Chemieparkmanagement Warum Infraserv Höchst auf organisches Wachstum setzt

Autor Anke Geipel-Kern

Von Dienstleistungen für die Standortunternehmen allein, kann heute kein Chemieparkbetreiber mehr leben. Infraserv Höchst erwirtschaftet längst einen wichtigen Teil des Umsatzes mit Dienstleistungen, die außerhalb des Chemieparks erbracht werden. Wo Infraserv die Wachstumsfelder sieht?

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Zufriedener Blick in die Zukunft: Geschäftsführer Dr. Joachim Kreysing (links) und Jürgen Vormann vor der Kulisse des Chemieparks.
Zufriedener Blick in die Zukunft: Geschäftsführer Dr. Joachim Kreysing (links) und Jürgen Vormann vor der Kulisse des Chemieparks.
(Bild: wmp-wizard-media Fotografie-Schepp)

Die Skeptiker von damals sind längst überzeugt. 20 Jahre nach der Gründung des Industrieparks Höchst aus der ehemaligen Höchst AG gibt es keine Gründe mehr an der Zukunft des Standortes zu zweifeln. Doch feiern wollen die Infraserv-Höchst-Geschäftsführer Jürgen Vormann und Dr. Joachim Kreysing erst in fünf Jahren, wenn das viertel Jahrhundert voll ist.

Zufrieden mit 2016

Jetzt geht es nämlich erst einmal um das abgelaufene Jahr 2016, das das Duo in gewohnter Manier, abarbeitet. Stabile Investitionen und Umsätze, die nur knapp unter denen des Vorjahres liegen – prinzipiell ist die Geschäftsführung zufrieden. Die leichte Schrumpfung erklärt Vormann mit dem Rückgang des Energiehandelsgeschäft. „Aufgrund der regulatorischen Rahmenbedingungen, können wir hier kaum Geld verdienen.“

Dafür blüht das externe Geschäft. Die vor Jahren eingeschlagene Expansionspolitik trägt Früchte. Infraserv betreibt nämlich neben Gendorf noch den Industriepark Griesheim und den Campus Monheim. „Wir sind bestrebt noch weitere Chemieparks zu betreiben,“ erläutern Kreysing.

Die anstehenden Bauprojekte u.a, von Sanofi und Bayer seien ein positives Signal und mit einer Umsatzrendite von knapp unter zehn Prozent, könne man gut mit den Wettbewerbern mithalten, betont Vormann. „Wir wachsen über Profitabilität, wir kaufen keinen Umsatz,“ erklärt Kreysing.

Kritischer Blick über den Atlantik

Klar, die ritualisierte Schelte über die politischen Rahmenbedingen fehlt nicht, auch Trumps Abschottungspolitik findet Erwähnung, ebenso wie die Wettbewerbsnachteile durch die deutsche Energiepolitik. Und ja, auch der Chemiepark ist nicht abgekoppelt von der Tatsache, dass die Chemiebranche in Europa und Deutschland kaum noch nennenswerte Summen investiert. „Die Investitionen konzentrieren sich auf immer weniger Standorte,“ erklärt Vormann.

Extern erbrachte Dienstleistung werden immer wichtiger

Doch die Investitionen von Standortunternehmen sind nur die eine Seite der Medaille, denn damit erwirtschaftet die Betreibergesellschaft nur einen Teil des Umsatzes. Ein gewichtiger Part stammt mittlerweile aus Dienstleistungen, die Infraserv außerhalb des Chemieparks erbringt.

Deshalb gibt es im Vergleich zu den Wettbewerbern für die Betreibergesellschaft keinen Grund zum Jammern. Das Team um Vormann und Kreysing hat in den letzten Jahren ein gutes Gespür fürs Geschäft bewiesen und ist kontinuierlich in Bereiche vorgestoßen, die nicht mehr primäres Kerngeschäft einer Infrastrukturgesellschaft sind.

Bestes Beispiel ist die Weiterbildungstochter Provadis, die mittlerweile Personal- und Transferdienstleistungen anbietet und mit 11 Prozent Wachstum auf ein Rekordjahr zurück blickt. In Köln gibt es die Provadis Transfer GmbH und eine Tochtergesellschaft in Wien bietet Personaldienstleistungen an.

Energie- und Gebäudemanagement

Auch die Bereiche Energiemanagement und Facility Services bereiten den beiden Geschäftsführern momentan viel Freude. Mit knapp 50 Prozent Wachstum war das Dienstleistungsangebot zum Thema Energiemanagement besonders nachgefragt, was zeigt, das die Energiewende ausnahmsweise gut fürs Geschäft sein kann.

Und selbst im hart umkämpften Bereich Facility Services konnte Infraserv mit seiner Chemie- und Pharmaerfahrung punkten und einen Auftrag bei Merck gewinnen. Zwischen 30 und 40 Mitarbeiter der Facility Services sind momentan nach Darmstadt abgestellt, um dort Gebäudemanagement zu betreiben.

Endlich Spaß macht den Verantwortlichen nun auch Thermal Conversion Compound (TCC), die Betreiberfirma des 2009 für 300 000 Millionen Euro gebauten Ersatzbrennstoffkraftwerks. Das Projekt sollte ein wichtiges Standbein der Energieerzeugung werden und kräftige Gewinne in die Kasse spülen. Doch die Energiewende machte den Betreibern einen Strich durch die Rechnung. Die technische Umrüstung auf Dampfproduktion verzögerte das Projekt.

Ebenfalls Dauerbrenner im Chemiepark ist die räumliche Entwicklung. In und um Frankfurt herum wird es langsam eng und die städtische Bebauung rückt immer näher an die Mauern des Chemieparks mit seinen 22000 Beschäftigten heran. Bremsend könnte sich die Seveso III-Richtlinie auswirken, die Abstandsgrenzen neu definiert.

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