Newsticker August: Aktuelles aus der Prozessindustrie Leverkusener Explosion: Chemische Reaktion des Abfalls vermutet

Redakteur: Wolfgang Ernhofer

Im ständig aktuellen News-Ticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

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(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

30.08.2021

Mainz (dpa) *16:45 Uhr – Boehringer-Chefin: Biotech-Standort Deutschland fällt zurück

Die Bundesrepublik droht nach Ansicht der Deutschland-Chefin des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim bei den Biotechnologien ihren Spitzenplatz im internationalen Wettbewerb zu verlieren. Deutschland habe lange Zeit als Pionier in diesem Bereich gegolten, sagte Sabine Nikolaus am Montag bei einer Podiumsdiskussion in Mainz. Doch inzwischen stagniere hierzulande die Zahl der Firmenneugründungen und der Abstand zu den USA und Großbritannien werde größer. Auch aus Südkorea und China nehme der Konkurrenzdruck zu, sagte sie. Von der neuen Bundesregierung erwarte die deutsche Pharmaindustrie daher «Rückenwind im internationalen Wettbewerb».

Konkret geht es nach Worten Nikolaus' dabei unter anderem um einen «international wettbewerbsfähigen Regulierungsrahmen» und bessere Bedingungen für Wagniskapital. «Die Corona-Krise hat gezeigt, wozu der Pharmastandort Deutschland wirklich fähig ist, wenn alle Signale auf Grün stehen und alle am gleichen Strang ziehen - Wirtschaft und Politik», sagte sie mit Hinweis auf die Entwicklung des Corona-Impfstoffs des Mainzer Unternehmens Biontech. Die Biotechnologie habe in der Pandemie gezeigt, wozu sie in der Lage sei.

Nikolaus warb dafür, der Pharmaindustrie die Nutzung von Patientendaten zu ermöglichen, um damit die Forschung und Gesundheitsfürsorge voranzubringen. Diese Daten «in anonymisierter oder pseudonymisierter Form» böten Forschern einen «Riesenmehrwert» etwa in der Krebsbekämpfung.

Die Veranstaltung in Mainz bildete den Auftakt einer bundesweiten «Debattentour» mit Haltepunkten in neun weiteren Städten, auf der der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik vor der Bundestagswahl über die Zukunftsperspektiven des Pharmastandortes Deutschland diskutiert.

Leverkusen (dpa) *15:34 Uhr – Leverkusener Explosion: Chemische Reaktion des Abfalls vermutet

Die schwere Explosion in der Leverkusener Sondermüll-Verbrennungsanlage mit sieben Toten könnte durch eine chemische Reaktion des Abfalls ausgelöst worden sein. Nach Angaben der Bezirksregierung Köln geht aus einem ersten Zwischenbericht eines Sachverständigen hervor, dass vermutlich eine chemische Reaktion des Abfalls mit zunehmender Temperatur zu einem rapide ansteigenden Überdruck im Lagertank geführt habe. Dieser Überdruck habe trotz der Sicherheitssysteme des Tanks nicht mehr abgebaut werden können. Dem Zerplatzen des Tanks folgte dann wahrscheinlich eine Zündung der entstandenen Explosionswolke und dadurch der anschließende Brand.

Bevor endgültige Schlussfolgerungen aus dem Ereignis und den daraus folgenden Konsequenzen gezogen werden können, müssten weitere Untersuchungen des Sachverständigen abgewartet werden, heißt es in einer Mitteilung der Bezirksregierung am Montag. Sie hatte eine sicherheitstechnische Prüfung angeordnet. Daraufhin habe der Chempark-Betreiber Currenta einen Sachverständigen zur Ermittlung der Brand- und Explosionsursache beauftragt. Wann und in welcher Form der Zwischenbericht veröffentlicht werden kann, werde derzeit mit der Staatsanwaltschaft wegen des laufenden Verfahrens sowie mit Currenta in Hinblick auf die Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse geklärt.

Bei der Explosion in Leverkusen am 27. Juli waren sieben Menschen ums Leben gekommen. 31 Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft Köln hat ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und fahrlässiges Herbeiführen einer Explosion eingeleitet. Sie will herausfinden, ob menschliche Fehler zu dem Unglück geführt haben.

