Ein Labor in Südafrika entwickelt einen eigenen mRNA-Impfstoff gegen Corona. Er soll ärmeren Ländern schnelleren und günstigeren Zugang zu Impfstoffen ermöglichen und kostenlos lizenziert werden. Doch es gibt Hürden zu überwinden.
Afrigen arbeitet an der Entwicklung von Afrikas erstem eigenem Corona-Impfstoff.
Kapstadt/Südafrika; Genf/Schweiz (dpa) – Im Labor des Biotechnologieunternehmens Afrigen Biologics and Vaccines im südafrikanischen Kapstadt arbeiten Forscher unter Hochdruck. Sie befinden sich in einer entscheidenden Phase bei der Entwicklung von Afrikas erstem eigenem Corona-Impfstoff. Dieser soll das hochwirksame mRNA-Präparat von Moderna nachahmen und damit die Abhängigkeit von der Pharma-Industrie mindern. Anfang 2024 sollen die Mittel marktreif sein.
Unterstützt von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem UN Medicines Patent Pool (MPP) sowie der Gesundheitsorganisation der Afrikanischen Union (Africa CDC) will Afrigen die Verteilung von Impfstoffen weltweit günstiger, schneller und gerechter machen. Nicht nur das: Afrigen will die beiden derzeit zugelassenen mRNA-Präparate von Moderna und Biontech/Pfizer verbessern. Ziel ist ein gefriergetrockneter Impfstoff, der keine Kühllagerung erfordert.
Anders als traditionellen Pharma-Unternehmen geht es Afrigen nicht um Profite. Der neue Impfstoff werde nicht patentiert werden, sondern eine Art Open-Source-Technologie sein, erklärt Afrigens Geschäftsführerin Petro Terblanche. Die WHO werde kostenfreie Lizenzen an Entwicklungs- und Schwellenländer vergeben und damit Produktionskapazitäten überall auf der Welt ermöglichen.
Ein breiter und schneller Technologietransfer habe dabei „absolute Priorität“, so Terblanche. Etwa 40 Länder in Afrika, Lateinamerika, Asien und dem Mittleren Osten haben nach Angaben der WHO bereits Interesse bekundet. „Es ist eine Intervention. Wir werden die globale Gesundheitslandschaft ändern“, verspricht Terblanche.
Am Technologietransfer hapert es nämlich bislang. Human Rights Watch hat gerade eine Liste mit 120 Firmen in aller Welt veröffentlicht, die schon in Kürze mRNA-Impfstoff herstellen könnten, wenn sie die Technologie bekämen. Die Menschenrechtsorganisation ruft Deutschland und die USA auf, Druck zu machen, damit die Mainzer Firma Biontech und die US-Hersteller Moderna und Pfizer ihr Wissen für eine breitere Impfstoffproduktion zur Verfügung zu stellen.
Auch für Afrigen gibt es Hürden. Zwar hat Moderna im Juli eine Verzichtserklärung für das geistige Eigentum an ihrem mRNA-Präparat abgegeben. Diese gilt jedoch nur für einen begrenzten Zeitraum. „Weder von Moderna noch von Biontech/Pfizer haben wir einen Technologietransfer bekommen“, sagt Terblanche. Somit arbeiten Afrigens Forscher mit der öffentlich zugänglichen genetischen Sequenz für den Impfstoff und mit Hilfe von wissenschaftlichen Beratern an der Entwicklung einer ersten vollständigen Laborprobe, die das Präparat von Moderna nachahmt. „Aufgrund der Verzichtserklärung können wir den Impfstoff legal bis zu klinischen Studien bringen, ohne geistiges Eigentum zu verletzen“, erklärt Terblanche.
Schon im Januar 2022 sollen erste Studien an Tieren beginnen. Für November sei Phase I der klinischen Studie geplant. Die WHO hat für das ehrgeizige Projekt 92 Millionen Euro bereitgestellt. „Die Covid-19-Pandemie hat gezeigt, dass es nicht ausreicht und gefährlich ist, sich bei der Versorgung der Welt mit globalen öffentlichen Gütern auf ein paar wenige Firmen zu verlassen“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus im Juni über das Projekt.
Seit Monaten warnt er vor moralischem Versagen, weil reiche Länder eigene Verträge mit Pharmafirmen machten und sich Unmengen Impfstoff gesichert hätten. Während in reichen Ländern schon Auffrischimpfungen gemacht würden, warteten Dutzende arme Länder immer noch auf Impfdosen. Länder hätten auf seine Appelle hin zwar Impfdosen gespendet, aber bei weitem nicht genug, so Ghebreyesus.
Bislang vergeblich setzen sich die WHO und mehr als 100 Länder in der Welthandelsorganisation (WTO) dafür ein, dass der Patentschutz für Covid-19-Produkte aufgehoben wird. Die Pharmaindustrie, die Europäische Union und andere Länder wollen das nicht. Ihr Argument: Ohne Patentschutz seien Pharmafirmen nicht zu den hohen Investitionen bereit, die Innovationen hervorbrächten. Pharmafirmen nehmen mit patentgeschützten Impfstoffen und Medikamenten Milliardenbeträge ein.
Die Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) erinnert daran, dass in die Entwicklung der Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer Milliarden Steuergelder geflossen sind. Deshalb müssten sie ihre Technologie zur Verfügung zu stellen. „Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen (...) dürfen nicht von der Wohltätigkeit und Spenden reicher Länder und der Pharmaindustrie abhängig sein», verlangte Candice Sehoma von MSF Südafrika. «Dafür stehen zu viele Menschenleben auf dem Spiel.“ Während Deutschland 69,3 % der Bevölkerung vollständig geimpft hat, haben auf dem afrikanischen Kontinent mit seinen 1,2 Milliarden Menschen bislang nur 7,35 % eine vollständige Impfung erhalten.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Moderna verfolgt derweil eigene Pläne. Das Pharmaunternehmen will bis zu 500 Millionen Dollar (442 Millionen Euro) in eine Impfstofffabrik in Afrika investieren, die jährlich bis zu 500 Millionen Impfdosen herstellen soll. Auch Biontech/Pfizer will in Afrika produzieren.
Während die WHO internationalen Druck aufbaut, schreitet Afrigen auch ohne die Hilfe der beiden großen Hersteller voran. „Wir hoffen, dass die regulatorischen Probleme gelöst sind, wenn unser Impfstoff in gut zwei Jahren marktreif ist“, sagt Terblanche.
Denn das Konsortium um Afrigen hat Großes vor. Die Entwicklung eines Corona-Impfstoffes sei erst der Anfang. Zukünftig sollen weitere mRNA-Impfstoffe entwickelt werden, gegen HIV, Tuberkulose und Malaria – ebenfalls mit kostenfreien Lizenzen. Es sei das Ziel der Afrikanischen Union, bis 2040 rund 60 % der auf dem Kontinent benötigten Impfstoffe selbst zu produzieren, erklärte der leitende wissenschaftliche Berater der Africa CDC, Nicaise Ndembi. „Wir beginnen, afrikanische Lösungen für globale Probleme zu schaffen“.