Suchen

Explosionsschutz

Wie erstellt man ein Explosionsschutzdokument?

| Autor/ Redakteur: Dipl.-Ing. Jens-Peter Wache / Anke Geipel-Kern

Bereits vom ersten Beschäftigten an müssen Betreiber von Anlagen mit explosionsgefährdeten Bereichen ein Explosionschutzdokument führen. Lesen Sie, welche Anforderungen die Verantwortlichen erfüllen müssen.

Firmen zum Thema

Die Sichtprüfung eines Sicherheitsventils gehört zu den Aufgaben, die ein Betreiber überwachungsbedürftiger Anlagen erfüllen muss.
Die Sichtprüfung eines Sicherheitsventils gehört zu den Aufgaben, die ein Betreiber überwachungsbedürftiger Anlagen erfüllen muss.
( Bild: TÜV Süd Industrie Service GmbH )

Die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) setzt hohe Maßstäbe an die Sicherheit. Insbesondere in explosionsgefährdeten Bereichen werden Anlagenbetreiber zu einer vorausschauenden Gefährdungsbeurteilung und lückenlosen Dokumentation verpflichtet. Generell sind Vorschriften für Betrieb und Prüfung von überwachungsbedürftigen Anlagen in Abschnitt 3 der BetrSichV enthalten. Es können jedoch auch die Regelungen des zweiten Abschnitts der BetrSichV gelten. Das ist dann der Fall, wenn der Betreiber gleichzeitig Arbeitgeber mit Beschäftigten ist. Nutzen Personen die überwachungsbedürftige Anlage als Arbeitsmittel, hat der Arbeitgeber auch die gemeinsamen Vorschriften für Arbeitsmittel (2. Abschnitt der BetrSichV) zu beachten. Diese Verpflichtung ergibt sich aus § 1 Abs. 2 Satz 3 BetrSichV und stellt sicher, dass nicht nur Beschäftigte, welche die Anlage als Arbeitsmittel nutzen, sondern alle Personen im Gefahrenbereich der Anlage den Schutzbestimmungen der BetrSichV unterliegen.

Um seinen Schutzpflichten nachzukommen hat der Arbeitgeber mögliche Gefährdungen zu ermitteln und notwendige Schutzmaßnahmen vorzusehen. Konkretisiert sind diese Pflichten in § 3 BetrSichV. Demnach wird der Arbeitgeber zu einer umfassenden und vorausschauenden Beurteilung der Gefährdungen verpflichtet. Zusätzliche Anforderungen werden dabei in §§ 5 und 6 BetrSichV an die Gefährdungsbeurteilung des Explosionsschutzes gestellt. Die Maßnahmen für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei Explosionsgefahr sind außerdem in Anhang 4 der BetrSichV beschrieben.

Grundsätzlich sind nach § 3 Abs. 2 BetrSichV gefährliche explosionsfähige Atmosphären zu verhindern. Um das Risiko einer Explosion zu minimieren, sind die Wahrscheinlichkeit und Dauer des Auftretens von explosionsfähigen Atmosphären und von Zündquellen zu ermitteln.

Beurteilen und Dokumentieren

Entscheidend für Schutzmaßnahmen ist dabei auch die Ermittlung des Ausmaßes und der resultierenden Auswirkungen einer möglichen Explosion. Um diese verlässlich einschätzen zu können, sind auch Wechselwirkungen, die sich aus der Arbeitsumgebung und zwischen den einzelnen Anlagenteilen oder Arbeitsstoffen ergeben, zu berücksichtigen. Der Arbeitgeber unterliegt dabei bestimmten Beurteilungs- und Dokumentationspflichten. Neben der Beurteilung des Explosionsschutzes gemäß § 3 Abs. 2 BetrSichV ist eine arbeitsmittelbezogene Beurteilung nach Absatz 1 durchzuführen. Unerlässlich ist dabei auch die in § 3 Abs. 3 BetrSichV geforderte Ermittlung notwendiger Prüfungen und Prüffristen. Es ist festzulegen, inwieweit Sachverständige einer Zugelassenen Überwachungsstelle (ZÜS) oder befähigte Personen diese Prüfungen durchführen.

