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Exklusivinterview

Wie Geschäftsführer Oevermann das Profil des Apparatebauers Diosna weiter schärfen will

| Autor: Anke Geipel-Kern

Henrik Oevermann leitet seit Mai 2018 die Geschäfte des Pharmamaschinenbauers Diosna. Als erstes hat er Strukturen umgekrempelt, die er für nicht mehr zeitgemäß hielt. Pharma- und Lebensmittelbereich arbeiten jetzt enger zusammen, um Synergien zu schöpfen. Das schafft Flexibilität im Engineering und in der Produktion. Jetzt denkt er intensiv nach, wie sich Diosna weiter entwickeln soll.

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Henrik Oevermann, Geschäftsführer bei Diosna
Henrik Oevermann, Geschäftsführer bei Diosna
(Bild: MECKEL BETTINA)

? Herr Oevermann, momentan stottert die Konjunktur. Die VDMA-­Zahlen belegen, dass die Zeiten des starken Wachstums im Maschinenbau erst einmal vorbei sind. Wie kommt die Konjunkturdelle bei Diosna an?

Henrik Oevermann: Die Geschäftsentwicklung ist zur Zeit im Pharma- und Lebensmittelbereich gleich stark. Geld kostet momentan wenig und dank der expansiven Politik der Notenbanken gibt es gute Kredite für Optimierungsmaßnahmen und Produktivitätssteigerung, aber auch Neuanlagen, die dazu beitragen. Wir sehen auch, dass Bestandsmaschinen, die in die Jahre gekommen sind, ausgetauscht werden gegen neuere, um Steuerung und z.B. Dokumentationssoftware wieder auf den neuesten Stand zu bringen.

? Bedeutet das im Umkehrschluss, momentan wird wenig in Neuanlagen investiert?

Oevermann: Das kann man so pauschal nicht sagen. Aktuell fertigen wir u.a. zwei sehr große Granulierlinien, die im Herbst bzw. Frühjahr an Kunden in Deutschland und Ägypten ausgeliefert werden. Diese werden in sehr unterschiedlichen Ausführungen ausgelegt sein. Aber ja, wir sprechen viel über Umbauten, Optimierungen oder Erweiterungen. Wirklich neue Kapazitäten werden überwiegend in Fernost aufgebaut.

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? Können Sie davon profitieren?

Oevermann: Wir haben Niederlassungen z.B. in Indien und in Russland und bedienen auch diese Märkte. Eine Niederlassung in den USA ist gerade in Gründung. Unser Hauptgeschäft findet allerdings aus dem deutschen Stammhaus statt. Wir sind da eher konservativ unterwegs.

? Im Lebensmittelbereich haben Sie vor einigen Jahren eine Biotechnologiesparte aus der ehemaligen Isernhäger heraus aufgebaut. Welche Ideen haben Sie für die Pharmasparte?

Oevermann: Wir diskutieren momentan intensiv, in welche Richtung wir den Pharmabereich entwickeln wollen und denken an verschiedene Optionen. Wir sind auf jeden Fall der Auffassung, dass die alleinige Zukunft nicht nur im Weg nach Asien liegen kann, um dort neben vielen anderen Wettbewerbern vergleichbare Anlagentechnik zum günstigsten Preis anzubieten.

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? Können Sie ihre Ideen etwas konkretisieren?

Oevermann: Diosna steht für hochwertige Qualität in der Verarbeitung der Maschinentechnik. Genau das wird im Reinraum verlangt. Es kommt auf Präzision an, was man in der Regel mit Lowcost-Maschinen nicht bedienen kann. In der Onkologie werden neue Medikamente entwickelt, die allesamt sehr teuer sind, deshalb kommt es dort auf hohe Maschinenqualität und High Containment an. Das sind Felder, auf denen wir viele Erfahrungen gesammelt haben und auch in Zukunft verstärkt unterwegs sein wollen. Insgesamt sind die internen Diskussionen aber ergebnisoffen.

? Bedeutet das Thema Onkologie eine stärkere Orientierung in Richtung Liquidafertigung oder sogar Zellkulturtechnik?

Oevermann: Mit genau diesem Feld haben wir uns auch auseinandergesetzt. Aber zum jetzigen Zeitpunkt kommen wir zu dem Schluss, dass dieses Thema für uns noch nicht interessant ist. Wobei wir allerdings hier durchaus Expertise mitbringen. Wir bauen für den Lebensmittelbereich Fermenter für die Produktion von Lactobacilluskulturen. Das ist vom Anspruch her der Fertigung von Biopharma­zeutika sehr ähnlich. Wir haben den Markt analysiert und festgestellt, dass die Musik hier eher im Downstreambereich spielt und hier gibt es starke Wettbewerber, die das Feld für uns unattraktiv machen.

? Und was ist attraktiv für Sie?

Oevermann: Ganz klar das Kerngeschäft. Dazu gehören Mischer-Granulatoren, Eintopf-Prozessoren, Wirbelschichtprozessoren, Universalmischer, Granulierlinien, Tablettencoater, modulare Laboranlagen und Gesamtanlagen. Ein wichtiges Geschäftsfeld stellen für Diosna seit längerem die Maschinen und Anlagen für den Containmentbereich dar. Wir setzen vor allem auf kundenspezifische Lösungen, die weg vom Standard gehen und für die wir sehr flexibel auf Kundenwünsche eingehen. Interessante Teilgebiete sind z.B. flexible Anlagen für den Entwicklungs- und Klinikmusterbereich, Mischsysteme für die Herstellung von Inhalaten und die Trocknung unter Vakuum („Single Pot“). Hier spielen auch gemeinsame Entwicklungsarbeiten im Diosna Technology Center in Osnabrück eine wichtige Rolle.

? Aktuelles Hype-Thema der Branche ist Kontiproduktion. Auch für Diosna Pharma?

Oevermann: Wir haben den Markt gründlich analysiert und beschlossen, dort nicht einzusteigen. Wir sind der Meinung, dass es einen Markt gibt, der sich auf Dauer bei plus minus 15 Prozent des Gesamtmarktes einpendeln wird. Das ist für uns keine relevante Größenordnung. Gleichwohl haben wir natürlich durch die Lebensmitteltechnik Kontiverfahren im Haus.

? Die Batchgrößen sinken seit Jahren. Laborequipment ist für onkologische Arzneimittel bereits Produktionsmaßstab. Und auch die Klinikmusterfertigung ist ein spannender Bereich. Was haben Sie da anzubieten?

Oevermann: Mit unseren modularen Systemen Midilab RC sowie dem Minilab RC System sind wir für diese Anforderungen gut aufgestellt. Diosna hat über Jahrzehnte sehr viele Kleinanlagen am Markt platziert. Und da sehen wir auch immer eine unserer Stärken, vor allem im Hinblick auf den asiatischen Wettbewerb.

? Was planen Sie für die nächsten drei bis fünf Jahre?

Oevermann: Wir investieren jetzt gerade in unser Technikum, um das auf den neusten Stand zu bringen. Wir werden uns weiter fokussieren und unser Profil bei der Solidaverarbeitung im Mischen und Granulieren weiter schärfen. In das Thema Exzipients werden wir stärker einsteigen, angrenzende Geschäftsfelder ins Visier nehmen: Kosmeceuticals, Nutraceuticals und wie gesagt, das Thema High Con­tainment wird uns die nächsten Jahre sicher weiter beschäftigen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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