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Namur-Hauptsitzung 2010

Zertifizierungen allein sorgen nicht für Sicherheit

| Redakteur: Marion Henig

Beim Thema Sicherheit gibt sich die Prozessindustrie kompromisslos. Während dies früher oft zu Lasten der Verfügbarkeit ging, schließen heutige Sicherheitskonzepte Verfügbarkeit und Effizienz nicht mehr aus. Wie diese in der Praxis umgesetzt werden, diskutierten über 550 Teilnehmer auf der diesjährigen Namur-Hauptsitzung.

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„Ich wundere mich ja schon ein bisschen über die mangelnde Lernfähigkeit der Spezies Mensch“, fand Namur-Vorsitzender Dr. Norbert Kuschnerus deutliche Worte in Erinnerung an die Anfänge des Feldbusses. (Bild: M.Henig/PROCESS)
„Ich wundere mich ja schon ein bisschen über die mangelnde Lernfähigkeit der Spezies Mensch“, fand Namur-Vorsitzender Dr. Norbert Kuschnerus deutliche Worte in Erinnerung an die Anfänge des Feldbusses. (Bild: M.Henig/PROCESS)

Eigentlich ist das Thema Sicherheit in der Prozessindustrie ausreichend über Normen und Richtlinien geregelt. Dennoch gab es einen guten Grund, in diesem Jahr das Thema „Funktionale Sicherheit“ als Überschrift der Namur-Hauptsitzung in Bad Neuenahr zu wählen. „Die funktionale Sicherheit muss immer Hauptaufgabe sein und darf nie zur Routine werden. Jede Anlage ist anders“, betonte Steffen Philipp, geschäftsführender Gesellschafter bei Hima, dem diesjährigen Sponsor. Ganz entscheidend ist seiner Meinung nach das Expertenwissen sowohl auf Anlagen- als auch Lieferantenseite. „Es reicht nicht, SIL-zertifiziertes Equipment zu kaufen und einzubinden“, warnt Thomas Hinzmann, Vertriebsleiter bei Hima und nennt ein Beispiel: „Es sind Ventile mit Motorsteuerung zu finden, die über ein SIL-Zertifikat verfügen. Wenn man jedoch genauer hinschaut, wird man feststellen, dass nur die Alarmierung im Fehlerfall SIL2-zertifiziert ist, nicht aber das Ventil selbst.“ Zudem entstehen in der Regel die SIL-Zertifikate unter Laborbedingungen – die wahre Eignung zeigt sich aber erst unter Betriebsbedingungen. Generell steigen die Anforderungen an die Sicherheit aufgrund der zunehmenden Komplexität der Anlagen. Während früher allerdings im Fehlerfall eine Anlage herunter gefahren wurde, ist dies heute nur die letzte Option. Sicherheit kann dank Systemen wie Himax heute mit hoher Verfügbarkeit einhergehen.

Eindeutige Signale - Fehlanzeige

Sichere Prozesse benötigen eindeutige Signale. Was im Sicherheitsbereich inzwischen gut funktioniert, scheint beim Thema Geräteintegration und Wireless nach wie vor ungeklärt. Um den Stand bei FDI zu klären, startete die Namur eine Umfrage bei Herstellern, Anwendern und Organisationen. Die Antwort der 240 Rückmeldungen war eindeutig: „FDI wird als zukünftige Lösung – im positiven Sinne - für die Geräteintegration gesehen“, fasst Michael Pelz zusammen. „Es gibt eine hohe Bereitschaft, FDI einzusetzen, aber nur wenn die Fragen um die EDDL-Harmonisierung und des Standardinterpreters geklärt sind.“ Obwohl System- und Gerätehersteller sowie die Anwender eine Harmonisierung der EDDL unterstützen, wollen dies nicht alle Organisationen. Auch bei der Frage eines zukünftigen Standardinterpreters bestätigen nicht alle Systemhersteller einen solchen Einsatz. Anwender und Gerätehersteller befürchten daher, dass am Ende nicht nur EDDL und FDT/DTM unterstützt werden müssen, sondern noch eine dritte Technologie. Weiteres Kopfzerbrechen bereiten fehlende Migrationskonzepte. Ob und wann Geräte mit FDI zum Einsatz kommen, ist nach wie vor unklar. „Die Namur fordert weiterhin eine stabile Geräteschnittstelle“, so Pelz, merkt aber gleichzeitig an, dass die Namur und die WIB den Einsatz von FDI erst empfehlen werden, wenn eine FDI-Organisation die Umsetzung der wichtigsten Anforderungen bestätigt.

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