Ob Industriekonzerne oder kleinere Unternehmen: Viele haben gleichzeitig mehrere Manufacturing Execution-Systeme zur Steuerung ihrer Produktion in Gebrauch. Warum ist das so? Welche Herausforderungen sind damit verbunden – und wie lassen sie sich meistern? Die Lösung heißt immer häufiger: Einsatz einer Integrationsplattform.
(Bild: MPDV)
Digitalisierungsbeauftragte oder Chief Digital Officers (CDO) stehen in vielen Firmen vor einer Art „Villa Kunterbunt“: Verschiedene Werke, unterschiedliche Standorte, alle unter dem Dach desselben Unternehmens – aber alle mit einem eigenen Manufacturing Execution System (MES). „Wir haben jetzt schon drei MES im Einsatz – wie bekommen wir das zusammen?“, fragen Hilfe suchende Projektverantwortliche. „Unsere Bestandssysteme müssen funktionieren – die können wir nicht einfach abschalten“, melden andere. Es braucht also dringend einen gemeinsamen Raum zum Verbinden, Vernetzen, Verbessern – eine Integrationsplattform
Übernahmen, Umstrukturierungen, Firmenpleiten: Es gibt viele Gründe, warum in Unternehmen unterschiedliche MES genutzt werden. Die Welt der Fertigungs-IT-Anbieter wird immer komplexer: Maschinenhersteller kaufen MES-Anbieter auf, Software-Startups drängen in den Markt, manche Anbieter verschwinden ganz. Für Unternehmen mit eigener Produktion bedeutet das: Sie stehen vor der Herausforderung, die Systeme in ihrer bestehenden IT-Struktur miteinander zu verbinden.
Use Case 1: Integration eines neuen Fertigungsstandorts
Wenn ein Unternehmen ein anderes kauft oder zwei Wettbewerber sich zusammenschließen, ist eines nur ganz selten der Fall: dass beide Unternehmen die gleichen IT-Systeme nutzen. Bestenfalls ist auf beiden Seiten das gleiche ERP-System (Enterprise Resource Planning) im Einsatz. Doch selbst dann sind höchstwahrscheinlich Anpassungen notwendig. Es ist oft weder praktisch noch wirtschaftlich sinnvoll, das „alte“ MES auf den neuen Standort auszuweiten. Daher werden üblicherweise zwei MES parallel betrieben. Um den neuen Standort dennoch nahtlos zu integrieren, braucht es Schnittstellen.
Use Case 2: Ablösung eines auslaufenden MES
Ein Anbieter für Fertigungs-IT wird aufgekauft und entwickelt seine bisherige MES-Lösung mittelfristig nicht weiter. Trotzdem möchte der MES-Kunde neue Anlagen integrieren, ohne den funktionalen Ausbau ins Stocken zu bringen. Wie im ersten Szenario plant die Firma vorerst nicht, seine Produktions-IT auszutauschen. Sie muss also nach einer neuen Lösung auf dem Markt zu suchen, die schrittweise eingeführt werden soll – vorerst ausschließlich für neue Bereiche oder Anlagen. Auch hier ist es unerlässlich, Schnittstellen zwischen dem alten und dem neuen System zu schaffen.
Use Case 3: Integration von firmeninterner Fertigungs-IT
Selbst entwickelte Software ist pflegeintensiv – das wissen alle, die eine Individuallösung einsetzen. Verlassen aber Kolleginnen oder Kollegen, die eine solche Lösung entwickelt haben, die Firma, verschwindet mit ihnen häufig auch deren System-Know-how. Den aktuellen Stand der Software weiter zu nutzen, birgt langfristig enorme Risiken. In der Fertigungsbranche kann nur eine funktionierende MES-Software eine wettbewerbsfähige Produktion gewährleisten. Ein sanfter Übergang von der firmeninternen IT-Lösung zu einem Standardsystem ist daher unabdingbar. Entscheidend für einen reibungslosen Umstieg sind zusätzliche Schnittstellen.
Use Case 4: Best-of-Breed-Strategie
Nicht immer sind es äußere Umstände, die zu einer bunten IT-Landschaft im eigenen Hause führen. Mitunter haben sich Unternehmen auch ganz bewusst dafür entschieden. Denn der Markt für Fertigungs-IT ist dynamisch gewachsen – und so vielfältig und innovativ, dass sich jeder nach Bedarf die beste verfügbare Lösung auswählen kann. Ganz nach der Best-of-Breed-Strategie: für jeden Bereich die jeweils beste Software.
