K 2016 Vorsichtiger Optimismus in der europäischen Kunststoffbranche

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

Trotz einer Fülle von Herausforderungen, die von Meeresabfällen bis hin zu mehreren Fällen von Force Majeure bei Rohstofflieferanten reichen, blickt die europäische Kunststoffindustrie mit stabiler Konstitution und vorsichtigem Optimismus in Richtung K 2016, die in diesem Jahr vom 19. bis 26.Oktober in Düsseldorf stattfindet. Aber es gilt auch noch zahlreiche Hürden zu überwinden.

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Rund 200000 Fachbesucher konnte die K im Jahr 2013 verzeichnen.
Rund 200000 Fachbesucher konnte die K im Jahr 2013 verzeichnen.
(Bild: Messe Düsseldorf / ctillmann)

Düsseldorf – Das Beratungsunternehmen Applied Market Information (AMI) hat kürzlich festgestellt, dass die europäische Kunststoffindustrie „sich wieder einmal in einer Phase des Umbruchs und des Wandels befindet und noch immer darum kämpft, sich aus der Stagnation zu befreien, die durch die große Rezession 2008-2009 und die nachfolgende Krise in der Eurozone 2012-2013 ausgelöst wurde.“ AMI prognostiziert bis 2019 ein Wachstum der Polymernachfrage um knapp über 1 % im Jahr.

Insgesamt zeigen sich die europäischen Polymerproduzenten optimistisch. So sagt beispielsweise Mark Garrett, CEO bei Borealis, dass die Margen in der integrierten Polyolefinindustrie historische Dimensionen erreicht haben. Er merkt an, dass eine solide Nachfrage in Kombination mit Lieferengpässen, insbesondere infolge außerplanmäßiger Produktionsunterbrechungen, Auswirkungen auf die Polyolefinpreise gehabt hat.

Verarbeiter haben mehr zu tun

Berichte von Branchenverbänden aus mehreren Ländern, die Wachstum verzeichnen, weisen auf eine Verbesserung der Aussichten der kunststoffverarbeitenden Industrie in Europa hin. Selbst in Italien, wo der Verbrauch seit einiger Zeit bestenfalls als schwach zu bezeichnen war, sieht der Verband der Maschinenhersteller Assocomaplast einen starken Aufwärtstrend bei der Auftragslage.

In Deutschland konnte der Sektor selbst nach dem Rekordjahr 2014 noch ein weiteres moderates Wachstum verzeichnen. Dennoch klagt Dirk Westerheide, Präsident des deutschen Gesamtverbands Kunststoffverarbeitende Industrie GKV, über größere Lieferengpässe und die äußerst volatile Preisentwicklung bei den Rohstoffen, insbesondere bei Polyethylen und Polypropylen.

Instabile Rohstoffversorgung

Kunststoffverarbeiter in ganz Europa hatten im vergangenen Jahr Probleme mit der Rohstoffbeschaffung. Mehrere große Polyolefinwerke standen längere Zeit still, und die weltweiten Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Handel erschwerten den Verarbeitern die Beschaffung von Rohstoffen an internationalen Märkten. Zu diesen Faktoren gehörten nicht nur der relativ schwache Euro gegenüber dem US-Dollar, sondern auch die anhaltend starke Nachfrage nach Kunststoffen in Asien und den USA. Im laufenden Jahr gibt es jedoch Anzeichen für eine weniger volatile Preisentwicklung.

Diese Situation war für den Dachverband der europäischen Kunststoffverarbeiter EuPC (European Plastics Converters) der Anlass für die Gründung der „Allianz für Polymerversorgung in Europa“, um „detaillierte Informationen zum aktuellen Polymermarkt bereitzustellen, die Rohstoffverarbeiter über das Netzwerk nationaler Kunststoffverbände zu unterstützen und Unternehmen bei der Beantragung der Aussetzung von bestimmten EU-Importzöllen zu helfen, um Engpässen auf den Polymermärkten entgegenzuwirken.“

Im Februar hat die Allianz für Polymerversorgung in Europa ihre europaweite Online-Umfrage zur Kundenzufriedenheit gestartet, um die besten Polymerhersteller für Europa auszuzeichnen. „Wir haben die Best Polymer Producers Awards for Europe ins Leben gerufen, um wieder eine gute Kommunikation zwischen Anwendern von Polymeren und ihren Lieferanten herzustellen, die in der letzten Zeit ganz offensichtlich gelitten hat“, sagt Ron Marsh, Vorsitzender der Allianz.

Energie ist immer noch zu teuer

Energiekosten sind von großer Bedeutung für die gesamte Kunststoffindustrie. Besonders laute Kritik kommt von Unternehmen der gesamten deutschen Industrie, wo die Energiekosten zu den höchsten in Europa gehören. Die deutsche Chemieindustrie macht sich ebenfalls Sorgen um ihre sinkende internationale Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere gegenüber nordamerikanischen Unternehmen, die von Schieferöl und -gas profitieren können.

Deshalb richten sich gerade viele Blicke auf den Petrochemieriesen Ineos, der seit kurzem Ethan aus der Marcellus-Formation in den USA nach Norwegen importiert. In einigen Monaten wird dann voraussichtlich das erste schiefergasbasierte Polyethylen aus Europa auf den Markt kommen. Ineos steht auch in den Startlöchern für die Förderung von Schiefergas in Großbritannien, wobei für 2016 noch kein Fracking geplant ist. Das Unternehmen will Schiefergas sowohl als Energieressource als auch als Einsatzstoff für Polymere verwenden.

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