Offene Rechtsfragen Verbände fordern politische Entscheidungen für chemisches Recycling

Quelle: Plastics Europe Deutschland 2 min Lesedauer

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Mit neuen Anlagen und innovativen Verfahren steht das chemische Recycling in Deutschland vor dem Durchbruch – wäre da nicht die unklare Regulierung. Eine aktuelle Studie und Stimmen aus der Industrie zeigen: Ohne zügige Entscheidungen auf EU- und Bundesebene bleibt viel Potenzial ungenutzt.

Chemische Recyclinganlage in Ennigerloh, Nordrhein-Westfalen: In dieser Anlage werden komplexe Kunststoffabfälle in ihre chemischen Grundstoffe zerlegt.(Bild:  Plastics Europe Deutschland)
Chemische Recyclinganlage in Ennigerloh, Nordrhein-Westfalen: In dieser Anlage werden komplexe Kunststoffabfälle in ihre chemischen Grundstoffe zerlegt.
(Bild: Plastics Europe Deutschland)

Eine Studie des Marktforschungsunternehmens Conversio kommt zu dem Ergebnis, dass Deutschland sein Kunststoffrecycling deutlich ausbauen könnte. Chemische Recyclingverfahren eröffnen demnach zusätzliche Optionen neben dem mechanischen Recycling – insbesondere für Abfallströme, die sich mit klassischen Verfahren nur schwer hochwertig verwerten lassen. Letztes Jahr waren hierzulande aber erst vier kleinere Pilotanlagen für chemisches Recycling gemischter Polyolefine in Betrieb (per Anlage Max. 4000 Tonnen/p. a.) sowie eine industrielle Anlage (20.000 Tonnen/p. a.) für die Pyrolyse von Altreifen. Zwei industrielle Anlagen für gemischte Polyolefinabfälle (24.600 Tonnen/p. a. und 50.000 Tonnen/p. a.) werden derzeit gebaut, 10 weitere Anlagen unterschiedlicher Größe befinden sich in Planung.

Matthias Belitz vom Verband der Chemischen Industrie sieht die Politik jetzt in der Verantwortung: „Chemisches Recycling ist bei weitem nicht dort, wo es sein könnte. Es handelt sich um eine Zukunftstechnologie sowohl zur Reduktion von Treibhausgasen als auch zur Versorgung mit Rohstoffen. Das ist eine klare Win-win-Situation für Klimaschutz und Resilienz. Doch solange zentrale Rechtsfragen offenbleiben, kommen die notwendigen Investitionen nicht ins Rollen.“

Wie Dr. Christine Bunte von Plastics Europe Deutschland ergänzt, ist die installierte Kapazität für chemisches Recycling in Europa bisher vor allem außerhalb Deutschlands angesiedelt. Die Erwähnung des chemischen Recyclings im neuen Verpackungsdurchführungsgesetz ist nach ihrer Auffassung ein erster wichtiger Schritt, „das Potenzial auch hier im Land zu heben“. Auf europäischer Ebene fehle noch eine wichtige Entscheidung, wie chemisches Recycling auch auf die Quoten für den Einsatz von recycelten Kunststoffen angerechnet werden könne. Diese „endlose Diskussion über die Massenbilanzierung“ müsse daher schnell beendet werden. „Wir hoffen, die Bundesregierung macht hier in Brüssel entsprechend Druck“, so Bunte.

Neben dem klaren Rechtsrahmen für chemische Verfahren setzen sich die Verbände dafür ein, dass auch lösemittelbasierte Prozesse als Teil der Lösung gefördert werden. Diese Technologien könnten aus ihrer Sicht deutlich höhere Reinheiten erzielen als herkömmliche mechanische Verfahren und damit sowohl höhere Recyclingmengen ermöglichen als auch die Herstellung besonders hochwertiger Rezyklate unterstützen.

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