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Bilfingers Digital Strategie Warum Bilfinger auf die Digitalisierung setzt

Autor: Anke Geipel-Kern

Bilfingers Digitalstrategie hat nun deutliche Formen angenommen. Kern ist eine cloudbasierte Plattform und ein vierstufiges Vorgehen, das den Kunden schrittweise in die digitale Welt einführt. Schon sechs Monate nach dem Ersteinsatz verspricht CDO Franz Braun erste Ergebnisse und will sich am Erfolg seiner Kunden messen lassen. Demnächst soll das Digitalgeschäft in einer eigenen GmbH münden.

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Tom Blades, Bilfinger-CEO verkündete auf dem Bilfinger Digital Day die neue Digitalstrategie, die langsam Konturen annimmt.
Tom Blades, Bilfinger-CEO verkündete auf dem Bilfinger Digital Day die neue Digitalstrategie, die langsam Konturen annimmt.
(Bild: PROCESS)

Abstatt – Gleicher Ort, gleiches Thema – trotzdem gibt's viel Neues. Im Mai letzten Jahres hatte Bilfinger schon einmal nach Abstatt zu Münzing Chemie geladen, um eine Kooperation mit Zielrichtung Digitalisierung zu verkünden. Nun ein Jahr später, können die Partner über erste Ergebnisse aus dem Pilotprojekt berichten und die damals von CEO Tom Blades noch etwas diffus verkündete Digitalstrategie, hat deutliche Konturen angenommen. Die Vorstellung startet mit einem Lob an den Chief Digital Officer Franz Braun. Er habe ein großes Rad gedreht und in kurzer Zeit mit einer hochmotivierten Mannschaft viel bewegt.

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Es gibt auch einen kurzen Rückblick: Bauunternehmen, das sei Bilfinger einmal gewesen, heute versteht man sich als Industriedienstleister. Das ist zwar schon seit fast zehn Jahren so, gibt Blades aber die Gelegenheit zu einer eleganten Überleitung. „Früher haben wir Brücken aus Zement gebaut, heute bauen wir digitale Brücken“, erklärt er und ist damit auch schon voll im Thema. Die digitale Transformation beginne mit Fragen und niemand wisse so genau, was es eigentlich ist. Jeder Kunde verstehe etwas anders unter Digitalisierung.

Nicht nur Vergangenheitsbewältigung sondern Blick in die Zukunft

Bilfingers Version von Digitalisierung sei Predictive Maintenance, erklärt Blades. Das Schlagwort ist mittlerweile schon fast ein Synonym für Digitalisierung in der Produktion, und so oft benutzt, dass viele vergessen, dass die Optimierung des Anlagen-Life-Cycle zwar eine wichtige, aber eben nur eine Facette der Digitalisierung ist. Doch für Bilfinger als Instandhaltungs-Spezialist ist das Stichwort Predictive Maintanance natürlich eine Steilvorlage, die im Kundengespräch so manche Tür öffnet. Trotzdem ist für Blades Predictive nur ein Weg zu Prescriptive Maintance bzw. Prescriptive Analytics. Soll heißen von der datenbasierten Erklärung, warum eine Kernkomponente, wie eine Pumpe kaputt gegangen ist bis zu einer Handlungsempfehlung, wie man einen bestimmten Trend in eine gewünschte Richtung beeinflussen, ein vorhergesagtes Ereignis verhindern oder auf ein zukünftiges Ereignis reagieren kann.

Cloudbasierte Plattform gegen Datensilos

Ein Baustein zu dieser deutlich weitergefassten Maintenance-Beschreibung soll Bilfinger Connected Asset Performance, kurz BCAP, sein. So heißt das Konzept, dessen Herz eine cloudbasierte Plattform ist, die Daten aus Engineering, Instandhaltung und Betrieb sammelt, etwa aus dem Prozessleitsystem, der Produktionsplanung und den Sensoren zur Anlagenüberwachung. Das soll Schluss mit den Datensilos machen und die Möglichkeit schaffen, alle Daten miteinander zu verknüpfen. „Wir verbinden die Daten und versuchen so einen Mehrwert herauszuholen“ erklärt Blades.

Für Einsteiger und Fortgeschrittene

Clever ist der Ansatz eine BCAP-Einsteigervariante anzubieten, die, so verspricht CDO Franz Braun, in sechs Monaten messbare Ergebnisse bringen und dem Kunden den Einstieg in die Digitalisierung erleichtern soll. Dabei soll zunächst eine Prozessanlage verbunden werden. Ab dem zweiten Monat erhält der Kunde gegen eine monatliche Gebühr dann Zugang zur BCAP-Plattform, die er bereits nach drei Monaten wieder kündigen kann. Insbesondere Mittelständlern will Braun damit „ein unkompliziertes Sprungbrett ins Zeitalter der Industrie 4.0“ bieten. Er verweist auf positive Ergebnisse bei digitalen Pilotprojekten, z.B. mit Münzing Chemie, CABB und Siegfried.

Zwei selbstentwickelte Tools sollen weiteren Mehrwert schaffen: Eine Videoplattform, auf der Videos das Erfahrungwissen von Mitarbeitern, konserviert werden soll. Gedreht wird mit einer Aufzeichnungsapp und einem Leitfaden, damit nichts vergessen wird. Stichwort Demographischer Wandel.

Das weite Tool soll zur Achema gelauncht werden und heißt „Pidgraph“. Das Werkzeug ist KI-basiert und soll in einem automatisierten Prozess bestehende Anlagendokumentationen z.B. PID-Zeichungen im XML-Format digitalisieren. Clou dabei ist die Einbindung von Laserscans von Bestandsanlagen, die in einem automatisierten Schritt in ein PID umgewandelt werden, wodurch viel mühsame Handarbeit entfällt. Eine solche Software würde den Weg zum digitalen Zwilling von Bestandsanlagen frei machen.

Ein Schnellboot für die Digitalisierung

Als nächster Schritt steht jetzt erst einmal die Gründung einer neuen Tochtergesellschaft an, die das Digitalisierungsgeschäft vorantreiben soll.

Blades: „Mit der neuen Digitalisierungsgesellschaft bündeln wir konzernweite Kompetenzen in diesem Bereich und stellen die Einheit eigenständig auf. Dadurch können wir schneller und flexibler am Markt agieren. Für unsere Kunden wird Bilfinger dadurch ein Vorreiter der Digitalisierung in der Prozessindustrie – ein Schnellboot für digitale Projekte.“

Die neue Einheit werde das Kompetenzzentrum für Digitalisierung, in dem innerhalb des Bilfinger-Konzerns Experten und Wissen zusammengezogen werden. Ziel sei es, digitale Innovationen für die Prozessindustrie zu entwickeln und zur Marktreife zu bringen.

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Über den Autor

 Anke Geipel-Kern

Anke Geipel-Kern

Leitende Redakteurin PROCESS/Stellvertretende Chefredakteurin PharmaTEC, PROCESS - Chemie | Pharma | Verfahrenstechnik