Temperaturmessung im Wasserstoffperoxidtank Lösung nach Maß – Flanschschutzrohr in Überlänge

Von Michael Hohn, Technischer Vertrieb Nord/Ost, Labom Mess- und Regeltechnik GmbH 4 min Lesedauer

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Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg: Für das Chemieunternehmen Bruno Bock fertigte der Messgerätehersteller Labom als besondere Messlösung ein ­Thermometer mit einem fast sieben Meter langen Flanschschutzrohr für die Temperaturmessung in einem Wasserstoffperoxidtank.

Das verpackte Flanschschutzrohr wird zur Anlieferung an den Kunden in den Lkw gehoben.(Bild:  Labom)
Das verpackte Flanschschutzrohr wird zur Anlieferung an den Kunden in den Lkw gehoben.
(Bild: Labom)

Das global agierende Spezialchemieunternehmen Bruno Bock ist Hersteller von organischen Schwefelchemikalien mit drei Standorten in Deutschland, China und den USA. Nach der Gründung 1937 in Hamburg waren die Schwefelchemikalien zunächst hauptsächlich für kosmetische Anwendungen gedacht. Die Firma wuchs jedoch rasch, sodass der Hauptstandort in den 1960er Jahren von Hamburg auf ein größeres Firmengelände im nahegelegenen Marschacht verlegt und die Produktion ausgeweitet wurde. Heute reichen die Anwendungsbereiche von Kosmetik über Beschichtungen für den Bau und Reinigungsmitteln bis hin zu Polymeren und neuen Technologien.

Bereits seit 2018 arbeitet Bruno Bock im Bereich mechanische und elektronische Druckmessung mit dem norddeutschen Unternehmen Labom Mess- und Regeltechnik zusammen. Das in Hude bei Bremen ansässige Unternehmen fertigt seit 1968 qualitativ hochwertige Industrie-Messtechnik und ist heute ein ebenfalls global agierender Komplettanbieter im Bereich elektronischer und mechanischer Druck- und Temperaturmesstechnik. Um den besonderen Anforderungen bei der Produktion von Schwefelchemikalien gerecht zu werden, hat Labom für die eingesetzten Messgeräte bereits in der Vergangenheit oft Spezialanfertigungen entwickelt, wie etwa bei dem digitalen Druckmessumformer der Serie Pascal CI4 mit Flanschdruckmittler, für den Sondermaterialien wie Tantal oder Hastelloy C276 verwendet wurden.

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Knifflige Herausforderung: Sieben Meter Länge

Diesmal war die Herausforderung jedoch besonders knifflig: Ein Flanschschutzrohr für die Temperaturüberwachung eines Wasserstoffperoxidtanks musste nicht nur mit einer speziellen Beschichtung versehen werden, die geforderte Einbaulänge des Schutzrohres betrug auch knapp sieben Meter: Da der Tank doppelwandig ausgeführt ist, musste die Temperaturmessung von oben in den Tank eingeführt werden, um die Temperatur des Mediums auch bei fast leerem Tankfüllstand sicher überwachen zu können. Darüber hinaus war von Kundenseite eine Beschichtung des Edelstahlrohres gefordert, um eine mögliche Kontamination des Wasserstoffperoxids mit Metallionen zu verhindern. Nach eingehender Prüfung der Machbarkeit konnte schließlich von Labom ein Angebot abgegeben werden, das dann auch postwendend in Auftrag gegeben wurde.

