Ökotoxikologie Problemstoffe im Fokus der Umweltchemie und Ökotoxikologie

Redakteur: Marion Henig

Neue Problemstoffe wie Pharmazeutika, polyfluorierte Tenside, Flammschutzmittel, Nanopartikel und Treibstoffadditive – aber auch Stoffe, die erst in letzter Zeit als problematisch wahrgenommen werden – stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Tagung der Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der GDCh.

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Frankfurt – Mit dem Verhalten und den Wirkungen von Chemikalien in der Umwelt sowie mit Lösungsansätzen für damit verbundene Umweltprobleme befasst sich vom 23. bis 26. September 2008 an der Goethe-Universität in Frankfurt eine Tagung der Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und des deutschsprachigen Zweigs der Society of Environmental Toxicology and Chemistry (SETAC GLB). Die beiden Gesellschaften veranstalten zum dritten Mal ihre Jahrestagung gemeinsam, in diesem Jahr unter dem Titel „Neue Problemstoffe in der Umwelt“. Mehr als 300 Wissenschaftler werden erwartet.

Analyse von Verunreinigungen wird leichter, die Bewertung schwerer

Aufgrund benutzerfreundlicher Methoden fällt es immer leichter, neue Chemikalien in der Umwelt nachzuweisen. Aufgrund der sich stetig verbessernden Analysenmethoden wird der Plenarvortragende Professor Walter Giger von der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung im schweizerischen Dübendorf fragen: „Was kommt als Nächstes?“ Aufgrund der stofflichen Bandbreite möglicher Verunreinigungen wird es immer schwieriger, ihre Wirkung in der Umwelt zu ermitteln und zu bewerten. Giger will ebenso wie Professor Dr. Thomas Braunbeck von der Universität Heidelberg in seinem Plenarvortrag auf mögliche kommende Problemstoffe hinweisen.

Langfristige toxische Wirkungen von einzelnen Substanzgruppen noch unbekannt

„Neuartige Effekte“, wie er es nennt, gingen beispielsweise von endokrinen Disruptoren, also hormonwirksame Substanzen, oder von Pharmaka. Unverständlicherweise werde für einzelne Substanzgruppen versäumt, ökotoxikologische Kenndaten, die über akut toxische Wirkungen hinausgehen, zu ermitteln. Als Beispiel nennt Braunbeck polyfluorierte Tenside (insbesondere Perfluoroctansulfonsäure - PFOS, Perfluorooctansäure - PFOA), die aufgrund ihrer Persistenz und ihres Bioakkumulationspotenzials in Europa zum Teil bereits reguliert werden. Bei Nanopartikeln sei die Ökotoxikologie von echten Erkenntnissen hinsichtlich des langfristigen Gefährdungspotenzials noch weit entfernt, so Braunbeck.

Expositionsmessung und -modellierung im Mittelpunkt

Auf umweltchemischem Gebiet befasst sich die Jahrestagung schwerpunktmäßig mit Expositionsmessung und -modellierung, d.h. Verteilung und Transport von Umweltchemikalien, mit ihrem chemischen und biochemischen Metabolismus, mit Strategien des Umweltmonitoring in Luft, Wasser, Boden, Biota und der Stoffverteilung zwischen diesen Umweltkompartimenten.

In der Ökotoxikologie geht der Trend hin zu Methoden der molekularen Zell- und Entwicklungsbiologie. Genomics, Transcriptomics und Proteomics sind Techniken, mit denen große Erwartungen verbunden sind. Jedoch werden Spezifität und Empfindlichkeit noch kritisch betrachtet. Daher treten etablierte Ansätze wieder in den Vordergrund, zu denen beispielsweise klassische histologische Techniken gehören.

Umweltlabel für Arzneimittel und Abwasserbehandlung

Zu den Lösungsmöglichkeiten, die in Frankfurt diskutiert werden und die es zu verstärken gilt, gehören Umweltlabel für Arzneimittel, die separate Behandlung von stark kontaminierten Abwässern. Die Zudosierung von Ozon oder Pulveraktivkohle in den Ablauf aus der biologischen Klärstufe sind technische Möglichkeiten zur weitgehenden Reduktion der Spurenstofffracht in die Umwelt. Pilotprojekte klären derzeit die technische Machbarkeit.

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