Priorität vieler Unternehmen gestiegen – eine wichtige Maßnahme, um nicht an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. In Bezug auf die Themen Personal und Nachhaltigkeit sehen dagegen weniger Chemieunternehmen einen Investitionsschwerpunkt als in den Vorjahren.
Wichtige Herausforderungen der Zukunft
Die Einschätzung der befragten Chemieunternehmen hinsichtlich relevanter Zukunftsthemen zeigt, dass die Trends – anders als im Vorjahr – aktuell als Herausforderungen wahrgenommen werden. Zu den wichtigsten Themen der Zukunft zählen für die Unternehmen der Branche insbesondere die Veränderung und Individualisierung der Kundenbedürfnisse, die steigende Bedeutung von Nachhaltigkeit und Klimaschutz sowie der Innovationsdruck bedingt durch höhere Wettbewerbsintensität und abnehmende Innovationszyklen. Aber auch Krisen und geopolitische Herausforderungen, die Lieferketten beeinträchtigen, bereiten den Chemieunternehmen Sorgen. Obwohl die aktuellen Entwicklungen gezeigt haben, dass vernetztes und flexibles Arbeiten ein fester Bestandteil des Berufsalltags werden kann, messen die Unternehmen dem demografischen Wandel und Veränderungen der Arbeitswelt erstaunlicherweise geringere Bedeutung zu. Auch die zunehmende Bedrohung der Unternehmenssicherheit hat in der Wahrnehmung der Befragten an Bedeutung verloren.
Connected Enterprise als Erfolgsfaktor
In der Zukunft sollten Chemieunternehmen ihr Geschäfts- und Betriebsmodell dringend weiter anpassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Sie sollten wesentlich agiler, digitaler und vernetzter werden und sich noch besser auf die Bedürfnisse ihrer Kunden einstellen und überragende Kundenerlebnisse durch innovative Lösungen und damit verbundene Dienstleistungen liefern. Das erfordert ein durch und durch vernetztes Unternehmen, das sogenannte „Connected Enterprise“, das mit allen internen und externen Stakeholdern nahtlos verbunden ist, den Kunden in den Mittelpunkt stellt und überragende Kundenerlebnisse bei der Anwendung der Produkte und Services ermöglicht.
Stand: 08.12.2025
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