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Pumpen Universitätslehrgang zum Pumpenfachingenieur: vierter Kurs in Startlöchern

| Redakteur: Dr. Jörg Kempf

In diesem Sommer startet der vierte Kurs des Fernstudiums zum Pumpenfachingenieur, kurz „pump.ing“. Dabei beinhaltet dieses Fernstudium alles andere als trockene Materie.

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Montage einer Normpumpe als praktische Übung. Es werden verschiedenste Typen von Kreisel- und Verdrängerpumpen bei den Montagen bis ins kleinste Detail zerlegt und wieder zusammengebaut.
Montage einer Normpumpe als praktische Übung. Es werden verschiedenste Typen von Kreisel- und Verdrängerpumpen bei den Montagen bis ins kleinste Detail zerlegt und wieder zusammengebaut.
( Bild: Jaberg )

Seit nunmehr drei Jahren wird der Lehrgang Pumpenfachingenieur von der Technischen Universität Graz in enger Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin und der Universität Erlangen angeboten. Ein theoretischer Kurs ist es trotzdem nicht: Zum einem richten sich die technischen Universitäten bei aller ingenieurwissenschaftlichen Fundierung sehr auf die Anwendung aus, zum anderen wird gerade dieser Lehrgang von gestandenen Praktikern aus der verfahrenstechnischen Industrie, der Kraftwerks- und Abwassertechnik und auch von Referenten aus der Pumpenindustrie durchgeführt.

Praxis ist das A und O

Die praktische Ausrichtung zeigt sich gerade in den zweitägigen Präsenzphasen, in denen durch Montageübungen verschiedenste Pumpentypen aus der Nähe kennengelernt werden, Prüfstände gefahren und sogar kritische Betriebszustände von den Teilnehmern (unter Anleitung!) selbst eingestellt werden.

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Derzeit läuft der dritte Kurs dieser im Jahre 2005 gestarteten Zusatzausbildung, zu der Ingenieure, aber auch Techniker und Meister zugelassen werden können. Der Kurs wird als Fernstudium mithilfe einer Internet-Plattform durchgeführt und durch insgesamt acht zweitägige Präsenzveranstaltungen ergänzt. Die Teilnehmer kommen zur Freude der Veranstalter aus der „Creme de la creme“ der Industrie, z.B. Bayer, Sabic, OMV oder Sulzer, Sterling, Friatec, Wepuko, Egger u.a.m., oder auch von Stadtwerken oder als Selbständige.

Im Rahmen einer dieser Präsenzveranstaltungen des dritten Kurses wurden in einer Feier den Absolventen des zweiten Kurses ihre Abschlusszeugnisse und Diplome überreicht, so dass praktisch zwei „Generationen“ miteinander ins Gespräch kommen konnten – was über die Lehrplattform übrigens auch nach Abschluss des Kurses weiterhin möglich ist und von den Teilnehmern sehr geschätzt wird.

Ohne Fleiß keinen Preis

Das Überreichen der Diplome an die vorherigen Absolventen gab auch den jetzigen Kursteilnehmern Auftrieb und zeigte, dass das doch umfangreiche Lernpensum tatsächlich erfolgreich zu absolvieren ist. Denn obwohl es sich um eine nebenberufliche Ausbildung handelt, kann man den Pumpenfachingenieur nicht einfach so „nebenbei“ erwerben. Die Pumpentechnik in ihren verschiedensten Ausprägungen und das Zusammenwirken der Anlage sind Lehrinhalt und stellen an die Teilnehmer, ihr Können und nicht zuletzt an ihr Durchhaltevermögen einige Anforderungen.

Per aspera ad astra: Das Absolvieren des Kurses verschafft den Teilnehmern ein umfangreiches fundiertes Know-How über Pumpen und ihren Einsatz, für das andere Kollegen jahre- oder gar jahrzehntelange Berufserfahrung brauchen. Dafür wird den Teilnehmern Einsatz und Engagement abverlangt, unterstützt durch aussagekräftige Lehrunterlagen, die Internet-Lehrplattform, über die der Kontakt mit dem Lehrpersonal und mit den anderen Teilnehmern gehalten wird und offene Fragen diskutiert und beantwortet werden können.

Immerhin haben fast alle bisherigen Absolventen den anspruchsvollen Kurs und die Prüfungen erfolgreich absolviert und können sich jetzt Pumpenfachingenieur (Techniker und Meister Pumpenfachtechniker) nennen. Lesen Sie hierzu auch das Interview mit Volker Ludewig, einem der erfolgreichen Absolventen (siehe unten).

Das Wichtigste auf einen Blick

Der vierte Kurs wird im Sommer 2008 gestartet, erste Anmeldungen von Mitarbeitern aus renommierten Firmen liegen bereits vor. Sind auch Sie interessiert? Hier das Wichtigste auf eine Blick:

Zielgruppe: Ingenieur-Absolventen von Hochschulen und Universitäten oder berufsbildenden höheren technischen Schulen sowie Werksmeister oder Techniker, die in ihrer täglichen Berufspraxis mit Pumpen und verfahrenstechnischen Anlagen in Berührung kommen

Das Fernstudium zeichnet sich aus durch freie Zeiteinteilung, Praxisrelevanz durch Kooperation mit der Industrie, renommierte Referenten aus der Industrie.

