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Neue Dimension der Gasproduktion Anlagenbau: Air Liquide plant Riesen-Werk zur Luftzerlegung

Von Winfried Rauscheder 2 min Lesedauer

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Wenn alles klappt wie geplant, steht Air Liquide, Weltmarktführer als Produzent technischer und medizinischer Gase, vor der größten Industrieinvestition seiner Firmengeschichte. Der Anlagenbau soll allerdings nicht im heimischen Frankreich stattfinden, sondern in den USA - genauer in Baytown, Texas. 

Großtechnische Gasproduktion mit kleinem CO2-Fußabdruck: Air Liquide versucht in Baytown diesen Spagat.(Bild:  Air Liquide)
Großtechnische Gasproduktion mit kleinem CO2-Fußabdruck: Air Liquide versucht in Baytown diesen Spagat.
(Bild: Air Liquide)

Dort nämlich, etwa 25 Meilen östlich von Houston, steht seit mehr als 100 Jahren der „Baytown Complex“ des Erdöl-Giganten Exxon Mobil. Mit einem Ausstoß von fast 600.000 Barrel Rohöl pro Tag ist Baytown die drittgrößte Raffinerie der USA und die zehntgrößte der Welt.

Gleich in der Nachbarschaft plant Air Liquide, zur langfristigen Belieferung seines US-Großkunden ein gigantisches Werk zur Luftzerlegung (Large Modular Air Separation. LMA) zu errichten. Es würde - falls es denn Wirklichkeit wird - aus vier Industriekomplexen bestehen. Die Kapazität wäre dafür ausgelegt, die bisherige Produktion der Firma von Industriegasen um mehr als die Hälfte zu erhöhen.

Riesiger Anlagenbau mit kleinstmöglichen Fußabdruck

In einer offiziellen Mitteilung dazu bezeichnet Air Liquide-Chef Francois Jackow die geplante Anlage als „größte karbonarme Sauerstoff-Produktionsanlage auf dem amerikanischen Kontinent“. Sauerstoff und Stickstoff nämlich sollen den Löwenanteil an der Produktion ausmachen – neben weiteren Gasprodukten wie Radon, Krypton und Xenon.

In den neuen Anlagen will der Gasgigant künftig bis zu 9.000 metrische Tonnen Sauerstoff und 6.500 Tonnen Stickstoff erzeugen. Die Gase wiederum will Exxon dazu nutzen, in industriellen Mengen „blauen“ - d.h. nicht CO2-freien, aber weitgehend CO2-armen - Wasserstoff in ebenso CO2-armes Ammoniak umzuwandeln. Dieses will Exxon als besonders karbonarmen Kraftstoff anbieten und weltweit erfolgreich vermarkten.

Um die eigene Produktion so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten, muss sich der Gasgigant verpflichten, eine „grüne“ Versorgung seiner Anlagen mit erneuerbarem Strom sicherstellen. Um mindestens 25 Prozent muss Air Liquide den Stromverbrauch pro Tonne Sauerstoff senken, um die Regeln der jetzt getroffenen Vorabmachungen zu erfüllen. Darüber hinaus will der Gaslieferant eigene, innovative Herstellungsmethoden zum Einsatz bringen. So soll das Versprechen eingelöst werden, den Karbon-Fußabdruck der Gesamtproduktion im Vergleich zu herkömmlicher Erzeugung um zwei Drittel zu senken.

Entscheidend ist die Zustimmung der US-Umweltbehörden

Genau da setzt das große „Wenn“ in dem ehrgeizigen Vorhaben an: Nur wenn es Exxon – und mit ihm dem Langzeit-Partner Air Liquide - gelingt, die harten Auflagen der Umweltbehörden zu erfüllen, winkt die Zustimmung der US-Regierung zum Gesamtplan. Nur dann lassen sich die erforderlichen Genehmigungen erzielen. Und nur dann fließen auch die nötigen Subventionen aus dem großen IRA-Plan (Inflation Reduction Act) der Biden-Administration.

Aus diesem Grund ist auch bei Air Liquide die finale Investitionsentscheidung noch nicht gefallen. Sie steht unter dem Vorbehalt, dass sich alle notwendigen Schritte davor realisieren und überprüfen lassen. In diesem Punkt aber ist Francois Jackow guten Mutes: “Das Baytown-Projekt wird zeigen, dass es die Innovationskraft hat, unseren carbon footprint in den USA dauerhaft zu senken und einen entscheidenden Beitrag zur Dekarbonisierung der Energieindustrie zu leisten."

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