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Von ATEX zu IECEx: Explosionsschutz auf dem Weg zur weltweiten Vereinheitlichung

17.09.2009 | Autor / Redakteur: Gerald Scheffels / Reinhard Kluger

Zur Auswertung der Signale von Sicherheits-Schaltgeräten stehen Sicherheits-Relaisbausteine mit eigensicheren Überwachungskreisen zur Verfügung
Zur Auswertung der Signale von Sicherheits-Schaltgeräten stehen Sicherheits-Relaisbausteine mit eigensicheren Überwachungskreisen zur Verfügung

Wer sich mit der Auswahl von elektrischen Schaltgeräten für explosionsgefährdete Bereichen befasst, der muss sich künftig an veränderte normative Rahmenbedingungen gewöhnen. Denn die bisher gültigen ATEX-Richtlinien auf europäischer Ebene werden durch weltweit gültige IECEx-Regelungen ersetzt.

Nichts ist so beständig wie der Wandel: Dieses Motto gilt auch für die Normen und Richtlinien des Maschinen und Anlagenbaus. Denn die Normen sollen ja explizit keine „ehernen Gesetze“ sein, sondern den technischen Fortschritt ermöglichen. Das setzt voraus, dass sie stetig an die technischen Trends angepasst werden.

Eine weitere wichtige Aufgabe dieser Regelwerke besteht darin, Handels-hemmnisse abzubauen und die internationale Vereinheitlichung voranzutreiben. Was den elektrischen Explosionsschutz betrifft, sind die Normungsgremiem – und mit ihr die Hersteller und Anwender, die in diesem Bereich tätig sind – auf dem Weg zu diesem Ziel ein gutes Stück vorangekommen.

Das Ziel: Handelshemmnisse abbauen

Ursprünglich gab es in diesem sensiblen und durchaus risikobehafteten Feld der Elektrotechnik nur Vorschriften auf nationaler Ebene, die in Deutschland ver-gleichsweise frühzeitig erstellt wurden. Schon vor über 100 Jahren wurde, als erste Schutzmaßnahme, für den Bergbau die Zündschutzart „Eigensicherheit“ ins Leben gerufen. Bei eigensicheren Geräten ist die Energie im Stromkreis so be-grenzt, dass ein elektrischer Funken das Gas nicht zünden kann. Diese Zünd-schutzart wird bis heute erfolgreich verwendet.

ATEX: Seit zehn Jahren der Standard

Seit etwa zehn Jahren sind die ATEX-Richtlinien das Standardregelwerk in Europa für den Explosionsschutz. Grundlegend neu war damals die größere Ge-wichtung des Staubexplosionsschutzes, für den eigene Regelungen und besondere Ex-Zonen festgelegt wurden. Das war ein wichtiger und richtiger Schritt, denn in der Praxis treten sehr viel mehr Staubexplosionen als Gasexplosionen auf. Die Folgen dieser Staubexplosionen können aufgrund der Kettenreaktionen (die erste Staubexplosion löst weitere Explosionen in benachbarten Gebäudeteilen aus) beträchtlich sein, wie einige große Unglücke dieser Art zeigen. Und da jeder organische Staub entzündlich ist, wenn er als Staub-Luft-Gemisch in einer be-stimmten Konzentration vorliegt, muss man in vielen Bereichen diesem Risiko vorbeugen – nicht nur im Bergbau und in der Chemieindustrie, sondern auch in Teilen der Lebensmitteltechnik sowie der Futtermittel- und der Baustoffindustrie.

Zehn Jahre sind, was den technischen Fortschritt betrifft, eine lange Zeit. Daher ist es angezeigt, das Regelwerk zu aktualisieren. Dies gilt um so mehr, als in-zwischen auch viele außereuropäische Staaten dem Beispiel der EU folgten und ihre Regelwerke zum Explosionsschutz auf- bzw. ausbauten. Dies gilt u.a. für Nordamerika (UL/ CSA), Russland (GOST) , Brasilien (CERTUSP), China (NEPSI) und Australien (ANZAG). Auch inhaltlich lehnten sich einige Staaten an die ATEX-Richtlinien an und übernahmen Teile davon in ihre nationalen Regelwerke.

Normen auf internationaler Ebene werden erarbeitet

Inzwischen wird die Normungsarbeit international betrieben und, auf dem Gebiet der Elektrotechnik, vom Internationalen Elektrotechnischen Komitee (IEC) ko-ordiniert. Auf der operativen Ebene erarbeiten Fachexperten in den „Working groups“ die einzelnen Normen. Zwischen IEC und der europäischen Normen-organisation Cenelec ist vereinbart, die IEC-Normen in die Europäische Normung zu übernehmen. In der Regel ist dies ohne Weiteres möglich, da auf internationaler Ebene auch europäische Fachexperten an der Normung mitgearbeitet haben.

 

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