Länderreport Taiwan Weltspitze in der Kunststoffproduktion

Autor / Redakteur: Dr. Jürgen Maurer, Germany Trade and Invest / Wolfgang Ernhofer

Taiwan ist ein großer Verbraucher und Produzent von Chemie. Viele Branchen, vor allem die Bereiche Elektronik und Informationstechnologie, sind in hohem Maße auf chemische Vorprodukte und Erzeugnisse angewiesen. Zulieferungen für den Hochtechnologiesektor wie auch eher traditionelle Industrien werden weiterhin hoch bleiben. Dabei sind deutsche Unternehmen wichtige Lieferanten. Allerdings dürfte der Bedarf 2012 gegenüber dem Vorjahr etwas geringer ausfallen.

Firmen zum Thema

(Quellen: Directorate General of Customs; Ministry of Finance (MOF), 2011 / Grafik: GTAI)
(Quellen: Directorate General of Customs; Ministry of Finance (MOF), 2011 / Grafik: GTAI)

Taipei – Taiwans Bedarf an chemischen Vorprodukten und Erzeugnissen dürfte aufgrund der weltweiten Konjunkturabschwächung und sinkender Exportnachfrage 2012 gegenüber dem Vorjahr geringfügig zurückgehen. Er ist stark von der Produktionsentwicklung abhängig, die wiederum an den Abnahmen aus dem Ausland hängt.

Der taiwanische Absatzmarkt selbst ist relativ klein. Da der Produktionsindex in Taiwan bereits seit dem 2. Halbjahr 2011 sank, war die Nachfrage nach Prozesschemie, wie etwa für die Halbleiterherstellung, und nach Farben und Lacken davon betroffen. Der Bedarf im Endkundenbereich, wie bei Kosmetika und Pharmazeutika, wuchs dagegen stabil. In der Petrochemie bekam die einheimische Industrie vorübergehende Produktionsunterbrechungen zu spüren. Jedoch wurden dafür mehr benötigte Erzeugnisse eingeführt.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 6 Bildern

Taiwans Produktpalette chemischer Erzeugnisse

Für deutsche Chemieanbieter bleibt Taiwan ein attraktiver Absatzmarkt, weil sowohl die traditionellen als auch die Hightech-Industrien an ihrer Modernisierung arbeiten und ihre Wettbewerbsfähigkeit durch innovative Erzeugnisse erhalten möchten. Zudem betreibt die Regierung aktiv die Förderung der Insel als Forschungs- und Entwicklungsstandort.

Taiwans Produktpalette ist stark von Erzeugnissen geprägt, die Kunststoffe beinhalten. Von Standardkunststoffen für Verpackungen und Baustoffe über technische Thermoplaste in Fahrzeugen oder elektronischen Geräten bis zu Hochleistungskunststoffen verarbeiten taiwanische Hersteller alles. Bei diversen Kunststoffprodukten liegt Taiwan als Produzent mit an der Weltspitze. Nicht alle erforderlichen Vorprodukte können im Land selbst erzeugt werden, auch wenn der Upstream-Bereich mit Raffinerie- und Cracking-Anlagen relativ breit aufgestellt ist, um die lokalen Midstream- und Downstream-Industrien zu versorgen.

Ebenso stößt die bisherige Produktionsstruktur an ihre Grenzen. Aufgrund von Protesten sind die Aussichten, in Taiwan neue Upstream-Anlagen (Kuokuang-Projekt) zu bauen, deutlich gesunken.

Konzentration auf Innovation

Die bestehenden Chemiekomplexe haben Modernisierungsbedarf. Gleichzeitig stellen taiwanische Hochtechnologiebranchen als maßgebliche Abnehmer immer spezifischere Anforderungen und benötigen innovative Lösungen. Der Bedarf an Chemie für Hochtechnologiebranchen, wie die Halbleiter-, Flachbildschirm- und Elektronikindustrie, wird insgesamt hoch bleiben, dürfte 2012 jedoch weniger wachsen als im Vorjahr.

Im pharmazeutischen Bereich hat das Bureau of National Health Insurance (BNHI) Ende 2011 die Preise für 6800 Arzneimittel gesenkt, für 80 Patentmedikamente ausländischer Hersteller dagegen erhöht. Die Preisanpassung (2011: -40 Prozent) findet alle zwei Jahre statt, um die Kosten für die staatliche Gesundheitsversicherung nicht ausufern zu lassen.

Als weltweit wichtiger Hersteller von synthetischen Fasern und Geweben ist Taiwans Textilwirtschaft ein wichtiger Abnehmer von chemischen Vorprodukten. Um sich gegenüber Wettbewerbern abzusetzen, investieren taiwanische Unternehmen verstärkt in Produktinnovationen und in Automatisierung. In der Produktpalette finden sich immer mehr technische und funktionale Textilien.

(ID:31778250)