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Länderreport Frankreich

Vizemeister der europäischen Chemieindustrie

| Autor / Redakteur: Karl-Heinz Dahm, Germany Trade and Invest / Wolfgang Ernhofer

Positiver Trend bei Kosmetika und Parfums

Weiterhin positiv (+2,5 Prozent) werden sich Seifen, Parfums und Körperpflegemittel, hier insbesondere Kosmetika und Parfums entwickeln, wenngleich die Rate von 2011 (+7,5 Prozent) nicht mehr erreicht werden wird. Die Binnennachfrage in dieser Produktsparte dürfte 2012 infolge eines erwarteten Rückgangs des Privatkonsums an Dynamik verlieren. Auch die Verpackungsbranche rechnet für 2012 mit einem deutlichen geringerem Wachstum von unter 1 Prozent (2011: +8 Prozent).

Für die Pharmabranche wird 2012 ein schwieriges Jahr, da der Gesundheitssektor rigiden Sparmaßnahmen unterworfen ist. In Frankreich brach der Absatz von Generika 2011 zum ersten Mal seit der erfolgreichen Markteinführung ein. Die Verkäufe sanken um 3 Prozent (nach +6 Prozent 2010) auf 614 Millionen Packungseinheiten (PE). Frankreichs Chemieindustrie wird sich insgesamt dennoch besser entwickeln als das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Frankreichs, das 2012 laut Prognosen von IWF und OECD nicht über ein Plus von 0,2 Prozent hinauskommen wird. Die Regierung hält indes an einem Wachstum von 1,0 Prozent für das laufende Jahr fest.

Programme zur Förderung nachhaltiger Chemieindustrie

Der Verband der europäischen Chemieindustrie Cefic geht für 2012 nur noch von einem Anstieg um 1,5 Prozent für die Chemieproduktion in der EU aus (2011: 2 Prozent). Nachfrageimpulse für die Chemieindustrie erwartet der Verband künftig vor allem aus den Bereichen Energie und Nukleartechnik, Kosmetika, Nahrungsmittel sowie Luft- und Raumfahrt. Bedeutend sind vor allem neue chemische oder Nanomaterialien, die im Transportsektor, der Verpackungsindustrie oder der Bauwirtschaft Anwendung finden.

Umweltschutz und erneuerbare Energien sind gleichfalls wichtige Abnehmermärkte. Die Nachhaltigkeit der langfristigen Entwicklung des französischen Chemiesektors wird mit einer Reihe institutioneller Maßnahmen unterstützt. Dazu gehören Programme für die Förderung einer nachhaltigen Chemie (SusChem) sowie neue Cluster in der Pflanzenchemie wie IAR (Industries et Agro-Ressources) und ACDV (L'Association Chimie du Végétal). Hinzu kommen breitere staatliche Hilfs- und Finanzleistungen, zum Beispiel Kompetenzzentren, der Forschungskredit CIR (Crédit d'impôt recherche) oder die Zukunftsinvestitionen aus der "Großen Staatsanleihe". Von den insgesamt 70 Kompetenzzentren besitzen 21 einen Bezug zur Chemie.

Produktion und Branchenstruktur

Die französische Chemieindustrie bestand 2010 aus rund 900 Unternehmen mit etwa 171 500 Beschäftigten. Der Branchenumsatz lag bei 77,1 Milliarden Euro. Frankreich ist hinter Deutschland der zweitgrößte Hersteller von Chemieerzeugnissen in der EU.

Der französische Chemiesektor besteht aus den drei Hauptsparten Basischemie, mit einem Anteil von 33 Prozent an der Produktion, mit den Untersparten anorganische Chemie (Düngemittel, Industriegase, Chlor, Schwefelsäure) und organischer Chemie (Produkte zur Kunststoffherstellung etc.), ferner Sonderchemikalien (Farben, Lacke, Klebstoffe) mit einem Produktionsanteil von 28 Prozent sowie Seifen, Parfum/Kosmetika und Körperpflegemittel mit einem Anteil von 39 Prozent. Der Schwerpunkt der französischen Chemiebranche ist die Region Rhône-Alpes, in der rund ein Fünftel des nationalen Umsatzes erwirtschaftet wird.

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