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Digitalisierung in der Lebensmittelindustrie

Wettbewerbsvorteil durch Digitalisierung

| Autor/ Redakteur: Julie Dörr / Wolfgang Ernhofer

Auch in der Lebensmittelindustrie kann die Digitalisierung zu einem Wettbewerbsvorteil werden: Das beweist ein Hersteller von Räucherfisch. Mithilfe eines IoT-Betriebssystems wurden Prozesse visualisiert, optimiert und letztendlich die Produktion um 25 % gesteigert.

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Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen auch Lebensmittelhersteller wie das Räucherfischunternehmen Heimon Kala auf Digitalisierung setzen.
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen auch Lebensmittelhersteller wie das Räucherfischunternehmen Heimon Kala auf Digitalisierung setzen.
(Bild: Siemens Digital Industries Software)

Mit rund 50 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 73 Millionen Euro ist Heimon Kala aus Hämeenlinna in Finnland, eines der fünf größten und führenden Räucherfischunternehmen des Landes. Um dem Wettbewerb auch in Zukunft einen Schritt voraus zu sein, nutzt Heimon Kala Cloud Services, Datenanalyse- und Reporting-Tools. Im Zuge einer Modernisierung von mehreren Räucheröfen entschied sich das Unternehmen für Mindsphere, dem offenen IoT-Betriebssystem von Siemens Digital Industries Software (früher: Siemens PLM Software). Durch den Einsatz von Mindsphere lassen sich Ergebnisse leichter messen und Räucher- sowie Montagezeiten drastisch verkürzen, so das Unternehmen.

„Bisher haben wir die Innentemperatur des geräucherten Fisches manuell überwacht und die Daten auf Papier niedergeschrieben“, erklärt Risto Mälkönen, Betriebsleiter bei Heimon Kala. „Prozesskontroll- und Berichtswerte wurden per Hand in eine Tabellenkalkulation eingetragen. Jetzt verwenden wir in unseren Öfen acht verschiedene Messverfahren, aus denen die Daten automatisch und sicher im Cloud-Service des IoT-Betriebssystems Mindsphere gesammelt werden. Von dort aus erhalten wir chargenspezifische Berichte nach jedem Räuchervorgang – direkt per E-Mail.“

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Mälkönen war überrascht, wie viele wertvolle, produktionsbezogene Daten durch Messverfahren aus den Räucheröfen gewonnen werden können: Der Bericht enthält neben der Innentemperatur des Fisches auch Daten über die Temperatur der Zuluft, den Feuchtigkeitsanteil, die Einstellungen und das verwendete Programm sowie die Bezeichnung des jeweiligen Produkts und der Person, die den Ofen nutzt. „Mit diesen Daten können wir unsere Produktion weiter optimieren und die Produktsicherheit verbessern.“

Produktionsoptimierung dank Digitalisierung

Durch den harten Preiskampf in der fischverarbeitenden Industrie ist Heimon Kala dazu gezwungen, seine Prozesse zu optimieren, um seinen Platz auf dem Markt behaupten zu können. Die Digitalisierung ist also eine Voraussetzung für den Erfolg, nicht nur eine Option.

Der finnische Anlagenhersteller Lehtech modernisierte die Verarbeitung durch den Einsatz von Mindsphere Digital Reporting Apps. Neben Mindsphere verwendet das Unternehmen die Logiksteuerungen der Simatec S7-1500-Serie von Siemens, ein Komfortpanel und den Frequenzumrichter Sinamics G120P, der direkt an der Seite eines Räucherofens installiert werden kann.

„Die im Panel visualisierte Diagnose beschleunigt die Fehlersuche“, erklärt Mälkönen. „Wir können nun alle beweglichen Teile des Ofens – von Türen bis zu Ventilen – auf dem Display sehen. Dank der digitalen Berichterstattung können die Steuerungsparameter der vorher geräucherten Fische sofort genutzt werden, um den Räucherprozess der nächsten Charge zu optimieren.“

Mit verbesserter Mess- und Regeltechnik

Heimon Kala führt derzeit ein Projekt zur Wärmerückgewinnung durch, bei dem die aus dem Ofen austretende Wärme zur Erwärmung des Waschwassers verwendet wird. Dieser Prozess verringert den CO2-Fußabdruck der Produktion, da das Waschwasser der Räucheranlage nicht mehr mit Öl erhitzt werden muss. Aus den Öfen entweicht mehr Wärme, als zur Erwärmung des Waschwassers benötigt wird.

„Wir werden den Rest der Wärme nutzen, um die Zuluft der Öfen mit einer Kältemaschine auszugleichen. Die Zuluft wird im Sommer gekühlt und im Winter erwärmt. So können wir den Fisch das ganze Jahr über unter idealen Bedingungen räuchern“, so Mälkönen weiter.

Die Vorteile der Prozessoptimierung durch Mindsphere sind direkt in den Produktionsmengen sichtbar. Mälkönen bestätigt, dass das Unternehmen mit der verbesserten Mess- und Regeltechnik von Heimon Kala nun 25 % mehr Fisch räuchern kann als bisher. Nun produziert das finnische Unternehmen eine Charge Fisch in drei Stunden, davor dauerte der Prozess vier Stunden.

Schnelle Implementierung

Gerade einmal einen Tag dauerte die Implementierung von Mindsphere und das Verbinden sämtlicher Sensoren über Mindconnect Nano mit der Cloud. Mindconnect Nano ist ein vorkonfiguriertes Gerät, das Daten von verschiedenen Protokollen sammelt und sich schnell und sicher mit Mindsphere verbindet, um die Daten zu übertragen. Heimon Kala nutzte einen Mindsphere-IoT-Werteplan, um den Prozess zu starten.

„Mit dem Mindsphere-IoT-Werteplan speichern wir Daten, konfigurieren Assets und legen Benutzer und Regeln fest“, so Mälkönen. „Wir schätzen auch die Möglichkeit, Anwendungen aus dem Mindsphere Store zu nutzen, um unseren Kunden alle notwendigen Dienstleistungen anzubieten.

* Julie Dörr, freie Journalistin aus München. Weitere Informationen: Claudia Lanzinger ist Director Media Communications EMEA bei Siemens Digital Industries Software, Tel. (01 60) 90 45 04 31, claudia.lanzinger@siemens.com

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