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Branchenentwicklung Chemie

VCI-Bericht offenbart schlechte Branchenentwicklung im Quartal 4/2007

| Redakteur: Marion Wiesmann

Das vierte Quartal 2007 verlief für die deutsche Chemieindustrie insgesamt nicht zufriedenstellend. Nach vier Jahren mit überdurchschnittlichem Wachstum hat die Branche im vierten

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VCI-Präsident Professor Dr. Ulrich Lehner: „Die letzten Monate verliefen für die deutsche Chemie nicht wie erwartet. Die Chemieunternehmen müssen einen Gang zurückschalten. Aber auch im vierten Gang fährt es sich noch flott.“
VCI-Präsident Professor Dr. Ulrich Lehner: „Die letzten Monate verliefen für die deutsche Chemie nicht wie erwartet. Die Chemieunternehmen müssen einen Gang zurückschalten. Aber auch im vierten Gang fährt es sich noch flott.“
( Archiv: Vogel Business Media )

Das vierte Quartal 2007 verlief für die deutsche Chemieindustrie insgesamt nicht zufriedenstellend. Nach vier Jahren mit überdurchschnittlichem Wachstum hat die Branche im vierten Quartal 2007 nachgelassen. Und auch die Prognosen für 2008 fallen moderat aus.

Frankfurt – Die letzten Monate des Jahres 2007 verliefen nicht so, wie es sich die deutschen Chemieunternehmer erhofft hatten. Das geht aus dem aktuellen Bericht des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) zur wirtschaftlichen Lage der Branche hervor. Im vierten Quartal 2007 erzielte die Branche einen Gesamtumsatz von 41,6 Milliarden Euro. Das sind saisonbereinigt 0,3 Prozent weniger als im Quartal zuvor und betrifft sowohl den Inlandsumsatz, als auch das Exportgeschäft.

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Das entsprechende Vorjahresquartal wurde jedoch übertroffen: Mit 18,6 Milliarden Euro lag der Inlandsumsatz um 3,9 Prozent über dem Vorjahreswert, der Auslandsumsatz von 23 Milliarden Euro übertraf das vierte Quartal 2006 um 4,6 Prozent.

Binnennachfrage zum Jahresende leicht nachgelassen

Deutschlands Chemie profitierte im Jahr 2007 vor allem von der stabilen Industriekonjunktur in Europa. Die Chemieexporte in die 14 Kernstaaten der EU erhöhten sich im Zeitraum Januar bis Dezember 2007 um mehr als zehn Prozent, in die neuen Mitgliedstaaten sogar um knapp 18 Prozent. Dennoch hat auch die Binnennachfrage zum Jahresende leicht nachgelassen.

Heterogene Entwicklung auf den Weltmärkten

Der hohe Eurokurs ist auf den außereuropäischen Märkten zum Problem geworden. Sinkende Exporte nach Nordamerika begründet der VCI zudem mit der anhaltenden wirtschaftliche Krise in den USA und der damit einhergehenden schwachen Entwicklung der Industrieproduktion vor Ort. Die Schwäche der US-Wirtschaft führte zu einem deutlichen Rückgang der Ausfuhren in die Vereinigten Staaten, während Lateinamerika im bisherigen Jahresverlauf seine Importe von Chemikalien aus deutscher Produktion um mehr als 10 Prozent ausdehnte.

Asien war von der Stimmungseintrübung nicht betroffen. Die dortigen Volkswirtschaften konnten erneut die größten Zuwächse verzeichnen – allen voran China und Indien. Davon profitierte auch die Nachfrage nach Chemikalien.

Rohstoffpreise auf Rekordniveau führten in Lateinamerika, Russland und dem nahen Osten zu positiven Wachstumsbeiträgen in den dortigen Volkswirtschaften. Die Chemieimporte dieser Regionen expandierten.

Produktionszahlen

Die Chemieproduktion ist im vierten Quartal 2007 gegenüber dem Vorquartal um 1,6 Prozent gesunken. Dieser Rückgang erfolgte allerdings auf hohem Niveau: Im Vergleich zum vierten Quartal des Vorjahres konnte die deutsche Chemieproduktion immerhin noch um 1,7 Prozent zulegen und die Produktionskapazitäten der deutschen Chemieunternehmen waren mit 84,2 Prozent ausgelastet.

Preisentwicklung

Zum Jahresende 2007 hat sich der Erzeugerpreisauftrieb in der chemischen Industrie verlangsamt. Im vierten Quartal waren chemische Erzeugnisse durchschnittlich 0,4 Prozent teurer als in den vorangegangenen drei Monaten. Das Preisniveau des entsprechenden Vorjahresquartals wurde nur noch um 1,8 Prozent übertroffen. „Offenbar fällt es den Unternehmen angesichts des starken Euros zunehmend schwerer, die kräftig gestiegenen Rohstoffkosten an die Kunden weiterzugeben“, beurteilt der VCI in seinem Quartalsbericht die Preisentwicklung.

