Mischanlage Neue Mischanlage auf Pharmaniveau

Redakteur: Marion Wiesmann

Nach einer einjährigen Planungsphase, acht Monaten Bauzeit und vier Millionen Euro Investitionskosten hat Sternmaid eine neue Mischanlage in Betrieb genommen, mit der der Wittenburger Lohndienstleister sein Compoundierungs-Spektrum um hochsensible Anwendungsbereiche erweitert.

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Wittenburg – Vitaminmischungen, Nahrungsergänzungsmittel oder Säuglingsnahrung: Mit einer neuen Anlage erweitert der Lohnmischproduzent Sternmaid seine Servicekette. „Das aktuelle Projekt ist eine ideale Ergänzung zu unserem bisherigen Angebot“, erklärt der kaufmännische Betriebsleiter Mark Riemer. „Hier bewegen wir uns in der Produktion auf Pharma-Niveau und können dadurch weitere, zukunftsträchtige Marktsegmente erschließen.“

Ein großes Potenzial sieht Riemer beispielsweise in der Konfektionierung einzelner Wirk- und Grundstoffe für OTC-Produkte. Auch Säuglingsnahrung, die besonders strengen Hygienevorschriften unterliegt, kann in Wittenburg künftig vom Band laufen. Den wachstumsstarken Markt für allergenfreie Compounds hat das Wittenburger Unternehmen ebenfalls im Visier: „Unter der Voraussetzung, dass auch bei der Rohstoffauswahl, der Produktion und dem Transport mit adäquater Sorgfalt gearbeitet wird, können wir hier in Wittenburg ab sofort allergenfreie Produkte compoundieren“, verdeutlicht Riemer die Vorzüge der auf Kontaminationsfreiheit ausgelegten Anlage. Auch das Mischen und Abfüllen klarlöslicher Vitamine, wie sie unter anderem die Fruchtsaftindustrie einsetzt, könnte ein künftiger Anwendungsbereich werden.

„Standardlösungen kamen größtenteils nicht in Frage“, erklärt der technische Betriebsleiter Günter Kock, „da wir neben einer maximalen Produktsicherheit auch eine höchstmögliche Flexibilität bezüglich der Chargengröße und Produktbreite erzielen wollten.“ Daher wurden in Zusammenarbeit mit der Zulieferindustrie sowohl in der Steuerungstechnik als auch im Maschinenbau spezielle Prototypen entwickelt.

Rückstandsfreies Compoundieren und optimale Chargenrückverfolgung

Um in dem neuen Gebäudetrakt eine optimale Hygiene sicherzustellen, entschied man sich für eine räumliche Trennung der einzelnen Produktionsschritte. So gibt es – aufgeteilt in drei unterschiedliche Hygienezonen – separate Räume für Depalettierung, Verwiegung, Produktaufgaben, Mischen, Sieben, Abfüllen sowie Palettieren. Hinzu kommen Reinigungs-, Umkleide- und Aufenthaltsräume, Hygieneschleusen, eine Technikzentrale sowie ein Produktionsbüro.

In der neuen Anlage ist der gesamte Prozess voll validierfähig. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, lassen sich im Aufgaberaum beim Verwiegen über ein maßgeschneidertes EDV-Programm sämtliche Produktzugaben einscannen. Damit ist jederzeit nachvollziehbar, welcher Rohstoff aus welcher Rohwarencharge in welchem Mischcontainer ist. Jeder Mischansatz stellt eine separate Charge dar, so dass die Chargenrückverfolgung exakt trennbar ist.

Mischer mit Sonderausstattung

Herzstück des neuen Werkes ist der Pharma-Container-Mischer vom Hersteller Bohle, der im Gegenstromverfahren arbeitet. Die Compounds werden in einem rotierenden Container gemischt, der mit maximal sechs Umdrehungen in der Minute einen äußerst geringen mechanischen Angriff bietet. Um trotz dieser sachten Behandlung auch bei schwierigen Mischgütern eine perfekte Homogenität zu erhalten, ließ Sternmaid eine Sonderanfertigung konstruieren: Bei Bedarf kann in den Deckel des Containers ein Messerkopf eingesetzt werden. Über einen individuell einstellbaren Frequenzregler lässt sich die Drehzahl dieses Auflösers produktgerecht steuern, so dass beispielsweise selbst Partikel mit extrem unterschiedlicher Korngröße optimal vermengt werden. Eine weitere Zusatzoption: In die Trockensubstanzen lassen sich problemlos Flüssigkeiten einsprühen, wie beispielsweise Aromen. Zudem wird dadurch ein Entstauben oder Instantisieren ermöglicht.

Chargenbreite von 20 bis 1000 Kilo

Das Bruttovolumen der Mischanlange beträgt 2200 Liter, die befüllbare Bandbreite liegt zwischen 200 und 1000 Kilo. Diese große Bauart wurde gewählt um die Analysekosten, die bei sensibelsten Anwendungen je Mischansatz erfolgen, im Rahmen zu halten. Um jedoch auch Kundenaufträge über geringere Mengen bedienen zu können, wurde im Zuge der Pharmaausrichtung zusätzlich ein weiterer Pharmamischer mit 210 Liter Nutzinhalt installiert. „Mit dieser Investition gelingt uns der Lückenschluss für Chargen in der Größe von 20 bis 125 Kilo“, verweist Mark Riemer auf die neu gewonnene Vielseitigkeit.

Abfüllung hermetisch abgeriegelt

Der Austrag des Mischgutes erfolgt im geschlossenen System über eine Kegelentleerung, bei der die Außenluft nicht mit dem Füllgut in Berührung kommt. Statt fester Rohrverbindungen und Dosierschnecken befinden sich in der Abfüllanlage flexible PVC-Schläuche. „Somit entstehen keine Toträume, in denen sich Produktreste festsetzen könnten“, erklärt Riemer die Vorteile der Konstruktion. Auch beim Abfüllen gibt es die Option, ohne jegliches Kontaminationsrisiko zu arbeiten, denn neben einem Austrag über eine Schmetterlingsklappe mit Nachrieselschutz kann die Ware auch über Endlosschläuche abgefüllt und verschweißt werden. Zudem besteht an der Verschweißanlage die Möglichkeit, empfindliche Produkte mit Schutzgas zu behandeln.

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