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Sicherheitstechnik

Wie weit ist die Einführung von Leitsystemen mit integrierter Sicherheitstechnik

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Bei BP in Gelsenkirchen mit vielen Anlagen, die unter die Störfallverordnung §4 fallen, trennt man streng zwischen Prozessleitsystem und einem System für sicherheitsgerichtete Funktionen. „Zum einen gibt es hier eine ganz klare Verordnung, die wir selbstverständlich einhalten müssen, zum anderen ist das Handling einfach leichter“, erklärt Björg Otte, zuständig für EMR Instandhaltung Mineralöl Horst am Standort Gelsenkirchen. Derzeit werden schon Überwachungsfunktionen an ein Leitsystem übertragen. Dabei vertraut Otte den Leitsystemen und hält es durchaus für denkbar, dass man Anwendungen unter SIL1 in das Leitsystem integriert. „Die Leitsysteme verfügen heute über eine so hohe Verfügbarkeit, dass ich keine Bedenken habe.“ Dennoch fehlt es seiner Meinung nach an Erfahrungen und einer gesicherten Datenbasis für Sicherheitsberechnungen, um integrierte Systeme einzusetzen.

Evonik setzt sowohl Leitsysteme mit integrierten Sicherheitssteuerungen unterschiedlicher Lieferanten, als auch Leitsysteme mit separaten sicherheitsgerichteten Steuerungen weltweit ein. Michael Kartenberg, Leiter Automation & Process Management bei Evonik sieht das Thema pragmatisch „Unsere Untersuchungen des letzten Jahres zu dieser Thematik zeigen, dass die projekt-/einsatzspezifischen Randbedingungen den entscheidenden Ausschlag für die eine oder die andere Variante ergeben. Eine von diesen Randbedingungen unabhängige Empfehlung hat sich für uns nicht ergeben.“

Feldbus mit integrierter Sicherheit

Prinzipiell kann auch ein Feldbus sicherheitsgerichtete Funktionen übernehmen. Wie dieser auszusehen hat, wurde schon 1993 in der Namur-Empfehlung NE 97 ‚Feldbusse für Sicherheitsaufgaben‘ beschrieben. Dennoch üben die Anwender vorsichtige Zurückhaltung, wobei an der prinzipiellen Eignung kaum jemand zweifelt. „Die Anwender fürchten bei einem integrierten System bei einem Netzwerkausfall sofort einen Totalausfall. Das sind aber Anfangsbedenken gegenüber einer neuen Technologie“, ist der Vorsitzende des deutschen Foundation Fieldbus Komitees, Thomas Kasten von Pepperl+Fuchs, überzeugt. „Schließlich ist die Anlage so aufgebaut, dass sie dann wie bei einem konventionellen Sicherheitssystem in den sicheren Zustand fährt."

Die BASF steht Profisafe bzw. FF-SIF aufgeschlossen gegenüber und erwartet keine sicherheitstechnischen Probleme. Allerdings müsse die zugrunde liegende Feldbustechnologie erst einmal vollständig ausgereift und ausreichend robust sein. Hier stehe neben der Sicherheit insbesondere eine stabile Installation und damit eine hohe Anlagenverfügbarkeit an erster Stelle.

Bei Evonik steht man dagegen einem Einsatz im Feldbusbereich eher skeptisch gegenüber. „Unsere Philosophie ist die Benutzung betriebsbewährter Gerätetechnik im Feldbereich“, erklärt Kartenberg und meint damit eine Gerätetechnik, die sowohl in betrieblichen als auch in sicherheitsgerichteten Anwendungen einsetzbar ist. „Beim Einsatz von Profisafe bzw. FF-SIF würde unsere Philosophie durchbrochen, da aus unserer Sicht momentan die verfügbare Gerätetechnik (Sensorik/Aktorik mit zertifiziertem Protokollstack) eine spezialisierte Technik darstellt“, so Kartenberg .

Dabei gibt es einige Pilotprojekte. So waren nach Aussage von Emerson die Rückmeldungen von den Betreibern der vier FF-SIF-Testanlagen (BP, Shell, Shevron und Saudi Aramco) so positiv, dass FF-SIF in Zukunft auch zum Einsatz kommen wird. Shell Project & Technology (früher Shell Global Solutions) und Saudi Aramco kündigten bereits eine Fortführung der Projekte an. Shell hat FF-SIF für das Nederlandse Aardolie Maatschappij-Projekt in den Niederlanden spezifiziert. In Saudi Arabien soll Ende 2010 ein Initialprojekt in der Juaymant Gasanlage in Saudi Arabien starten.

Waren damals noch Prototypen bei den Testanlagen eingebaut, fordern die Betreiber die Gerätehersteller nun auf, geeignete Feldgeräte auf den Markt zu bringen. „Ich bin überzeugt davon, dass Profisafe bzw. FF-SIF – sollte diese Technologie erst einmal in einigen Anlagen sicher laufen – ein Selbstläufer wird“, so Kasten und verweist auf die Treiber im Nahen Osten und Asien, wo derzeit ein Großteil der Neuanlagen mit Feldbussen ausgestattet werden.

Ausblick

Für welche Lösung sich der Anwender auch entscheidet: Zu den wichtigsten Trends gehört der Wunsch nach mehr Produktivität. „Nicht warten bis ein Gerät ausfällt, sondern die präventive Wartung soll den Ausfall verhindern“, so der Hima-Sicherheitsexperte Hafner. Dazu müssen zusätzliche Informationen von Feldgeräten für den Operator sinnvoll aufbereitet werden. Die Aufgabe der Sicherheitssysteme wird es dabei sein, diese Informationen zu unterstützen.

Schließlich ist die Aufgabe der Sicherheitssysteme nicht mit der Erfüllung der sicheren Abschaltung erledigt. „Mittlerweile ist höchste Verfügbarkeit ohne Kompromisse hinsichtlich der Sicherheit gefordert, das kann nicht nur mit Redundanzen erzielt werden“,macht Hafner deutlich. So muss seiner Meinung nach ein Betriebssystem-Upgrade oder die Durchführung einer Wiederholungsprüfung auch ohne Anlagenstillstand möglich sein.

* Die Autorin arbeitet als freie Redakteurin bei PROCESS.

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