Newsticker Mai: Aktuelles aus der Prozessindustrie Raffinerie in Leuna auf dem Prüfstand

Redakteur: Wolfgang Ernhofer

Im ständig aktuellen News-Ticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie zusammengefasst.

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(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

05.05.2021

Leuna (dpa/sa) *6:00 Uhr – Raffinerie in Leuna kommt auf den Prüfstand

Die Total Raffinerie in Leuna unterzieht sich einer großen Generalinspektion. Dafür wird die Anlage außer Betrieb genommen. Seit Dienstag würden in der Raffinerie Anlagen zerlegt, gereinigt, inspiziert, repariert und wieder komplettiert, teilte das Unternehmen mit. Mehr als 4500 zusätzliche Arbeitskräfte seien vor Ort. Die Aktion soll in etwa acht Wochen abgeschlossen sein, schrieb das Unternehmen.

Die Kontrolle ist seitens des Gesetzgebers turnusmäßig vorgeschrieben. Die Raffinerie investiere in diesem Rahmen etwa 150 Millionen Euro, erklärte eine Unternehmenssprecherin. Neben der Inspektion sollen 80 Investitionsvorhaben realisiert werden. Ziel sei unter anderem die Modernisierung und der Ausbau der Methanol-Anlage.

04.05.2021

Darmstadt (dpa) *21:08 Uhr – Merck rechnet mit Fortsetzung des «sehr starken» Jahresbeginns

Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck hat seine Jahresprognose nach einem «sehr starken ersten Quartal» angehoben. Auch für den weiteren Jahresverlauf sei mit einer hohen Nachfrage zu rechnen, hieß es in einer am Dienstagabend veröffentlichten Mitteilung. Beim Nettoumsatz sei nun mit 18,5 bis

19,5 Milliarden Euro zu rechnen. Bisher hatte Merck hier ein «starkes organisches Wachstum» angestrebt. Das bereinigte Ebitda (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) soll 2021 bei 5,4 bis 5,8 Milliarden Euro liegen. Das gesamte Zahlenwerk soll am 12. Mai veröffentlicht werden. Anleger zeigten sich erfreut. Der Aktienkurs legte nachbörslich um gut drei Prozent zu.

Freiburg (dpa) *15:08 Uhr – Frau klagt weiter gegen Bayer

Der Rechtsstreit um mögliche Gesundheitsgefahren durch die Einnahme der Verhütungspille «Yasminelle» beschäftigt die nächste Instanz. Das Oberlandesgericht Karlsruhe verhandelte am Dienstag in Freiburg in Berufung über die Schadenersatzklage einer Frau gegen den Pharmavertreiber Bayer Vital.

Die Klägerin aus dem Ortenaukreis erlitt im Juli 2009 eine beidseitige Lungenembolie sowie einen Kreislaufzusammenbruch mit Herzstillstand und entging nur knapp dem Tod. Sie führt das auf die Einnahme der Verhütungspille «Yasminelle» mit seinem Wirkstoff Drospirenon zurück. Dieses Präparat gehört zu den Verhütungspillen der sogenannten vierten Generation, die immer wieder wegen erhöhter Thrombose-Risiken in der Kritik stehen.

Das Verfahren sei ein Beispielprozess. Sollte das Gericht zu ihren Gunsten entscheiden, könne das viele Klagen weiterer «Yasminelle»-Geschädigter gegen Bayer nach sich ziehen. 2018 war die Frau mit ihrer Schadenersatzklage vor dem Landgericht Waldshut-Tiengen gescheitert.

In den USA hat Bayer wegen Drospirenon-haltigen Präparaten bereits hohe Vergleichszahlungen leisten müssen. 10 600 Anspruchstellerinnen erhielten dort wegen Erkrankungen infolge von venösen Blutgerinnseln insgesamt rund 2,1 Milliarden Dollar, wie das Leverkusener Unternehmen mitteilte. Eine Haftung sei aber nicht anerkannt worden. Im Zusammenhang mit den Präparaten sind nach Bayer-Angaben noch weitere Verfahren anhängig: zwei in den USA und «weniger als zehn» in Ländern außerhalb der USA und Kanada, davon zwei in Deutschland.

New York (dpa) *13:49 Uhr – Corona-Impfstoff bringt Pfizer Milliardenumsatz extra

Der US-Pharmakonzern Pfizer hebt nach einem überraschend starken Jahresstart seine Ziele für das Jahr 2021 deutlich an. Im ersten Quartal hatten die Amerikaner in hohem Maße von ihrer gemeinsam mit der deutschen Biontech vermarkteten Corona-Impfung profitiert, wuchsen aber auch mit anderen Produkten, etwa gegen Krebs. Der Corona-Impfstoff Comirnaty spülte Pfizer allein 3,5 Milliarden Dollar (rund 2,9 Mrd Euro) in die Kassen, wie das Unternehmen am Dienstag in New York mitteilte. Die Aktien legten im vorbörslichen US-Handel um 1,8 Prozent zu. Konzernweit stieg der Umsatz im Berichtszeitraum im Vergleich zum Vorjahr um 45 Prozent auf knapp 14,6 Milliarden Dollar, der Gewinn unter dem Strich kletterte im selben Maße auf knapp 4,9 Milliarden Dollar.

