Automatisierung ZVEI: Elektrische Automatisierungsbranche in Deutschland boomt nachhaltig

Redakteur: Jon Augestad

Unternehmen der elektrischen Automatisierung vermelden zweistelliges Wachstum im Jahr 2007. Dabei sind die USA mit über 20 Prozent Anteil der größte Markt.

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Nürnberg – Die Unternehmen der elektrischen Automatisierungstechnik vermelden zweistelliges Wachstum im Jahr 2007. In den ersten drei Quartalen ist der Umsatz in Deutschland bereits um 12,9 Prozent auf 31,8 Milliarden Euro gestiegen. „Für die letzten Monate dieses Jahres und für 2008 erwarten wir eine Fortsetzung der guten Entwicklung“, so Dr.-Ing. Gunther Kegel, Vorsitzender des Vorstands des ZVEI-Fachverbands Automation anlässlich der Messe ‚SPS/IPC/Drives’ in Nürnberg. „Alle Zahlen belegen: Der Wachstumstrend ist ungebrochen. Der Export in den ersten neun Monaten 2007 ist um 9,1 Prozent gewachsen. Die positive Entwicklung wird auch vom Inlandsmarkt getragen. In den ersten drei Quartalen legte hier die Nachfrage um 10,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Importe wuchsen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erneut um 15 Prozent“, so Kegel weiter. Der Auftragseingang der Unternehmen der elektrischen Automatisierungstechnik ist in den ersten drei Quartalen 2007 sogar um 15,6 Prozent gestiegen.

Die USA sind mit über 20 Prozent Marktanteil der weltgrößte Einzelmarkt.

Die USA sind mit über 20 Prozent Marktanteil der weltgrößte Einzelmarkt. Dorthin gehen neun Prozent der deutschen Exporte. Sie waren in den ersten drei Quartalen um gut zwei Prozent rückläufig. Alle anderen Exportregionen weisen unvermindert starkes Wachstum auf. Europa außerhalb der EU ist mit einem Plus von über 17 Prozent Spitzenreiter, gefolgt von Südostasien mit 8,1 Prozent Zuwachs. Dort zählen China und Indien weiterhin zu den ‚Emerging Markets’. Kegel stellte fest: „Der Weltmarkt-Anteil von Südkorea ist auf bemerkenswerte fünf Prozent gewachsen.“

„Die EU der 25 ist mit über 50 Prozent der Exporte unser Heimatmakt. Auch hier ist das Wachstum mit 8,8 Prozent sehr erfreulich“, betonte Kegel. Dabei bleibt Deutschland insgesamt starker Netto-Exporteur elektrischer Automatisierungstechnik mit einer Exportquote deutscher Produktion von 78 Prozent.

Infolge der guten Branchenkonjunktur ist die Zahl der Beschäftigten im Jahr 2007 bisher um 4,7 Prozent auf nunmehr gut 221 000 gewachsen. Die elektrische Automatisierungsindustrie hat damit in den ersten neun Monaten des Jahres 2007 rund 10.000 Arbeitsplätze geschaffen. „Die Branche erweist sich als echte Jobmaschine“, stellte Kegel zufrieden fest. „Der Zuwachs wird lediglich durch den zunehmenden Fachkräftemangel behindert.“

Der Fachkräftemangel bleibt leider Wachstumsbremse

Die Diskussion um fehlende Fachkräfte bestimmt auch die Gespräche auf der SPS/IPC/Drives. Nach einer aktuellen BDI-Studie fehlen 48 000 Ingenieure. „Das ist mehr als ein Absolventenjahrgang“, gab Kegel zu bedenken. Der volkswirtschaftliche Schaden betrage 3,5 Milliarden Euro. Der ZVEI schätzt, dass in der Automatisierungsbranche ein bis drei Prozent Wachstum wegen fehlender Ingenieure, Techniker und Facharbeiter nicht realisiert werden kann. Deshalb hat der ZVEI seine Kampagne „superstudium.de“ um „superausbildung.de“ erweitert.

Internet Technologien werden immer bedeutender

Eine der aktuellen technologischen Herausforderung der Branche ist die Nutzung von Internet-Technologien zur Automatisierung ganzer Geschäftsprozesse. „Hier gibt es eine Reihe bemerkenswerter Ansätze, beispielsweise zur Standardisierung von Datensätzen zur Beschreibung von Produkten und Lösungen. So dient ‚PROLIST’ dem durch Internet-Technologien gestützten Austausch aller für das Engineering relevanten Gerätedaten von Herstellerdatenbanken und CAE Planungssystemen in der Prozessindustrie“, erläuterte Kegel. PROLIST, ein vom ZVEI gemeinsam mit der Namur entwickelter Beschreibungsstandard für Daten von Geräten der Prozessleittechnik, sei die am weitest fortgeschrittene Lösung. Der Anwender könne damit ein Gerät direkt in seinem CAE-System abbilden und teurer, inflexibler und fehleranfälliger manueller Dateneingabe vorbeugen. „Der ZVEI und seine Mitgliedsfirmen haben diesen Standard gemeinsam mit der Namur bereits nahezu fertig gestellt“, gab Kegel zu wissen. Dies sei eine auf der SPS/IPC/Drives viel diskutierte Anwendung von Internettechnologien in der Automation.

Energie-Effizienz im Rampenlicht

Energie-Effizienz ist zentrales Anliegen vieler Aussteller der SPS/IPC/Drives – umso mehr, seit dieses Thema in den Mittelpunkt der umweltpolitischen Diskussion in Deutschland und auf europäischer Ebene gerückt ist. Nach ZVEI-Untersuchungen könnten pro Jahr allein bei so genannten Nebenaggregaten wie Pumpen, Lüfter oder Zentrifugen u. a. in Deutschland 27 Milliarden kWh elektrischer Energie durch Energiesparmotoren und drehzahlgeregelte Antriebe eingespart werden. Durch Lifecycle-Betrachtungen der Kosten könnten sich relativ kurze Amortisationszeiten nachweisen lassen. Hier tut sich daher dem ZVEI zufolge ein Markt für Neuanschaffungen und Nachrüstungen auf. Antriebe können einen wesentlich größeren Einspar-Beitrag bei elektrischer Energie liefern, als die bei Verbrauchern meist im Fokus stehenden Leuchten oder Kühlgeräte.

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