Herausforderung angenommen und bestanden

Der Aufwand bei der Fertigung des sieben Meter langen Flanschschutzrohres war dann auch dementsprechend beeindruckend: Der erhöhte Handlingaufwand innerhalb der Fertigungsstationen zeigte sich etwa in der Schweißabteilung, in der zwei Schweißarbeitsplätze gleichzeitig genutzt werden mussten, damit das Schutzrohr überhaupt aus mehreren Einzelteilen zusammengeschweißt werden konnte – handelsübliche Schutzrohre haben in der Regel eine Längenbegrenzung von sechs Metern. Eine Herausforderung waren auch die zwar recht kurzen, aber gelegentlich schmalen und verwinkelten Transportwege auf dem Firmengelände, über die das Rohr von Fertigungsstation zu Fertigungsstation bewegt werden musste. Und auch der externe Beschichter, mit dem die Firma Labom zusammenarbeitet, hatte einen nicht geringen Mehraufwand: Für die Beschichtung des Schutzrohres – in diesem Falle eine PFA-Beschichtung – musste extra der Ofen umgebaut werden.

Temperatur kann jederzeit sicher kontrolliert werden

Zu dem beschichteten Flanschschutzrohr kam dann noch die eigentliche Temperaturmessung hinzu, bestehend aus dem Widerstandsthermometer GA2501 mit Ex-Schutz und SIL2-Eignung sowie gleich zwei montierten Kopfmessumformern des Typs PA2301, 4-20 mA. In der Vergangenheit war es im Tank zu Fehlmessungen und kurzzeitigen Ausfällen der alten, nur einfach ausgeführten Temperaturmessung gekommen. Durch die doppelte Ummantelung des Tanks war es auch nicht möglich, die Tanktemperatur von außen aus sicherer Entfernung zu messen. Bei Ausfall der Temperaturmessung musste sicherheitshalber der Bereich in direkter Nähe des Tanks evakuiert werden, da die Stabilität von Wasserstoffperoxid bei steigender Temperatur abnimmt. Dank der neuen Ausführung der Temperaturmessung mit zwei Pt100-Messwiderständen und zwei Kopfmessumformern in einem Messsystem kann die Temperatur nun jederzeit sicher kontrolliert werden. Selbst wenn einmal ein Fühler ausfallen sollte, wird die Temperatur über den zweiten erfasst und in der Anlagensteuerung wird der Ausfall rechtzeitig erkannt.

Individuelle Verpackung in einer Holzkiste

Auch die individuelle Verpackung des Schutzrohres innerhalb der Transport-Holzkiste war komplex. Das Hauptaugenmerk lag auf der Sicherung der PFA-Beschichtung, damit diese nicht während des Transports beschädigt wurde. Daher gab es mehrere Auflagestellen in der Kiste, damit sich das Rohr nicht verbiegen konnte. Die Beschichtung wurde zum Schutz zusätzlich mit einer Luftpolsterfolie ummantelt. Und auch die Transport-Holzkiste wurde vom Zulieferer gesondert angefertigt – für optimale Passgenauigkeit. Nachdem ein Spediteur gefunden war, der ein so langes Rohr sicher befördern konnte, wurde das Flanschschutzrohr dann insgesamt dreimal transportiert: von Labom zum Beschichter, vom Beschichter zurück zu Labom für die Endfertigung und schließlich zu Bruno Bock nach Marschacht.

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Die neue Temperaturmessung macht die Produktion sicherer

Dank der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten sind heute alle hochzufrieden mit dem Ergebnis. „Bei einem schwierigen Medium wie Wasserstoffperoxid ist eine möglichst störungsfreie Überwachung enorm wichtig, um Schäden für Mensch und Umwelt zu verhindern. Mit der neuen Temperaturmessung ist diese Überwachung nun möglich und die Produktion deutlich sicherer geworden“ sagt Rüdiger Schläbe, Technischer Leiter der Bruno Bock Gruppe am Standort in Marschacht. Laboms langjährige Erfahrung mit komplexen Sonderanfertigungen im Bereich Druck- und Temperaturmesstechnik sowie der norddeutsche Produktionsstandort mit eigener Forschungs- und Entwicklungsabteilung ermöglichen es, den Kunden maßgeschneiderte Lösungen anzubieten – und diese dann auch schnell zu liefern. (dpo)

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