Keine Entspannung bei Rohstoffpreisen

Die Rohölpreishausse an den internationalen Rohstoffbörsen setzte sich im vierten Quartal 2007 fort. Mit durchschnittlich 89 US-Dollar pro Barrel war Rohöl rund 14 US-Dollar oder 18,6 Prozent teurer als in den vorangegangenen drei Monaten. Zwar konnte der starke Euro die Verteuerung des Rohöls etwas abfedern. Dennoch stiegen auch die Euro-Preise für alle Rohölderivate an den europäischen Rohstoffbörsen. Naphtha, der wichtigste Rohstoff der chemischen Industrie, war im vierten Quartal 2007 rund 12,7 Prozent teurer als drei Monate zuvor. Mit dem Ölpreis kletterten auch die Preise für Energie. Gas und Heizöl verteuerten sich innerhalb von drei Monaten um mehr als 10 Prozent. Die Industriestrompreise kletterten im gleichen Zeitraum um mehr als 0,5 Prozent, nachdem sie bereits im Vorquartal deutlich angehoben worden waren. Der Chemieverband rechnet für das erste Quartal 2008 nicht mit einer Entspannung auf den Rohstoff- und Energiemärkten. Diese Entwicklung spiegelt sich in gestiegenen Preisen für Primärchemikalien wider: Die Kontraktpreise für das erste Quartal 2008 stiegen laut VCI um bis zu acht Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Grundstoff- und Spezialitätenchemie enttäuschen zum Jahresende

Zum Jahresende 2007 verlief die Chemiekonjunktur in den einzelnen Chemiesparten uneinheitlich. Die Produktion chemischer Grundstoffe, zu denen anorganische Grundstoffe, Petrochemikalien und Polymere zählen, sank im vierten Quartal 2007 deutlich um durchschnittlich mehr als zwei Prozent. Das Produktionsniveau der drei Grundstoffsparten lag insgesamt rund 0,5 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Die Erzeugerpreise zogen auf Grund der deutlich gestiegenen Rohstoffpreise kräftig an. Sie lagen rund vier Prozent über Vorjahresniveau. Der Spartenumsatz legte auf Grund der Preiskomponente deutlich zu.

Die Hersteller von Fein- und Spezialchemikalien drosselten ihre Produktion im vierten Quartal 2007 gegenüber den vorangegangenen Monaten um 0,5 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht dies aber immer noch einem Zuwachs von 0,7 Prozent. Die Sparte gehört damit weiterhin zu den Wachstumsträgern des Chemiegeschäftes. Bei leicht steigenden Preisen stieg der Umsatz innerhalb eines Jahres um rund 3,5 Prozent. Vor allem die Nachfrage der Kunden im Ausland trug zu dieser Entwicklung bei.

Das Pharmageschäft unterliegt naturgemäß kaum konjunkturellen Schwankungen. Es zeichnet sich durch ein hohes Trendwachstum aus. Das Wachstum der vorangegangenen Quartale setzte sich daher auch im vierten Quartal 2007 fort, die Pharmaproduktion war aber leicht rückläufig, lag aber 5,8 Prozent höher als im Jahr zuvor.

Die Hersteller von Wasch- und Körperpflegemitteln konnten zum Jahresende 2007 ihre Produktion erneut ausdehnen. Die Produktion stieg im Vergleich zum Vorquartal um mehr als zwei Prozent und lag damit fast vier Prozent höher als ein Jahr zuvor. Der Spartenumsatz konnte bei leicht sinkenden Preisen im gleichen Zeitraum um 5,6 Prozent ausgedehnt werden.

Belegschaftszahlen bleiben stabil

Der langjährige Abwärtstrend bei den Chemiebeschäftigten konnte im Jahr 2007 gestoppt werden. Die Belegschaftszahlen legten im Gesamtjahr trotz des anhaltenden Restrukturierungsprozesses und der damit verbundenen Auslagerung von Unternehmensteilen sogar leicht um 0,3 Prozent auf 437.300 Mitarbeiter zu.

Ausblick: Chemiekonjunktur schaltet einen Gang zurück

Trotz des unbefriedigenden Jahresendquartals fällt die Branchenbilanz des VCI für das Gesamtjahr 2007 insgesamt positiv aus. Und auch die Prognosen des Verbandes für 2008 klingen verhalten positiv. Der Chemieverband rechnet mit einem Wachstum der Chemieproduktion um circa 2,5 Prozent, im vergangenen Jahr war die Produktion insgesamt noch um 4,3 Prozent gestiegen. Durch den Kostendruck der Rohstoffmärkte werden die Preise, so schätzt der VCI, um rund zwei Prozent steigen. Unter diesen Bedingungen sei ein Umsatzplus von etwa 4,5 Prozent zu erwarten.

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