Industrieheizung Warum es sich lohnt, genauer auf die Heizölrechnung zu schauen

Autor / Redakteur: Bernd Genath / Dr. Jörg Kempf

Würden deutsche und europäische Produktionsbetriebe konsequent ihre Energieversorgung modernisieren, könnten Deutschland und die EU locker alle Kyotoziele erreichen. Weshalb? Das Chemieunternehmen Chemoplast in der belgischen Provinz Limburg hat es vorgemacht ...

Zum Teil bliesen die Heizlüfter die Warmluft über Türen und Fenster direkt ins Freie. Die Planer tauschten sie gegen Deckenstrahlplatten aus.
Zum Teil bliesen die Heizlüfter die Warmluft über Türen und Fenster direkt ins Freie. Die Planer tauschten sie gegen Deckenstrahlplatten aus.
(Bild: HG Baunach)

Houthalen-Helchteren/Belgien – Heizungstechnisch betrachtet dürften viele Industriewerke ein brach liegendes Feld sein. Deren Klimaschutz-Potenzial sieht so aus: Jede 100 Liter eingespartes Heizöl entlasten die Atmosphäre um rund 250 kg Kohlendioxid.

Ein deutscher Unternehmer mit einem Betrieb für Reinigungsmittel im belgischen Limburg entdeckte vor fünf Jahren an der niedrigeren Brennstoffrechnung nach Renovierung seines Kölner Wohnhauses, was er in Flandern vermutlich von Jahr zu Jahr verschenkte. Die beheizte Produktionsfläche im Werk umfasst 6000 m2, zum Teil aus Explosionsschutz-Gründen zwangsbelüftet. In Ex-Bereichen dürfen nur ex-taugliche Geräte installiert sein. Heizungsseitig boten sich damals wie heute Warmluftgebläse an. Deren Wasser/Luft-Wärmetauscher beschickte der alte Ölkessel von 1,4 MW über eine Ringleitung.

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„Zum zusätzlichen ölbefeuerten Dampferzeuger fanden wir nichts in den Unterlagen. Der lieferte nach einigem Nachrechnen und Nachdenken 400 kW. Vom Warmwasserbedarf für die Produktion hieß es immer nur, ‚Wir brauchen riesige Mengen’. Was das konkret hieß, blieb schwammig“, schaut Fabrikant Werner Sauer zurück.

Auf Empfehlung seines Planers ließ er als allererstes Betriebsstunden- und Impulszähler am Dampferzeuger und am Heizkessel installieren. Die Ist-Analyse bestätigte nicht nur die (vermutete) Überdimensionierung des Altkessels, sie sprengte alle Vorstellung. Selbst im dicksten Winter machte der lange Pausen und wenn er lief, dann zwischen einer und maximal zehn Minuten. Trotzdem duschte das Personal an den Arbeitsplätzen regelrecht in Warmluft.

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