Neben der eigentlichen Gefährdungsbeurteilung ist der Arbeitgeber verpflichtet, die Ergebnisse der Beurteilung zu dokumentieren. Für den Explosionsschutz gilt hier jedoch eine Besonderheit. Während die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung nach § 3 BetrSichV erst dann dokumentiert werden müssen, wenn mehr als zehn Personen im Werkbereich der Anlage tätig werden, ist für den Explosionsschutz gemäß § 6 BetrSichV – ab dem ersten Beschäftigten – ein Explosionsschutz-Dokument zu erstellen.

Im Explosionsschutz-Dokument muss der Arbeitgeber dokumentieren, dass mögliche Explosionsgefährdungen ermittelt und bewertet worden sind. Beinhalten muss das Dokument auch die vom Betreiber bzw. Arbeitgeber getroffenen Vorkehrungen zum Explosionsschutz. Grundlage hierfür ist die Gefährdungsbeurteilung nach § 3 BetrSichV. Festzuhalten ist darüber hinaus, welche Bereiche in Zonen eingeteilt wurden und für welche Bereiche Mindestvorschriften gelten. Die Zoneneinteilung richtet sich nach Häufigkeit und Dauer des Auftretens von gefährlichen explosionsfähigen Atmosphären in explosionsgefährdeten Bereichen. Die Verpflichtung zur Zoneneinteilung ergibt sich aus § 5 BetrSichV. Zu berücksichtigen sind dabei die Definitionen in Anhang 3 der BetrSichV.

Nachweis durch Dokumentation

Um die Schutzpflichten zu realisieren und ein gleich bleibendes Sicherheitsniveau zu gewährleisten, hat der Arbeitgeber das Explosionsschutz-Dokument immer auf dem neuesten Stand zu halten. Die BetrSichV betont dabei die Verantwortung des Arbeitgebers. Zum Erfüllen dieser Verantwortung und als deren Nachweis ist die lückenlose Dokumentation entscheidend.

Eine vollständige und nachvollziehbare Dokumentation muss unter anderem das Datum und die Art der Prüfung beinhalten. Erforderliche Prüfungen, Prüffristen, deren Ermittlung und gewissenhafte Dokumentationen sind nicht leicht zu überblicken. Doch genau darauf kommt es an. Nur wenn eine lückenlose Dokumentation vorhanden ist und jederzeit die benötigten Informationen zur Verfügung stehen, lassen sich mögliche Risiken verlässlich einschätzen. Festzuhalten sind darüber hinaus Name und Bezeichnung des Prüfers sowie alle Unterlagen, die zur Prüfung herangezogen wurden. Die Dokumentation der überprüften Anlagen und -komponenten sowie der Prüfergebnisse ist ebenfalls erforderlich. Inhalt der Dokumentation sind dabei die festgestellten Mängel und deren Bewertung. Hieraus ergeben sich grundlegende Aussagen zum Weiterbetrieb der Anlage sowie der nächste Prüftermin. Diese Aussagen sind ebenso zu dokumentieren, wie die Maßnahmen, die zur Erreichung der Ziele des Explosionsschutzes getroffen wurden.

Insbesondere in explosionsgefährdeten Bereichen ist das Wissen über die aktuellen Wechselwirkungen zwischen einzelnen Anlagen und Anlagekomponenten für die Anlagensicherheit und Anlagenverfügbarkeit unerlässlich. Die lückenlose Dokumentation liefert den Nachweis, dass der Betreiber seiner Verantwortung gerecht wird und minimiert so auch seine Haftungsrisiken.

Der Autor ist Mitarbeiter der TÜV SÜD Industrie Service GmbH, Niederlassung Mannheim.

Artikelfiles und Artikellinks

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 246631)