Dauer: ca. 1 Jahr

Kosten: 5000 Euro (ab dem 2.Teilnehmer eines Unternehmens 10% Rabatt)

Voraussetzung: Ingenieursausbildung oder umfangreiche Praxis im Umgang mit Pumpen sowie Berufsausbildung in einem (Lehr-)Beruf, der in der produzierenden Industrie wichtig ist.

Abschluss: Nach erfolgreicher Absolvierung sind die Teilnehmer zur Führung des Titels „Pumpenfachingenieur“ bzw. „Pumpenfachtechniker“ berechtigt (abhängig vom Grad der Vorbildung).

Kontakt: Prof. Dr.-Ing. Helmut Jaberg, Tel. +43 (0)3 16 / 8 73 - 75 71, www.pumpenfachingenieur.com

Interview: „Die Erwartungen sogar übertroffen“

Dipl.-Ing. (FH) Volker Ludewig, Konstrukteur im Anlagenbau bei Putzmeister, hat das Fernstudium zum Pumpenfachingenieur mit Erfolg absolviert. Für PROCESS berichtet er von seinen Eindrücken und Erfahrungen.

PROCESS: Herr Ludewig, warum haben Sie sich für den Kursus Pumpenfachingenieur angemeldet?

Ludewig: Wenn ich die Stellenanzeigen in der Zeitung aufschlage, so ist unübersehbar, dass hauptsächlich höher qualifizierte Leute gesucht werden. Es mag vielleicht etwas egoistisch klingen, aber ich habe versucht, mit dem Zusatzstudium meinen Marktwert zu steigern. Zum anderen habe ich persönlich Bildungsbedarf gesehen. Das liegt daran, dass die Projekte, also die Pumpaufgaben im Anlagenbau immer komplexer werden. Hier benötigt man als Konstrukteur ein immer breiter angelegtes Spezialwissen. Der Vertrieb verkauft heutzutage sehr schnell Applikationen und für diese Herausforderungen muss man einfach bestmöglich gewappnet sein.

PROCESS: Welche Erwartungen hatten Sie?

Ludewig: Ich habe im Anschluss an mein Hauptstudium schon einmal ein Zusatzstudium – zum Schweißfachingenieur – gemacht. Dieses Studium hat meinen Blick für die Fügetechnik geschärft. Von dem Fernstudium Pumpenfachingenieur habe ich mir einen sehr umfassenden Einblick in die Fluidtechnik versprochen. Bei einem Studium, das von der Industrie ausgeht, erwartet man natürlich auch einen starken Bezug zur Praxis.

PROCESS: Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

Ludewig: Sie wurden sogar übertroffen. Neben dem interessanten und umfassenden Gebiet der Kreiselpumpen wurden auch die Kolbenpumpen nicht ausgelassen. Wir mussten uns mit den heutigen Normen wie Atex, Maschinenrichtlinie und API auseinander setzen. Dafür bin ich im Nachhinein sogar dankbar. Ebenso haben wir viel über Steuerungs- und Regelungstechnik erfahren, und uns wurde das anspruchvolle Thema Maschinendynamik näher gebracht. Interessant ist auch der Aspekt wie der Stoff vermittelt wurde. So wurden am Anfang sehr intensiv die theoretischen Hintergründe der Fluide und hydrodynamischen Arbeitsmaschinen durchleuchtet. Darauf folgte die konstruktive Diskussion der einzelnen Pumpenarten – Verdrängerpumpen und hydrodynamische Pumpen. Im nächsten Schritt wurde die Pumpe als ein Teil einer komplexen Anlage betrachtet. Abgerundet wurde das durch Besuche bei Herstellerfirmen und Anlagenbetreibern.

PROCESS: Hatten Sie konkreten Nutzen für Ihre Arbeit?

Ludewig: Erst einmal nur neue Arbeit...! Aber Spaß beiseite: Zusammenfassend würde ich sagen: viele neue Ideen und Lösungsansätze. In einem konkreten Fall im Kalibergbau waren kürzlich die neuen Werkstoffkenntnisse sehr nützlich. Ein Abdichtungsproblem an einem Hydraulikzylinder haben wir nun anders gelöst. Also, durchaus konkrete Sachen, die in die Produkte und somit in die Praxis einfließen.

PROCESS: Was war für Sie außer der fachlichen Fortbildung wichtig? Kontakte in der Gruppe?

Ludewig: Zu Beginn des Fernstudiums befürchtete ich stupides Lernen und ein gewisses Einzelkämpfertum. Die hervorragenden Kontakte in der Gruppe haben aber meine Befürchtungen nicht real werden lassen. Möglich wurde das durch die regelmäßigen Präsenzphasen, die Internetplattform und natürlich das Telefon. Eine offene Grundeinstellung, Gruppengeist und Kontaktfreudigkeit ist bei dieser Art des Studierens schon wichtig.

PROCESS: Was hat Ihnen besonders gefallen?

Ludewig: Das Fach Berechnungen fand ich sehr interessant, und natürlich die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus der Gruppe. Gefallen hat mir, dass die einzelnen Bildungsträger des Fernstudiums nämlich die TU Graz, die TU Berlin und TU Erlangen ihre Einzelinteressen zum Gelingen des Lehrgangs zurückstellen können. Die Präsenzveranstaltungen bei verschiedenen Pumpenherstellern und Betreibern waren stets ein richtig tolles Erlebnis. Eine Präsenzveranstaltung führte mich z.B. zu einer Papierfabrik nach Göteborg. Dort gab es nicht nur Kultur, sondern auch eine imposante Anlage, in der ca. 800 Pumpen im verketten Betrieb an einer Aufgabe werkelten.

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