ACHEMA 2015 – Trendbericht Bioökonomie Bioethanol und Biodiesel – die Treibstoffe der Bioökonomie

Autor / Redakteur: Dechema / Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

Die Bioökonomie wird vom Bioethanol dominiert. Der biobasierte Stoff macht 90 % aller Produkte aus, die durch Fermentation erzeugt werden. Allerdings wachsen derzeit die Bedenken rund um Biodiesel, da die Europäische Kommission mit dem Gedanken spielt, indirekte Landnutzungsänderungen einzuführen. Das würde Biodiesel den Garaus machen. Das die Bioökonomie nur mit Planungssicherheit im Wettbewerb bestehen kann, wird mit Sicherheit auch auf der ACHEMA 2015 diskutiert.

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Im Jahr 2013 wurden etwa 100 Milliarden Liter Bioethanol destilliert. Das Bild zeigt eine Bioethanol-Anlage von Nordzucker in Klein Wanzleben in Sachsen-Anhalt.
Im Jahr 2013 wurden etwa 100 Milliarden Liter Bioethanol destilliert. Das Bild zeigt eine Bioethanol-Anlage von Nordzucker in Klein Wanzleben in Sachsen-Anhalt.
(Bild: Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft)

Nachhaltigkeit ist einer der globalen Megatrends und eine treibende Kraft der biobasierten Wirtschaft. Dahinter steckt die Idee, eine neue Art des Wirtschaftens zu etablieren auf Basis dessen, was auf Feldern und in Wäldern wächst, anstatt auf die endlichen Ölquellen zu setzen – und das Ganze natürlich so schnell wie möglich. Das Ziel ist hoch gesteckt; immerhin brauchte die erdölbasierte Wirtschaft 150 Jahre, um dahin zu gelangen, wo sie heute steht.

In Sachen Nachhaltigkeit ist die biobasierte Wirtschaft unschlagbar. Solange jedoch der niedrige Preis einer Ware weiter oben auf der Prioriätenliste steht als die Frage, wie viele Treibhausgase ihre Produktion mit sich bringt, bleibt der Wettbewerb hart. Weitere wichtige Faktoren bei der Frage, wie Industrie und Menschen künftig mit Energie und Chemierohstoffen versorgt werden können, sind Kohle aus China und Schiefergas aus den USA.

Der weltweite Bioethanol-Boom

Angelehnt an das Bild der Erdölindustrie werden Produktionsstätten für biobasierte Chemikalien oft „Bioraffinerien“ genannt. In einer Erdölraffinerie wird aus den Bestandteilen des Rohöls eine Vielzahl unterschiedlicher Produkte hergestellt, während die heutige „Bioraffinerie“ oft nur ein Produkt kennt: Alkohol.

Ethanol ist derzeit der wichtigste biobasierte Stoff und macht 90 % aller Produkte aus, die durch Fermentation erzeugt werden. Etwa 100 Milliarden Liter Ethanol wurden 2013 destilliert, wobei die USA mit 50 und Brasilien mit 25 Milliarden Litern führend sind. Europa spielt im Ethanolmarkt mit 5 Milliarden Litern eine untergeordnete Rolle; Deutschland trägt dazu 852 Millionen Liter bei.

Steigende Lebensmittelpreise sind eine Frage der Verteilung

Die ersten Bioethanol-Anlagen gerieten in die öffentliche Diskussion, weil sie Mais als Rohstoff einsetzten - Mais, aus dem auch Tortillas hätten produziert werden können. Das warf die Frage auf, ob es ethisch vertretbar sei, das Getreide in den Treibstofftank von Autos zu füllen, anstatt es auf dem Teller zu servieren. Diese Frage lässt sich schnell beantworten wenn man betrachtet, welche Flächen für die Produktion von Biotreibstoffen eingesetzt werden.

Ausgehend von 1500 Millionen Hektar urbaren Landes wird die Ernte von 1,7 % dieser Fläche (25 Millionen Hektar) für die Herstellung von Alkoholen verwendet. Selbst wenn die Alkohol-Industrie die prognostizierte Wachstumsrate von 4,4 % bis 2020 einhält, haben steigende Lebensmittelpreise ihre Ursache anderswo. Die Teller-oder-Tank-Diskussion war jedoch ein Anstoß dazu, Bioraffinerien der zweiten Generation zu entwickeln:

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