Unternehmen, die sich nicht auf eine umfassende Lösung eines Anbieters verlassen wollen, sondern nach den besten Komponenten für jede spezifische Anforderung suchen, brauchen einen pragmatischen Ansatz, der die bestehende Welt erhält und gleichzeitig den Weg in die neue bereitet. Eine Integrationsplattform bietet dabei – als eine Art Kupplung – viele Vorteile. Der wichtigste davon: Jedes System braucht nur eine einzige bidirektionale Kommunikations-Schnittstelle – die hin zur Integrationsplattform. So können bestehende Systeme sukzessive an die Integrationsplattform angebunden werden – unabhängig davon, wie viele es sind.
Die Manufacturing Integration Platform (MIP) des Softwareanbieters MPDV hat dafür genau die nötigen semantischen Strukturen und die servicebasierte Architektur. Wo bisher ein MES die Schnittstelle zwischen dem ERP-System und dem jeweiligen Shopfloor bildete, sorgt nun die MIP für Interoperabilität über alle Standorte hinweg. Vorhandene MES-Anwendungen anderer Anbieter werden weiterhin genutzt, während für bestimmte funktionale Erweiterungen die MES-Anwendungen von MPDV zum Einsatz kommen.
Stand: 08.12.2025
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Flexibles Multi-MES-Szenario: Alle fertigungsnahen Anwendungen greifen auf eine gemeinsame Integrationsplattform zu. Somit sind auch übergreifende Auswertungen möglich.
(Bild: MPDV)
Wie all das gelingen kann, zeigt das Beispiel eines großen deutschen Herstellers innovativer Glas-Lösungen: Sein Ziel war es, mehrere Fertigungsstandorte mit jeweils verschiedenen MES gemeinsam auszuwerten. Alle Produktionsdaten sollten transparent in einem System zur Verfügung stehen und miteinander vergleichbar sein. Als Innovationsschritt beschloss der Glashersteller, eine Manufacturing App (mApp) zur Werkerführung aus dem Ökosystem der MIP einzuführen.
Ein weiteres Beispiel: Ein bekannter Produzent von Haushaltsgeräten nutzt seit vielen Jahren die MES-Lösung HYDRA von MPDV. Nach der letzten Migration basiert die HYDRA-Installation nun auf der MIP. Damit lassen sich Anwendungen aus dem Ökosystem der MIP – wie etwa ein innovatives, gemeinsames Dashboard – flexibel integrieren. Dank der Kombination aus HYDRA, MIP und der Lösung aus dem Ökosystem können nun jederzeit neue Dashboards erstellt und im Shopfloor verteilt werden.
Integrationsplattform: 7 Anforderungen an die Fertigungs-IT
Maschinen und Anlagen verschiedener Hersteller und unterschiedlichen Alters müssen digital angebunden werden.
Überlagerte IT-Systeme wie das ERP müssen angebunden werden.
Es braucht Schnittstellen (Interfaces)zu Alt- und Bestandssystemen.
In vielen Unternehmen gibt es individuelle Sonder- und Insellösungen, die integriert werden müssen.
Oft bestehen zur Nutzung von Fertigungs-IT Betriebsvereinbarungen, die nach Möglichkeit erhalten bleiben sollen.
Mitarbeitende haben sich über die Jahre wertvolles Know-how angeeignet, das weiterhin genutzt werden soll.
Integrationsplattform Fazit: MIP macht die Fertigung fit für die Zukunft
Mit einer Manufacturing Integration Platform wie der von MPDV können fertigungsnahe Bestandssysteme problemlos integriert werden. Die offengelegte Webservices-Schnittstelle der MIP ermöglicht es, die unterschiedlichsten Systeme anzubinden. Damit ist der Weg offen für die schrittweise Weiterentwicklung und den bedarfsgerechten Ausbau der Fertigungs-IT, ohne den laufenden Produktionsbetrieb zu unterbrechen.
Vorhandene Lizenzen, Datenerfassungsstrukturen und das Wissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleiben dabei erhalten. Eine Integrationsplattform spart somit Kosten und Aufwand – und macht die Fertigungs-IT fit für die Zukunft.