Gast-Kolumne Wer zu spät kommt, den bestraft der Wandel

Autor / Redakteur: Dr. Hans Morawa* / Dr. Jörg Kempf

Zyniker reden vom „Destruction Management“ unter dem Aspekt, die Konkurrenz „platt“ zu machen. In diesem Sinne wird mancher CEO zum „CDO“ (Chief Destruction Officer), der nicht fragt: „Wie können wir unseren Umsatz steigern?“ oder: „Wie und warum versagen unsere Leistungen und Produkte am Markt?“– sondern ...

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Unser Gastkolumnist Dr. Hans Morawa empfiehlt zum Thema Leadership: „Solltest du jemals die Führung eines maroden Unternehmens übernehmen, bedenke den Satz: Entsorge dein Geschäftsmodell, es ist von gestern!“
Unser Gastkolumnist Dr. Hans Morawa empfiehlt zum Thema Leadership: „Solltest du jemals die Führung eines maroden Unternehmens übernehmen, bedenke den Satz: Entsorge dein Geschäftsmodell, es ist von gestern!“
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

... er fragt: „Wie können wir unsere Konkurrenten so treffen, dass sie für immer in die Knie gehen?“ und „Wie schaffen wir es, dass der aggressivste Player auf unserem Markt ultimativ das Handtuch wirft?“

Die Führung von Amazon zerlegte die Gewinnmargen ganzer Produktionszweige, disassemblierte den Buchhandel. Tesla, Apple und Google kratzen unermüdlich am Lack der E-Mobil-Industrie. Googles Android sitzt Microsoft im Nacken. Das Internet macht Etlichen den Garaus, die den Anschluss an die Digitalisierung verschlafen. Online schlug Mediamarkt, Karstadt, Neckermann, Quelle, Brockhaus, Encyclopedia Britannica, Financial Times und hunderte andere.

Die deutsche Industriegeschichte ist gestopft mit Namen von Unternehmen, die für alle Zeiten als unschlagbar galten: Flick, AEG, Quelle, Dresdner Bank … Welcher Name kippt als nächster: Thyssenkrupp? Siemens? Deutsche Bank? Commerzbank?

Das Fehlermuster liegt auf der Hand: Solange den Vorgaben des Alleinherrschers an der Spitze gefolgt wird, liegt im Rennen der Riese vorn. Aber plötzlich setzt sich das Gegenteil durch: Am Anfang des Abstiegs, Zusammenbruchs oder Teilzusammenbruchs steht die veraltete Zielvorgabe der Führung eines unkontrollierbar gewordenen Unternehmens. Seine Topmanager sind globale Player – Glücksritter. Nicht weil sie besonders leistungsstark sind – das sind andere auch –, sondern weil sie unkalkulierbar eine zeitlang Glück haben, fahren sie als Hazardeure unglaubliche Erfolge … und dann, von keinem erwartet, Misserfolge ein.

Kill your business

Solltest du jemals die Führung eines maroden Unternehmens übernehmen, bedenke den Satz: Entsorge dein Geschäftsmodell, es ist von gestern! Die Erde hat sich gedreht und mit ihr die Bedingungen, die zum Erfolg führen. Tust du es nicht, fegt dich der Wettbewerb von der Bühne. Später oder früher.

Anne Medicine vom Stamm der Sioux, Professorin für Indianische Kultur an der Stanford University, vermittelte mir bei einem Lunch im Stanford Faculty Club die Weisheit der Dakota-Indianer: „Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steige sofort ab und sattle ein anderes!“ Mir sind CEOs bekannt, die es nicht taten. Stattdessen:

  • Sie besorgten eine härtere Peitsche.
  • Sie beantragten Subventionen für das Gerippe.
  • Sie engagierten Trainer und Berater, die dem verendenden Gaul auf die Sprünge helfen sollten.
  • Sie gaben eine Studie in Auftrag, wie das tote Pferd doch noch geritten werden könnte.
  • Sie organisierten Brainstormings, unter welchen Umständen eine Reanimation der Leiche dennoch möglich wäre.

BMW – in den 1950er Jahren kurz vor der Pleite – wechselte damals rechtzeitig die „Pferde“, stellte seine desaströse Verlustproduktion ein (minus 4000 DM pro verkauftes Auto!). Ein „neues Pferd“ wurde gesattelt: das Erfolgsmodell „Die Neue Klasse“ – der neue Mittelklassewagen „TI“ mit der legendären BMW-Motorleistung. Ab dann: Die Münchner Autoschmiede avancierte zu einer der begehrtesten Automarken der Welt.

Neues, flexibles Denken

Fazit: Übertrage es auf deine persönlichen Belange: Überprüfe den eigenen Life Style! Welche Gewohnheiten oder Verhaltensweisen von gestern gibt es, die du ohne Wenn und Aber entsorgen solltest?

Überprüfe deine Karrierestrategie: Welche veralteten Einrichtungen, Vorkehrungen, Direktiven, Konzepte oder Pläne gibt es, die du flexibel ausmustern solltest?

Überprüfe dein Unternehmen, für das du arbeitest: Welche strategisch oder taktisch moderneren Maßnahmen, Mittel oder Methoden gibt es, die du an Stelle der veralteten an Bord holen und durchsetzen solltest?

(Bild: Sonja Allgaier)

*H. Morawa, Visioning Institut für Innovationsforschung und -technologie GmbH, München. Autor des 2018 erscheinenden Buches „Megatyping. Probleme schneller in den Griff bekommen“ (www.qsqs.com)

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