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Innovation und Change

Warum in der Chemie nicht alles beim Alten bleiben darf?

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Wie offen darf und muss ein Chemieunternehmen sein? Wie viel Geheimhaltung ist tatsächlich nötig? Wie erzieht man seine Kunden? Hilft der Blick über den Tellerrand? Welche Antworten haben Vorstände aus der Chemie, Automobilindustrie und der Elektronikindustrie auf diese Fragen?

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Begrüßung durch die Infraserv-Geschäftsführer Jürgen Vormann (rechts) und Dr. Joachim Kreysing.
Begrüßung durch die Infraserv-Geschäftsführer Jürgen Vormann (rechts) und Dr. Joachim Kreysing.
(Bild: Infraserv Höchst)

Wie können Unternehmen die eigene Innovationskultur fördern? Welche inneren Widerstände und äußeren Barrieren behindern eine erfolgreiche Transformation von Unternehmen und Geschäftsmodellen? Ausnahmslos alle Referenten der „perspectives“, des nach Aussagen des Veranstalters Infraserv Höchst „Top-Events“ für den Chemie- und Pharmastandort Deutschland, machten sich für kollaborative Konzepte über organisatorische Grenzen hinweg stark. Unter dem Motto „Die neue Offenheit?“ hatte der Standortbetreiber des Industrieparks Höchst in den „Squaire“ am Frankfurter Flughafen eingeladen, um zu diskutieren, wie sich neue Konzepte der Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung, Produktion und Lieferketten-Management entwickeln lassen. Rund 180 Besucher hörten konkrete Fallbeispiele aus der Industrie und beteiligten sich an einer kontroversen Diskussion. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede in der Einschätzung, wie weit eine Öffnung – insbesondere über Unternehmensgrenzen hinweg – führen darf.

Transformation ja – aber wie viel darf es sein?

Die zielgerichtete Transformation von Chemie- und Pharmaunternehmen steht im Mittelpunkt jeder „perspectives“-Veranstaltung. Infraserv Höchst verfügt als Betreiber des größten Chemie- und Pharmastandortes in Europa über viel Erfahrung im Umgang mit Transformationsprozessen. „Wir sehen uns als führender Standortentwickler und Dienstleistungspartner der Branche in der Verantwortung, dem Dialog, um die Zukunft des Standortes Deutschland eine Plattform zu bieten“, sagte Jürgen Vormann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Infraserv Höchst, der die Teilnehmer gemeinsam mit seinem Geschäftsführungskollegen Dr. Joachim Kreysing begrüßte.

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„Für Transformationsprozesse gibt es nicht eine einzige richtige Lösung, daher will die „perspectives“ unterschiedliche Sichtweisen auf ein konkretes Thema anbieten“, so Vormann. Die Frage nach der „neuen Offenheit“ ergab sich als Thema aus den Vorträgen der vergangenen Veranstaltungen. Kreysing betonte, Offenheit sei auch für Infraserv Höchst ein wichtiges Thema. Die intensive Zusammenarbeit mit den Kunden die dem Standortbetreiber teilweise die Verantwortung für sehr sensible Prozesse übertragen, erfordert Kreysings Meinung nach einen sehr offenen Umgang und verschiebe nicht selten die Grenzen, die ein Unternehmen für sich zieht.

Neue Impulse aus anderen Industrie-Branchen

Aus der neuen Offenheit folgen notwendigerweise Grenzverschiebungen und Grenzüberschreitungen. Deshalb hatte Infraserv Höchst auch Führungskräfte aus dem Autobau und der Elektronikindustrie, um die Diskussion in der Chemie- und Pharmabranche zu bereichern.

Dr. Fred van Ommen, ehemaliger Senior Vice President Innovation bei Philips, betonte in seiner Key Note, dass erfolgreiche Innovationen auch psychologische Faktoren des Kunden berücksichtigen müsse. Neue Technologien verlangen vom Nutzer eine Verhaltensänderung oder eine Änderung seiner Einstellung.

Als Beispiel aus der Praxis führte der Niederländer einen eigenen Misserfolg an: Jeder Mensch schätzt automatische Defibrillatoren in öffentlichen Gebäuden als sinnvoll ein. Im eigenen Haus, wo sich die meisten Herzanfälle ereignen, möchte jedoch niemand täglich an die Möglichkeit eines Notfalls erinnert werden.

Um Fehlschlägen vorzubeugen, müssten Innovationen stets vom Kundenwunsch ausgehend entwickelt werden. Dies könne auch in kollaborativen Modellen funktionieren, ohne einen Verlust von eigenen Geschäftsgeheimnissen fürchten zu müssen. Um die Kundenbedürfnisse zu definieren, müsse man kein technisches Spezialwissen austauschen.

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