Das Management um Konzernchef Albert Bourla erwartet nun auch aufgrund der überarbeiteten Erwartungen für Comirnaty für das Gesamtjahr einen Umsatzanstieg auf 70,5 bis 72,5 Milliarden Dollar. Zuvor standen noch maximal 61,4 Milliarden Dollar im Plan. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis je Aktie soll bei 3,55 bis 3,65 Dollar herauskommen, nachdem bislang bestenfalls 3,20 Dollar in Aussicht gestellt worden waren.

Amsterdam (dpa) *12:27 Uhr – EU-Behörde startet Schnell-Prüfverfahren für chinesischen Impfstoff

Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) hat das Prüfverfahren für den Impfstoff des chinesischen Herstellers Sinovac gestartet. Die Daten würden im beschleunigten Verfahren bewertet, teilte die EMA am Dienstag in Amsterdam mit. Die Experten der EMA begründeten ihre Entscheidung mit vorläufigen Ergebnissen aus klinischen und Labor-Studien. Daraus werde deutlich, dass der Impfstoff die Produktion von Antikörpern gegen das Coronavirus anrege und daher als Schutz gegen Covid-19 wirksam sein könne.

Die EMA prüft nach dem sogenannten Rolling Review-Verfahren. Danach werden alle Daten bewertet, noch vor dem Abschluss der Studien und bevor der formelle Antrag auf Marktzulassung gestellt wurde. Wie lange das Prüfverfahren dauern wird, ist unklar. Bisher sind in der EU vier Impfstoffe zugelassen. Drei weitere Präparate werden bereits länger nach dem Rolling Review-Verfahren geprüft.

Stuttgart (ots) *10:17 Uhr – Biotech-Innovator 4Gene wächst weiter

Mit einer hohen sechsstelligen Summe hat das Biotech-Unternehmen 4Gene eine weitere Investitionsrunde abgeschlossen. Neben den Gründungsgesellschaftern beteiligten sich Goldmann International sowie die MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg an der Finanzierungsrunde. "Wir freuen uns sehr, dass wir nun weitere Wirkstoffkandidaten für die Pharmaindustrie identifizieren sowie den weiteren Ausbau unserer Technologie-Plattform forcieren können", sagt Heimo Adamski, Geschäftsführer von 4Gene. Bereits erfolgreich umgesetzt wurde die Technologie für Paracetamol, das in Versuchen in ein Glycosid umgewandelt wurde. Das Paracetamol-Derivat ist bereits zum Patent angemeldet und ermöglicht voraussichtlich eine zeitlich planbare und zudem schonendere Aufnahme durch den menschlichen Organismus.

Ursprünglich wurde die Technologie für Duft- und Aromastoffe in der Kosmetik und Parfümindustrie entwickelt und, um ein Dufterlebnis in Cremes, Lotionen und Parfüms über einen bestimmten Zeitraum durch langsame Freisetzung der Stoffe zu gewährleisten. Der Mechanismus kann auch in der Lebensmittelindustrie und für Medikamente genutzt werden. Im Fall eines Wirkstoffs findet die Freisetzung im Körper durch mikrobielle oder menschliche Glukosidasen statt, wahlweise über den Speichel bei Einnahme wie auch später im Darm.

Berlin (dpa) *6:00 Uhr – Bund fördert Produktion von Impfstoff-Fläschchen

Für die Produktion von Glasfläschchen für Impfstoff können Unternehmen künftig vom Bund gefördert werden. Investitionen in Anlagen zur Herstellung von speziellem Borosilikat-Rohrglas und der Fläschchen selbst würden mit insgesamt bis zu 90 Millionen Euro unterstützt, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Dadurch sollten die jährlichen Produktionsmengen deutlich gesteigert werden. «Damit der Impfprozess nicht ins Stocken gerät, benötigen wir nicht nur ausreichend Impfstoffe», sagte Wirtschaftsstaatssekretär Andreas Feicht. «Die Impfstoffe müssen auch sicher verpackt und transportiert werden können.» Dafür seien die kleinen Glasflaschen unverzichtbar.

Feicht hat die Leitung eines Staatssekretärsausschusses übernommen, dem eine Taskforce Impfstoffproduktion berichtet. Er betonte, je früher Unternehmen Produktionsanlagen in Deutschland in Betrieb nähmen, desto mehr Unterstützung könnten sie bekommen. Die höchsten Summen werden ausgezahlt, wenn die Produktion noch vor Jahresende startet. Das Ministerium verspricht sich jährlich 200 Millionen Glasfläschchen zusätzlich. Förderanträge können bis zum 15. Juni 2021 gestellt werden.

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