Ressourcenkonflikt Umweltverband fordert strengere Regeln für industrielle Wasserentnahme

Quelle: Bund für Umwelt und Naturschutz 2 min Lesedauer

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Der Bund für Umwelt und Naturschutz warnt vor wachsendem Grundwasserstress durch die Industrie. Besonders die Chemie- und Plastikproduktion verbrauche enorme Mengen – zulasten von Umwelt und öffentlicher Versorgung.

Industrie und Wirtschaft müssen in einigen Bundesländern kein Geld zahlen, um Wasser aus der Umwelt zu entnehmen.(Bild:  Bund)
Industrie und Wirtschaft müssen in einigen Bundesländern kein Geld zahlen, um Wasser aus der Umwelt zu entnehmen.
(Bild: Bund)

Die Chemie- und Plastikindustrie trägt nach Ansicht des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) erheblich zur Übernutzung der Wasserressourcen in Deutschland bei. Im Rahmen seiner Aktionswoche „Wasserwoche“ fordert der Verband eine politische Kurskorrektur: Der Wasserverbrauch großer Industrieunternehmen müsse stärker reguliert, transparenter gemacht und auf das Gemeinwohl ausgerichtet werden.

Verena Graichen, Bund Geschäftsführerin Politik: „Chemie- und Plastikriesen verschlingen ungeheure Mengen an Wasser – ohne politische Vorgaben zum Wassersparen. Das schürt Verteilungskonflikte. Die Politik muss deshalb die Verbrauche dringend priorisieren, Wasserentnahme erfassen und Genehmigungen prüfen.“ In Zeiten von Klimakrise und zunehmender Trockenheit müsse die Bundesregierung Prioritäten setzen und den Zugriff auf Wasser neu regeln.

Nach Angaben des Bund ist aktuell kaum nachvollziehbar, wie viel Wasser Unternehmen tatsächlich verbrauchen. Die Wasserrechte vieler Betriebe seien nicht öffentlich einsehbar oder blieben ohne Mengenangaben. Eine Recherche des Verbands zu Chemieparks in Nordrhein-Westfalen habe gezeigt, dass zahlreiche Firmen große Wassermengen nutzten, ohne dass die konkreten Entnahmen transparent dokumentiert seien.

Ein Beispiel ist das BASF-Werk in Ludwigshafen, das laut Bund jährlich rund 20 Millionen Kubikmeter Grundwasser sowie zusätzlich etwa 1,2 Milliarden Kubikmeter Rheinwasser nutze – rund ein Drittel des jährlichen Wasserverbrauchs der deutschen Bevölkerung. Auch andere Standorte wie Currenta in Krefeld und Dormagen oder Solvay in Wesel verbrauchten laut Bund Wassermengen, die dem Bedarf mehrerer Großstädte entsprächen.

Zusätzlich zur Entnahme sei auch die Qualität des zurückgeführten Wassers ein Problem, so der Umweltverband. Industriell genutztes Wasser werde häufig erwärmt und mit Schadstoffen wie der langlebigen Chemikalie TFA (Trifluoressigsäure) belastet in Flüsse eingeleitet. Für die Produktion von einem Kilogramm Kunststoff würden laut Water Footprint Network im Schnitt 180 Liter Wasser benötigt.

Der Bund fordert deshalb bundesweit einheitliche Wasserentnahmeabgaben und eine rasche Umsetzung der Nationalen Wasserstrategie. Das Verursacherprinzip müsse auch bei industrieller Wassernutzung konsequent gelten: „Wer nutzt, soll zahlen – wer verunreinigt, muss säubern“, so Graichen.

Auch auf europäischer Ebene ist das Problem bekannt. Ein aktueller Bericht der Europäischen Umweltagentur (EEA) zeigt, dass die Wasserressourcen vieler Regionen stark unter Druck stehen. In Deutschland lassen sich in 67 % der Flüsse und Seen sowie in sieben Prozent der Grundwasserkörper negative Einflüsse durch Industrie und Bergbau nachweisen.

Die Chemieindustrie zählt zudem zu den größten Energie- und Rohstoffverbrauchern des Landes. Laut Bund-Studie „Blackbox Chemieindustrie“ verbrauchten Chemiebetriebe allein im Jahr 2020 rund 383 Milliarden Kilowattstunden Energie – mehr als die Hälfte des Energieverbrauchs aller privaten Haushalte. Rund 20 % davon entfielen auf die Herstellung von Kunststoffverpackungen, von denen der Großteil nach wie vor nicht recycelt, sondern verbrannt werde.

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