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Romaco Group

17.12.2025

150 Jahre Romaco Kilian

Die Geschichte Kilians erzählt den Aufstieg, Fall und Wiederaufbau des Berliner Traditionsunternehmens, das mittlerweile in Köln ansässig ist. Es ist die Geschichte des Entrepreneurs Fritz Kilian, der aus einer kleinen Berliner Schlosserwerkstatt ein erfolgreiches Unternehmen aufbaute, das bis heute zu den führenden Herstellern von Tablettenpressen zählt. Es ist die Geschichte eines Visionärs, dessen Vermächtnis die Widrigkeiten der Zeit überdauerte und bis in die Gegenwart reicht.

Die Anfänge am Ende des 19. Jahrhunderts

Vor 150 Jahren wurde in einer kleinen Schlosserwerkstatt in Berlin-Lichtenberg der Grundstein für das heutige Traditionsunternehmen Romaco Kilian gelegt. In dem 1875 eröffneten Betrieb des Vaters entdeckte der junge Friedrich Franz Otto Kilian seine Begeisterung für das Ingenieurwesen. Nach seiner Lehre als Mechaniker übernahm der Junior 1886 das Geschäft des früh verstorbenen Vaters und begann sich ernsthaft für die Techniken des Komprimierens zu interessieren.

Im Auftrag der Berliner Apothekerschaft entwickelte Fritz Kilian verschiedene Pressvorrichtungen wie zum Beispiel eine handbetriebene Spindelpresse zur Produktion von Pastillen, für die er 1891 sein erstes Patent erhielt. Die Konstruktion einer automatisch arbeitenden Tablettenpresse war sein nächstes großes Ziel. Mit dem Prototyp überzeugte er die kaiserliche Militärverwaltung, was seine Auftragslage auf ein neues Niveau katapultierte. Fritz Kilian hatte sich als Unternehmer erstmals einen Namen gemacht, bezog mit seiner Firma neue Räumlichkeiten und gab ihr den Namen „Fabrik pharmaceutischer Maschinen und Geräthschaften“. 1898 folgte das Patent für seine Universalpresse – die Exzentertablettiermaschine 4D mit integrierter Bedruckung der fertigen Tabletten.

Gradliniger Aufstieg

Um den stetig wachsenden Auftragseingang bewältigen zu können, errichtete Fritz Kilian in Berlin-Lichtenberg ein neues Firmengebäude samt Wohnhaus und firmierte ab 1899 als „Fritz Kilian Maschinenfabrik“. Als Firmenlogo wählte er eine Pulvermühle mit seinen Initialen und verwies damit auf seine Expertise im Umgang mit den Rohstoffen der Tablettierung – Know-how, das auch damals schon für die Qualität des Endprodukts entscheidend war. Sein ganzheitlicher, kundenorientierter Ansatz sowie sein Weitblick bezüglich der Bedeutung von Komprimaten für die verschiedenen Industriezweige waren Schlüssel seines unternehmerischen Erfolgs.

Mit dem Bau eines zweiten Werks in Berlin-Hohenschönhausen vergrößerte Fritz Kilian die Produktionskapazitäten ab 1905 entscheidend und schaffte damit die idealen Voraussetzungen für ein modernes Unternehmen mit über 100 Mitarbeitenden und zahlreichen Auslandsvertretungen, unter anderem in den USA und Großbritannien. 1913 wurde er auf der EXPO in Gent (Belgien) mit dem „Grand Prix“ für seine Automaten zur Herstellung pharmazeutischer Produkte ausgezeichnet. Im Laufe seiner langen Karriere ließ er zahlreiche seiner Erfindungen weltweit durch über 60 Patente schützen. Bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand mit 74 Jahren ist es mit der Firma stetig bergauf gegangen, sowohl was den Umsatz und Gewinn als auch die Weiterentwicklung des Portfolios anbelangte. Fritz Kilian überstand selbst die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre unbeschadet, auch weil die Pharmaindustrie vom allgemeinen Abschwung nicht so stark betroffen war. Erst der Zweite Weltkrieg brachte die bittere Wende.