27.08.2021

Karachi (dpa) *14:47 Uhr – Mindestens 15 Tote bei Feuer in pakistanischer Chemiefabrik

In der südpakistanischen Stadt Karachi sind bei einem Brand in einer Chemiefabrik mindestens 15 Menschen gestorben. Der Einsatz in dem teilweise eingestürzten Gebäude dauere noch an, sagte einer der Rettungshelfer der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Zum Zeitpunkt des Brandes seien mehr als 20 Menschen in dem Gebäude gewesen. Das Feuer sei durch eine hochentzündliche Chemikalie ausgelöst worden und habe sich dann ausgebreitet, hieß es weiter.

Aufgrund von gefährlichen Arbeitsbedingungen sind Brände in Fabriken und Minen in Pakistan nicht selten. 2015 starben in Lahore im Osten des Landes mindestens 30 Menschen beim Einsturz eines Fabrikgebäudes. 2012 kamen mehr als 250 Menschen bei einem Feuer in der Textilfabrik Ali Enterprises in Karachi ums Leben.

Berlin (dpa) *13:19 Uhr – Biontech prüft Impfstoffproduktion in Ruanda und Senegal

Der Impfstoffhersteller Biontech will Malaria- und Tuberkulose-Impfstoffe in Afrika herstellen. Man prüfe dazu den Aufbau nachhaltiger Produktionsmöglichkeiten in Ruanda und Senegal, teilte das Mainzer Unternehmen am Freitag in Berlin mit. «Unser Ziel ist es, in Afrika Impfstoffe zu entwickeln und nachhaltige Produktionskapazitäten für Impfstoffe aufzubauen, um gemeinsam die medizinische Versorgung zu verbessern», sagte Vorstandschef Ugur Sahin.

Die Entscheidung für Ruanda und Senegal folge Empfehlungen der Afrikanischen Union und ihrer Gesundheitsorganisation. Die Produktionsstätten würden voraussichtlich bei künftigen Impfstoffzentren der Weltgesundheitsorganisation angesiedelt.

Es sollten dort mRNA-Impfstoffe aus dem Biontech-Entwicklungsprogramm für Malaria- und Tuberkuloseimpfstoffe für Afrika hergestellt werden, teilte das Unternehmen nach einem Treffen mit den Präsidenten von Ruanda und Senegal, Paul Kagame und Macky Sall, sowie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit.

Biontech hatte im Juli angekündigt, einen Malaria-Impfstoff zu entwickeln. Ende 2022 solle eine klinische Studie beginnen. Auch für einen Impfstoff gegen Tuberkulose soll im nächsten Jahr eine klinische Studie beginnen. Ein mRNA-Impfstoff enthält den Bauplan für einen Teil des Erregers, der Körper kann so einen Impfschutz aufbauen. Biontech wendet das Prinzip auch bei seinem Corona-Impfstoff an. Malaria zählt weltweit zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten.

Sonneberg (dpa/th) *13:13 Uhr – Neues Zentrum für Wasserstoffforschung wird gebaut

Der Bau eines neuen Instituts für Wasserstoffforschung in Sonneberg hat begonnen. Thüringen wolle seine Kompetenzen in dem Bereich in den kommenden Jahren ausbauen, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) beim Spatenstich für das neue Hyson-Institut. Dieses sei ein zentraler Baustein dieser Strategie. Das Land zahlt rund die Hälfte der Gesamtkosten von rund 6,4 Millionen Euro. Entstehen sollen Büro- und Laborgebäude sowie eine Versuchshalle. Nach Willen des Ministerium soll Südthüringen zu einer «Wasserstoffregion» entwickelt werden.

Das Hyson-Institut war im Februar 2021 offiziell gestartet. Für erste Forschungsvorhaben sind bereits rund drei Millionen Euro vom Land zugesichert. Dabei geht es unter anderem um Beschichtungsverfahren für Erdgasleitungen, um sie für den Wasserstofftransport fit zu machen, oder um neue Reinigungsverfahren für Wasserstoff-Produkte.

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