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10. Chemcologne Chemieforum

Wie sind die Perspektiven für die chemische Industrie im Rheinland?

| Redakteur: Wolfgang Ernhofer

Beim 10. Chemcologne Chemieforum diskutierten Experten aus der chemischen und petrochemischen Industrie auf der Bühne und mit dem Publikum. In den Pausen gab es auch abseits des offiziellen Teils einiges zu besprechen.
Beim 10. Chemcologne Chemieforum diskutierten Experten aus der chemischen und petrochemischen Industrie auf der Bühne und mit dem Publikum. In den Pausen gab es auch abseits des offiziellen Teils einiges zu besprechen. (Bild: PROCESS/Ernhofer)

Wie ist es um die Logistik und Rohstoffversorgung für die Chemieindustrie im Rheinland bestellt? Keine ganz neue Frage, aber ständig aktuell. Deswegen wurde beim 10. Chemcologne Chemieforum in Leverkusen mal mehr, mal weniger kontrovers diskutiert. Dabei durften Streitgespräche über Big Data, Importabhängigkeit, Verantwortungen und eine mögliche Rohstoffstrategie nicht fehlen.

Leverkusen; Köln; Würzburg – Chemcologne-Vorstandsvorsitzender und Chempark-Chef Dr. Ernst Grigat machte gleich in seiner Begrüßung klar, worum es an diesem Tag gehen würde. Die Situation der maroden Infrastruktur inklusive der zeitweiligen Schließung der Leverkusener Autobahnbrücke sei mittlerweile im ganzen Land bekannt. „Jetzt geht es darum Lösungsansätze zu finden“, leitete er ein.

Dass das Verkehrsaufkommen im Rheinland stark ansteigen wird, gerade auch vom und zum Seehafen Antwerpen, verdeutlichten die Vorträge von Bernd Buthe vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung und Hans Königs vom Hafen Antwerpen. Auf dieser Grundlage diskutierten Gerd Deimel, Vice President der Lanxess Deutschland und Sprecher der Initiative Infrastruktur des VCI sowie Prof. Dr. Carsten Suntrop, Geschäftsführer CMC² und Professor an der Europäischen Fachhochschule Rhein/Erft in der anschließenden Talkrunde.

Viele Aspekte wurden kontrovers diskutiert. Suntrop plädierte für eine „intelligente Nutzung der Kapazitäten rund um die Uhr“. Dabei könnte in Zukunft Big Data helfen, Potenziale und Kapazitäten aufzudecken und zu nutzen. Dazu müssten die Unternehmen aber bereit sein, Daten – natürlich anonymisiert – einem Dienstleister etc. zur Verfügung zu stellen. Deimel fügte dem hinzu, dass die Kapazitäten der Binnenschifffahrt nicht ausgenutzt werden. Um Kapazitäten auf der Straße zu optimieren, müssen auch die Leerfahrten minimiert werden. Ein Problem ist auch die Erhebung von Transportdaten. Deimel forderte zudem die Einrichtung eines runden Tischs pro Verkehrsträger, an dem nicht nur Politiker teilnehmen, sondern auch namhafte Unternehmensvertreter verschiedener Industriebranchen.

Insgesamt bildeten rund 200 Teilnehmer die Kulisse im Leverkusener Baykomm. Auch aus dem Plenum gab es einige Meldungen und Beiträge zu diesen allgegenwärtigen Trendthemen, die die chemische Industrie schon seit einiger Zeit beschäftigen.

Fracking ja, Kohle auch, vielleicht nachwachsende Rohstoffe – Viele Vorschläge und Möglichkeiten bei Abschlussdiskussion

Mögliche Szenarien der zukünftigen Rohstoffversorgung zeigte Ruud Melieste vom Hafen Rotterdam zu Beginn des Nachmittags auf. „Die Herausforderungen muss das Rheinland gemeinsam mit den Chemie- und Ölclustern in den ZARA-Häfen lösen“, führte er aus. Lösungsansätze für das Rheinland wurden auch in der abschließenden Podiumsdiskussion besprochen. Dr. Martin Wedig, Geschäftsführer Vereinigung Rohstoffe und Bergbau, erklärte dabei, dass sich Deutschland nicht komplett der Fracking-Technologie verweigern sollte, „um sich bei der Erdgasförderung nicht in weitere Abhängigkeit zu begeben“. Grünen-Politiker Hans Christian Markert, langjähriger Vorsitzender der Enquete Kommission zur Zukunft der chemischen Industrie in Nordrhein-Westfalen – deren Arbeit im Mai 2015 endete –, präsentierte einige Ergebnisse des einstimmig vom Landtag veröffentlichten Enquete-Berichts. Er fokussierte sich insbesondere auf die Nutzung der heimischen Braunkohle als Rohstoff. Darüber hinaus sagte er zu, den Dialog mit den Chemieunternehmen des Rheinlands fortzusetzen um zukunftsfähige Lösungen zu finden.

Wie in der Abschlussdiskussion argumentiert und diskutiert wurde, verdeutlicht einen Trend der letzten Jahre: Politik und Chemie nähern sich immer weiter an. Eine Tatsache, die für die Chemieindustrie im Rheinland nicht die schlechteste Ausgangslage für weitere Verhandlungen und Gespräche bietet.

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