Suchen

Energieanlagenbau VDMA will Deutschland als Energietechnik-Leitmarkt erhalten

| Autor / Redakteur: Stéphane Itasse / Matthias Back

Deutschland muss der Leitmarkt bleiben für erneuerbare Energien, flexible Kraftwerke und Speichertechnik, fordert der VDMA-Fachverband Power Systems auf der Hannover-Messe 2016. Nur so bringt die Energiewende den Herstellern im Land weiter Exporte.

Firmen zum Thema

„Zwei Drittel der Mitglieder von VDMA Power Systems glauben, dass in Deutschland wieder in Energieerzeugungsanlagen investiert werden wird“, sagt Andreas Nauen, Vorsitzender des Fachverbands und Beirat des Windenergieanlagenherstellers Senvion.
„Zwei Drittel der Mitglieder von VDMA Power Systems glauben, dass in Deutschland wieder in Energieerzeugungsanlagen investiert werden wird“, sagt Andreas Nauen, Vorsitzender des Fachverbands und Beirat des Windenergieanlagenherstellers Senvion.
(Bild: Itasse)

Der Markt für Energieanlagen entwickelt sich unterschiedlich. Während die Installation von Windenergieanlagen an Land und auf See in Deutschland im vergangenen Jahr noch einmal sehr gut war, wurde der Heimatmarkt für andere Erzeugungsarten schwierig. „Die Erwartungen an das Deutschlandgeschäft sind unter Herstellern thermischer Anlagen sehr gedämpft. Für große Anlagen ist der deutsche Markt praktisch nicht mehr existent. Der Export ist darum das entscheidende Standbein“, sagt Andreas Nauen, Vorsitzender des Fachverbands und Beirat des Windenergieanlagenherstellers Senvion. „Wir haben definitiv Überkapazitäten bei der Stromerzeugung in Zentraleuropa von gut 20 %“, ergänzt sagt Matthias Zelinger, Geschäftsführer von VDMA Power Systems und energiepolitischer Sprecher des VDMA.

Event Hinweis: Energy Excellence Forum Das„Energy Excellence Forum“ ist die branchenübergreifende Innovationsplattform für mehr Energie- und Rohstoffeffizienz in den Prozessindustrien. Im Fokus der Veranstaltung steht der strategische Umgang mit Energie und Rohstoffressourcen in den Betrieben sowie die Erfahrungen mit Energiemanagementsystemen.

Überkapazitäten bei der Stromerzeugunng belasten Energieanlagenbau

Die Trendbefragung zur Konjunktur von VDMA Power Systems bestätigt Nauen in seiner Bewertung: „Ein herausfordernder, lebendiger Heimatmarkt und eine nachhaltige Exportpolitik sind die notwendige Basis dafür, dass Deutschland die Innovationsführung in allen Erzeugungstechnologien halten und ausbauen kann. Dasselbe gilt für die Spitzenposition für Energiespeicher, Netztechnik und Maschinen mit flexiblem Verbrauch, die ebenfalls entscheidende Energiewende-Technologien darstellen.“

Bildergalerie
Bildergalerie mit 5 Bildern

Die Energiewende ist, was ihre technische Ausgestaltung betrifft, noch nicht abgeschlossen. „Intelligente Anlagen und die Digitalisierung des Energiesystems verknüpft mit Industrie 4.0 haben ein gigantisches Potenzial. Die Effizienz und Flexibilität des Systems könnten enorm gesteigert werden. Doch die Marktperspektive ist entscheidend, damit Hersteller in die Entwicklung investieren können“, sagt Zelinger.

Regulierungsrahmen bremst Energieinvestitionen noch aus

Doch sei der regulatorische Rahmen für die Energiebranche unsicher. So bleibe die künftige Belastung der Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen mit der EEG-Umlage ungeklärt. „Die Notifizierung der EU über das KWKG ist nicht absehbar und wird für die Hersteller zur Hängepartie. Ihre Projekte liegen auf Eis, ihre Industrie nimmt langsam Schaden“, warnt Zelinger. „Ein hohes Risiko besteht auch für Investitionen in die Windenergie in Deutschland. Wenn wir davon ausgehen müssen, dass die Koalition das Ziel von 45 % erneuerbarer Stromproduktion nicht überschreiten will und darum Wind an Land als Puffer benutzt werden soll, dann brauchen die Hersteller eine Mindestausschreibungsmenge von brutto 2500 MW zum Erhalt ihrer Produktionsstätten und der Innovationskraft. „Der aktuelle EEG-Entwurf mache auch der Bioenergie und der Wasserkraft keine Hoffnung auf eine positive Entwicklung des Marktes. Im Kern gebe die Regierung mit dem Strommarktgesetz und den Ausschreibungen im EEG dennoch richtige Impulse. Wettbewerb werde auch für erneuerbare Energien ein Innovationstreiber sein und eigne sich, Angebot und Nachfrage im Strommarkt zu flexibilisieren.

Die Flaute im Inland wird ergänzt durch einen Weltmarkt mit Licht und Schatten. „Die deutsche Windenergieanlagen-Industrie hat mittlerweile einen Exportanteil von zwei Dritteln. Wasserkraftanlagen und thermische Turbinen finden fast nur im Ausland Abnehmer. Der mittelfristige Trend ist nicht zuletzt mit dem Klimaschutz-Vertrag von Paris dokumentiert: Energiewende-Technologien haben ein riesiges Marktpotenzial und werden in sehr unterschiedlichen Energiesystemen eingesetzt“, sagt Nauen und Zelinger fährt fort: „Gegenüber der internationalen Konkurrenz brauchen wir aber faire Wettbewerbsbedingungen. Exportfinanzierungsinstrumente und eine aktive Exportpolitik sind ein Schlüssel zum Weltmarkt. Deutschland sollte stolz sein auf seine Energietechnologien und offensiv dafür werben.“

Event Hinweis: Energy Excellence Forum Das„Energy Excellence Forum“ ist die branchenübergreifende Innovationsplattform für mehr Energie- und Rohstoffeffizienz in den Prozessindustrien. Im Fokus der Veranstaltung steht der strategische Umgang mit Energie und Rohstoffressourcen in den Betrieben sowie die Erfahrungen mit Energiemanagementsystemen.

Der Beitrag erschien zuerst auf dem Portal unserer Schwestermarke MM Maschinenmarkt.

(ID:44023397)

Über den Autor

 Stéphane Itasse

Stéphane Itasse

, MM MaschinenMarkt