Schonungsloser Niedergang

1940 zog sich Fritz Kilian aus dem aktiven Berufsleben zurück und übertrug die Geschäfte an seine beiden Söhne Fritz und Hans. Rückblickend war das der Anfang vom Ende. 1941 wurde Fritz Kilian junior bei einem Bombenabwurf auf seinen Nachtzug nach Hannover getötet, wohin er dienstlich unterwegs war. Ein Jahr später, 1942, verstarb der Senior Fritz Kilian im Alter von 76 Jahren an einem Schlaganfall.

Sohn Hans Kilian hat die väterliche Maschinenfabrik mitten im Krieg übernommen und es geschafft, den Betrieb irgendwie aufrecht zu halten. Die gute Nachricht – die beiden Berliner Produktionsstätten in Hohenschönhausen und Lichtenberg überstanden das Kriegsende nahezu unbeschadet und Hans Kilian sah eine realistische Chance, die Produktion zusammen mit einem Großteil der alten Belegschaft wieder voll aufzunehmen. Er hat sich bewusst gegen einen Umzug der Familie nach Hamburg entschieden und damit sein Schicksal besiegelt.

1946 wurde Hans Kilian von der sowjetischen Militäradministration festgenommen und zunächst in der Haftanstalt Berlin-Hohenschönhausen untergebracht. Von dort wurde er in das Speziallager Sachsenhausen bei Oranienburg überführt, wo er wahrscheinlich bereits 1947 an Tuberkulose verstarb. Die Gründe, die zu seiner Verhaftung geführt haben, wurden nie formell bestätigt. Seiner Ehefrau Eva gelang daraufhin mit den drei Kindern die Flucht nach Delmenhorst zu ihrer Mutter.

Nach dem plötzlichen Verschwinden des Geschäftsführers Hans Kilian kam der Betrieb der Maschinenfabrik Fritz Kilian endgültig zum Erliegen. Einigen Mitarbeitern, unter ihnen Fertigungsleiter Werner Rühe und Konstruktionsleiter Fritz Greter, gelang die Flucht in die westlichen Besatzungszonen – mit im Gepäck: zahlreiche Firmendokumente und Konstruktionszeichnungen.

Wiederaufbau in Köln

Noch im Todesjahr ihres Schwagers ergriff die Witwe von Fritz Kilian junior in Köln die Initiative zum Wiederaufbau des Unternehmens und kontaktierte zusammen mit den beiden geflüchteten Abteilungsleitern Rühe und Greter die Erben von Fritz Kilian senior. Bereits 1948 wurde mit der Firma Strunk ein Partner für die Fertigung gefunden und die Kilian & Co. GmbH in Köln Ehrenfeld als ordentliche Vertretung der Maschinenfabrik Fritz Kilian neu gegründet.

Die internationale Nachfrage nach Kilian-Produkten war trotz der Kriegsjahre nicht eingebrochen. Durch den großen Bedarf an Ersatzteilen und Serviceleistungen überwand das Unternehmen die anfänglichen Startschwierigkeiten in der neuen Umgebung und brachte 1952 die erste vollständig verkleidete Kilian-Tablettenpresse „Made in Cologne“ auf den Markt.

Zurück auf der Erfolgsspur

Kilian war wieder zurück. 1953 übernahm der vermögende englische Fabrikant James Frank Marshall gemeinsam mit seiner Frau – der Witwe von Fritz Kilian junior – die Mehrheit der Anteile an der Kilian & Co GmbH. Im Zuge dessen wurde die Produktion an die Schmidding-Werke in Köln Niehl vergeben. Nach dem Tod Marshalls wurde Kilian 1976 schließlich komplett an die Schmidding-Werke veräußert und blieb bis 2000 ein Unternehmen in Privatbesitz. Dann kam es aus Mangel an geeigneten Nachfolgern zum Verkauf der Kilian & Co GmbH an die italienische Firmengruppe IMA S.p.A. 13 Jahre lang war Kilian Teil der weltweit operierenden IMA Group. In diese Zeit fiel auch der Umzug in das moderne und großzügig angelegte Firmengebäude mit der lichtdurchfluteten Produktionshalle in der Scarlettallee 11 in Köln Niehl. 2013 übernahm der aktuelle Eigentümer Romaco den Hersteller von Tablettiertechnik und gliederte Kilian in seine Processing-Sparte ein.

