Deutschlands Wasserwirtschaft

Warum Infrastrukturen schneller erneuert und modernisiert werden sollten

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Vor dem Hintergrund vieler Prognoseunsicherheiten werden robuste Systeme benötigt, die auch bei unerwarteten Extremereignissen nicht vollständig versagen und zugleich kosteneffizient sowie sowohl rückbaufähig als auch erweiterungsfähig konstruiert sind – Forderungen, die natürlich schneller hingeschrieben als praktisch umgesetzt sind. Teil der Lösung sind dezentrale Komponenten, sie erhöhen die Anpassungsfähigkeit der Systeme.

Beispielsweise zieht die Stadt Lünen in Erwägung, als Ergebnis einer Bedarfs- und Kapazitätsanalyse „unwirtschaftliche“ Kanalabschnitte aus dem Netz zu nehmen und neue, kleine Kläranlagen für kleine Einzugsgebiete zu bauen und große Kläranlagen zu schließen. Andere Lösungen befassen sich mit einer Optimierung von Speicherbecken, Kanalstauräumen und Kläranlagenzuläufen durch bessere Datenauswertung.

Hohes Optimierungspotenzial dank moderner Mess-, Steuer- und Datentechnik

Wichtig sind auch flexible Planungsprozesse und Betriebsweisen, um kurz- und mittelfristig bzw. stufenweise auf unerwartete Entwicklungen reagieren zu können.

Ein Schlüssel dazu liegt sicher im intelligenten Betrieb. Während in der Industrie und beim Facility Management von Gebäuden IT-basierte Steuerungen bereits vielfach Standard sind, arbeiten die städtischen Wasserinfrastrukturen größtenteils immer noch mit dem Stand der Technik des 19. und 20. Jahrhunderts. Das bietet hohes Optimierungspotenzial: Durch den Einsatz moderner Mess-, Steuer- und Datentechnik lassen sich Abweichungen vom Soll-Zustand schneller erkennen und bietet sich beispielsweise die Chance, erhebliche Reserven in den bestehenden Entwässerungssystemen zu aktivieren.

Dabei sollte Abwasser nicht als Abfall, sondern vielmehr als Ressource angesehen werden. Entsprechende Technologien und Konzepte zur energetischen und stofflichen Wiederverwendung bzw. Nutzung von Abwasser wurden erarbeitet und erprobt; sie sollten flächendeckend umgesetzt werden.

Energieeffizienz weitergedacht

Nicht zuletzt müsse das Thema Energieeffizienz mit Blick auf die Wasserinfrastrukturen begrifflich weiterentwickelt werden. Die Erweiterung der Infrastrukturen um Funktionen der Energieerzeugung als Beitrag zur Energiewende schlage sich bislang nicht in der Bewertung der Energieeffizienz solcher Anlagen nieder. Eine alleinige Quantifizierung über den Bedarf an Jahreskilowattstunden (kWh/a) pro Leistungseinheit (Kubikmeter Trinkwasser bzw. gereinigtes Abwasser) erfasse den Beitrag der Wasserinfrastrukturen zur Energiewende nicht sachgerecht, so ein weiteres Ergebnis der Studie.

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