74. Namur-Hauptsitzung Stellgeräte – die Arbeitspferde der PLT

Autor / Redakteur: Matthias Huk, BASF SE Ludwigshafen / Marion Henig

In verfahrenstechnischen Anlagen übernehmen Stellgeräte die Funktion, Befehle aus der Leitebene in Veränderungen von Massenströmen umzusetzen. Dabei sind die Stellbefehle sehr klein, die Massenströme können sehr groß sein. Stellgeräte stellen damit die Arbeitspferde der Prozessleittechnik dar, wie Matthias Huk, BASF, auf der Namur-Hauptsitzung in Bad Neuenahr verdeutlicht.

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Die klassischen Bauarten bilden die Stellventile, die Hähne und die Klappen. Der Nennweitenbereich bis DN100 wird durch die Stellventile und die Hähne, der Nennweitenbereich darüber durch Klappen dominiert. Neben der metallischen Gehäuseausführung aus Normal- oder Edelstahl werden insbesondere bei korrosiven Medien PTFE oder PFA ausgekleidete Stellgeräte eingesetzt. Besonders anspruchsvolle verfahrenstechnische Anforderungen können nur mit speziellen technischen Lösungen und Sonderanfertigungen erfüllt werden, beispielsweise bei abrasiven oder korrosiven Medien oder hohen Differenzdrücken.

Standardisierung der Schnittstellen von großer Bedeutung

Stellgeräte sind „Engineered Equipment“, denn je nach verfahrentechnischer und funktionaler Anforderung erfolgt für jedes Stellgerät eine individuelle Auslegung und Ausrüstung mit Zubehörteilen wie Stellungsregler, Magnetventil und Endlagenschalter. Die Folge ist eine hohe Vielfalt unterschiedlicher Ausführungsformen. Deshalb hat die Standardisierung der Schnittstellen traditionell eine große Bedeutung, die durch den Umstand bestärkt wird, dass der Zusammenbau von Stellgeräten oft mit Geräten unterschiedlicher Hersteller erfolgt. Die NAMUR hat zu diesem Thema Empfehlungen erarbeitet, die sich seit Jahrzehnten am Markt durchgesetzt und bewährt haben. Beispiele sind die NE004, die sich mit dem Anbau von Stellungsreglern an Stellantriebe befasst und die NE019, die den rohrlosen Anbau von Magnetventilen an Stellantriebe beschreibt und damit das Bohrbild der pneumatischen Anschlüsse der Komponenten festlegt.

Entwicklungstrends bei Stellgeräten

Bei den mechanischen Komponenten von Stellgeräten ist die Weiterentwicklung durch die Optimierung konstruktiver Details, wie zum Beispiel den „Anticavitation trims“ zur Geräuschreduzierung oder die Verbesserung von Dichtungssystemen geprägt. Bei den Elektronikkomponenten ist der digitale Stellungsregler hervorzuheben, der durch den Einsatz von Mikroprozessortechnologie über einen deutlich erweiterten Funktionsumfang verfügt. Diese reichen von Funktionen wie der automatisierten Inbetriebnahme bis hin zum sogenannten „elektronischen Partial Stroke Test“, der neben Aussagen zu Veränderungen am Stellgeräteverhalten auch zur Erhöhung der Zuverlässigkeit von Stellgeräten beiträgt.

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