Heute reihen sich die Nachfolgemodelle der Komprimiermaschinen von Fritz Kilian in das Portfolio des Komplettanbieters Romaco ein, der mit seinen Technologien die gesamte Prozesskette zur Herstellung und Verpackung von Arzneimitteln und Non-Pharma-Produkten abbildet. Dort befinden sich die Tablettenpressen von Kilian in guter Gesellschaft mit den Prozessanlagen von Innojet und den Tablettencoatern von Tecpharm. Das scheint durchaus im Sinne des Erfinders zu sein – so machte Fritz Kilian bereits 1899 eine stilisierte Pulvermühle zu seinem Firmenlogo und kommunizierte dadurch ganz beiläufig sein Know-how in Sachen Pulververarbeitung.

Technische Errungenschaften

Als der junge Fritz Kilian seine ersten Gerätschaften auf den Markt brachte, war er bei weitem nicht der erste. In Europa und den USA waren ab Mitte des 19. Jahrhunderts bereits zahlreiche Hersteller von Komprimiermaschinen tätig, die sich gegenseitig mit ihren neuesten Erfindungen übertrafen. Umso beachtlicher ist, dass der anfangs recht mittellose Fritz Kilian es geschafft hat, sich mit seinen Erfindungen in diesem Wettbewerbsumfeld zu behaupten und sich zu einem der führenden Anbieter von Tablettenpressen seiner Zeit zu entwickeln. Heute ist Kilian der älteste noch aktive Hersteller von Tablettiertechnik auf dem Markt.

Im Rückblick lassen sich insbesondere die folgenden technischen Errungenschaften von Fritz Kilian als wegweisend für die moderne Tablettiertechnik hervorheben: Für seine Rundläuferpressen konstruierte Kilian 1900 das Druckwalzenpaar zur Erzeugung der Presskraft mit Ober- und Unterstempeln. Die bis heute bewährte Praxis, vor dem Hauptdruck eine Vorpressung der Komprimate durchzuführen, geht auch auf Kilian zurück. Bereits 1908 entwickelte das Unternehmen eine Presse für Mehrschichttabletten mit drei Füllstationen. Die wohl bekannteste Rotationstablettieranlage der frühen Kilian-Jahre ist das Heinzelmännchen, welches nicht zuletzt durch seine Bedienerfreundlichkeit überzeugte. 1919 führte Kilian die verschleißfreie Führung der Oberstempel ein.

Mitte der 1930er Jahre gelang Kilian mit der industriellen Herstellung von Mantelkerntabletten eine weitere bahnbrechende Erfindung, die nach Kriegsende zunehmend an Popularität gewann. Zu dieser Zeit setzte sich die Tablette als Darreichungsform für Antibiotika immer stärker durch. Voraussetzung war jedoch die Ummantelung des Wirkstoffkerns zum Schutz der labilen Substanzen und um den bitteren Geschmack der Arzneimittel zu maskieren. Für die Herstellung von Tabletten mit Kerneinleger hatte Kilian den Standard gesetzt, was dem Unternehmen Anfang der 1950er Jahre half, in Köln erneut Fuß zu fassen und sich bis heute auf dem Weltmarkt zu behaupten.

Die modernen Nachfolger der Kilian-Technologien verkörpern eindrücklich das Erbe des Firmengründers Fritz Kilian: zu sehen vom 07. bis 13. Mai 2026 auf der interpack in Düsseldorf, Deutschland, Halle 16, Stand D22