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Explosionsschutz Zündende Funken verboten

Autor / Redakteur: Dr. Heinrich Dörr / Dipl.-Medienwirt (FH) Matthias Back

In Pharma-, Chemie- und Biotechnologieanlagen kommen oft brennbare Flüssigkeiten, Gase und Feststoffe zum Einsatz. Abhängig von Menge und Anwendungsbereich dieser Stoffe sind präventive Maßnahmen zu ergreifen, um Explosionen zu verhindern oder deren mögliche Folgen auf ein vertretbares Maß zu begrenzen.

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Der Schutz des Menschen steht beim Explosionsschutz immer an erster Stelle.
Der Schutz des Menschen steht beim Explosionsschutz immer an erster Stelle.
(Bild: Chemgineering)

Explosionen zählen zu den schwerwiegendsten Unglücken der Industrie. Um es gar nicht so weit kommen zu lassen, wird Explosionsschutz bei Planung, Wartung und Betrieb industrieller Anlagen groß geschrieben. Das Ziel ist immer der Schutz des Menschen.

Entsprechend zielt auch eine Fülle von Gesetzen und Richtlinien auf die Vermeidung von Explosionen. Auf europäischer Ebene sind dies die harmonisierte ATEX Produktrichtlinie 94/9/EG und die ATEX 137 Betriebsrichtlinie 1999/92/EG. Die EU-Mitgliedstaaten haben diese in nationales Recht umgesetzt, wie z. B. in die deutsche Betriebssicherheitsverordnung, kurz: BetrSichV (letzte Fassung: Nov. 2011), die Explosionsschutzverordnung (Fassung 2011) . Zusätzlich gibt es verschiedene Regeln und Normen, wie die Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS). Diese umfangreichen gesetzlichen Vorgaben sind sowohl im Planungsstadium als auch während des späteren Betriebs der Anlage einzuhalten.

Explosionsschutz ist zu dokumentieren

Gemäß Arbeitsschutzgesetz und Gefahrstoffverordnung ist vom Arbeitgeber für jeden Arbeitsplatz eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Im Rahmen dieser wird geprüft, ob sich aus brennbaren Flüssigkeiten, Gasen oder Stäuben, die am Arbeitsplatz eingesetzt werden, zusammen mit Luft gefährliche Mengen einer explosionsfähigen Atmosphäre bilden können. Ist dies der Fall, so sind verschiedene Maßnahmen zur Explosionsvermeidung oder zur Begrenzung von deren Auswirkungen zu treffen. Diese Maßnahmen sind im Explosionsschutzdokument festzuhalten. Explosionsfähige Atmosphären, die nicht verdichtet sind, gelten im Allgemeinen bis zu einem Volumen von 10 Liter als ungefährlich.

Kann in einer Anlage das Auftreten von gefährlichen explosionsfähigen Atmosphären nicht ausgeschlossen werden, so hat der Arbeitgeber nach Artikel 8 ATEX Betriebsrichtlinie oder § 6 BetrSichV vor der Aufnahme des Betriebes ein Explosionsschutzdokument zu erstellen. In diesem Dokument muss er nachweisen, dass die Explosionsgefährdung des betrachteten Betriebes ermittelt, bewertet und angemessene Vorkehrungen getroffen wurden.

Dies immer mit dem Ziel, die Gesundheit und Sicherheit der Arbeitnehmer zu gewährleisten. In diesem Dokument sind – neben der Beschreibung des Betriebsbereiches, des Verfahrens und der verwendeten Stoffmengen – die Gefahren, die geforderten Explosionsschutzmaßnahmen sowie Notfallmaßnahmen aufzuführen. Ein weiterer zentraler Bestandteil ist die Einteilung der gefährdeten Bereiche in Explosionsschutzzonen.

Zur Ermittlung der erforderlichen Maßnahmen und zur Festlegung der Explosionsschutzzonen werden die sicherheitstechnischen Kennzahlen der eingesetzten Stoffe benötigt, wie z. B. Explosionsgrenze, Flammpunkt und Zündtemperatur. Diese sind daher auch ein wichtiger Bestandteil des Explosionsschutzdokuments.

Das Dokument muss durch den Arbeitgeber auf dem neusten Stand gehalten werden. D.h. bei Änderungen in den betroffenen Anlagenbereichen ist das Dokument an die aktuellen Gegebenheiten anzupassen.

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