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ACHEMA-Vorpressekonferenz VDMA: Vorsichtiger Optimismus bei Prozesstechnik

| Redakteur: Gerd Kielburger

Während sich in anderen Branchen die Krisenmeldungen überschlagen, zeigen sich die deutschen Hersteller von verfahrenstechnischen Maschinen und Apparaten im VDMA verhalten optimistisch.

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Rüdiger Vieten, KMPT-Vorstandssprecher und Vorsitzender des VDMA Forums Prozesstechnik: „Die positiven Zahlen dürfen nicht über den Ernst der Lage hinwegtäuschen.“
Rüdiger Vieten, KMPT-Vorstandssprecher und Vorsitzender des VDMA Forums Prozesstechnik: „Die positiven Zahlen dürfen nicht über den Ernst der Lage hinwegtäuschen.“
( Archiv: Vogel Business Media )

Wie KMPT-Vorstandssprecher Rüdiger Vieten in seiner Funktion als Vorsitzender des VDMA Forums Prozesstechnik und stellvertretender Vorsitzender des VDMA Fachverbands Verfahrenstechnische Maschinen und Apparate am 12. Februar anlässlich einer ACHEMA-Vorpressekonferenz in Frankfurt mitteilte, sei die Branche im fünften Jahr in Folge gewachsen. Die im Verband organisierten Unternehmen haben ihr Produktionsvolumen in den ersten Quartalen des vergangenen Jahres um 18 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro gesteigert. Zunehmend spürbar sei jedoch eine „Zurückhaltung bei den wichtigsten Abnehmerbranchen, die weltweit auf deutsche Technologie setzen“, betonte Vieten. Das hohe Wachstumsvolumen im vergangenen Jahr sei auf einen überaus positiven Geschäftsverlauf in fast allen Bereichen der Verfahrenstechnik zurückzuführen. Einzig im Teilsegment Apparate zur Gasbehandlung ist der Umsatz rückläufig. „Trotzdem dürfen die positiven Zahlen nicht über den Ernst der Lage hinwegtäuschen“, erläuterte Vieten.

Export legte bis November um neun Prozent zu

In den ersten elf Monaten 2008 erreichten die Exporte verfahrenstechnischer Maschinen und Apparate einen Wert von 4,2 Milliarden Euro, dies entspricht einem Plus von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleichszeitraum 2007 wurden Waren für 3,8 Milliarden Euro ausgeführt.

Bei einem Produktionszuwachs von 18 Prozent und einem Exportwachstum von neun Prozent bedeutet dies auch, dass nach einigen verhaltenen Jahren der Inlandsmarkt (Produktion minus Ausfuhr) überproportional zugelegt hat. Ohne das vierte Quartal 2008 wird der wertmäßige Import des gesamten Jahres 2007 von 1,4 Milliarden Euro bereits übertroffen und erreicht ein Niveau wie zuletzt im Jahr 2000.

Aus dem Ausland kamen die positiven Impulse aus den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China), dem Nahen und Mittleren Osten sowie den Nachbarländern Deutschlands. Die Exporte in die USA haben um fünf Prozent nachgelassen. „Die Ausfuhrzahlen für den Monat Dezember liegen noch nicht vor, eine merkliche Abkühlung der Exporte erwarten wir aber erst für 2009“, sagte Vieten.

Die EU-27 war mit einem Exportanteil von 43 Prozent die wichtigste Region. Die Exporte haben allerdings unterdurchschnittlich um drei Prozent zugelegt. Zweitwichtigste Region, mit einem Anteil von 16 Prozent, war das übrige Europa inklusive Russland und der Türkei. Dort wurden die Exporte um 17 Prozent gesteigert. Die Exporte nach Nordamerika verringerten sich um vier Prozent und hatten nur noch einen Anteil von neun Prozent an den Gesamtexporten. Stark zugelegt haben die Regionen Naher und Mittlerer Osten (plus 32 Prozent), Südamerika (plus 21 Prozent), Zentral- und Südasien (plus 22 Prozent) und Nordafrika (plus 58 Prozent). Zusammen haben diese Regionen einen Anteil von 14 Prozent an den Gesamtexporten.

Bei den Produkten haben besonders Wärmeaustauscher zugelegt. Mit einem Plus von 25 Prozent tragen diese durch ihren Anteil von fast einem Drittel am Gesamtexport erheblich zum starken Exportanstieg bei. Der Exportanteil der mittelständisch geprägten Industrie lag bei 77 Prozent.

Prognose 2009 – zwar Abschwächung, aber über 2007

Die allgemeine konjunkturelle Lage zeige jedoch unübersehbare Anzeichen von Schwäche, so Vieten. Allerdings rechnet der VDMA damit, dass Konsumgüter nahe Fachzweige wie Textilmaschinen, Druck- und Papiertechnik oder Präzisionswerkzeuge mehr unter dieser Schwäche leiden werden als die Prozesstechnik. Es wird erwartet, dass sich der Umsatz Ende 2009 immer noch auf einem höheren Niveau als Ende 2007 bewegen wird. Dieser Optimismus lässt sich jedoch nur aufrecht erhalten, „wenn möglichst rasch das Vertrauen in die Geld- und Finanzmärkte weltweit wieder hergestellt wird“, sagte Vieten. Die globale Finanzkrise wirke sich jetzt auf die Investitionsgüterindustrie aus. Auch bisher wachstumsstarke Regionen zeigen derzeit keine Impulse.

Dennoch zeigen sich die Unternehmen für ein schwieriges Jahr gut gerüstet und deutlich besser aufgestellt als noch vor der letzten Krise. So habe die Branche ihre Aufwendungen für Forschung und Entwicklung in den vergangenen fünf Jahren von mageren 1,9 Prozent des Umsatzes auf immerhin 3,3 Prozent erhöht, und die Eigenkapitalquote lag 2007 je nach Teilbranche zwischen 32 und 41 Prozent, erläuterte Vieten. Entlassungen stünden vor diesem Hintergrund derzeit nicht zur Diskussion.

Was wollen die Anwender?

Verfügbarkeit, Risikominimierung beim Betrieb unter extremen Bedingungen oder mit sicherheitskritischen Medien, Produktreinheit, Dichtigkeit der Maschinen und Apparate – das sind die Forderungen, die laut Vieten die Anwender an die Ausrüsterindustrien stellen. Mittelfristig würden aber Themen wie Energieeffizienz von verfahrenstechnischen Maschinen und Apparaten an Bedeutung gewinnen. „Steigende Energiekosten bedingen eine neue Betrachtung der Wirtschaftlichkeit von Maschinen und Anlagen und werden die Kaufentscheidungen der Kunden stärker beeinflussen als bisher“, so Vieten. Nur wer alle Potenziale seiner Anlage optimal nutze, sei auch in Zukunft im globalen Vergleich wettbewerbsfähig. Das diversifizierte Portfolio und die breite geografische Aufstellung weisen sich in der Prozesstechnik immer wieder als strategischer Vorteil aus, so der VDMA-Sprecher.

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