Exklusiv-Interview

Ungeahnte Potenziale – So verbessern Sie mit der Digitalisierung Ihre Wettbewerbsposition

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Informationen und smarte Daten gelten als neuer Rohstoff. Selbst Unternehmen wie der japanische Anlagenbauer Chiyoda bauen neue Business Units auf, in denen sie Big Data Analytics und Artificial Intelligence betreiben wollen. Siemens will zwar Cloud-Plattformen anbieten, die Auswertungen aber den Kunden selbst überlassen. Welche Dienstleistungen bleiben dann noch beim Thema Big Data Analytics?

Brandes: So darf man unsere Strategie nicht interpretieren. Wenn Sie heute in eine Cloud-Anwendung gehen, dann können Sie „off the shelf“ gewisse Datenanalyse- bzw. Artificial Intelligence-Tools nutzen. Die sind aber nur so gut, wie man entsprechend Spezialwissen hinein kombiniert. Wir glauben durchaus an Data Analytics aber es wird die modellbasierte Diagnose nicht ersetzen. Es wird demnach beide Welten geben. Aufgrund unseres Vorsprungs bei der Durchgängigkeit von Daten bei Engineering und Operations, haben wir den Fokus genau an dieser Stelle. Wir haben aber auch, dort wo wir es für sinnvoll halten, Datenanalyse-Tools mit Flotteninformationen. Egal von welchem Ansatz wir sprechen, wir müssen uns immer fragen, welcher der beste für den Kunden ist, was er konkret davon hat und ob sich die Investition schnell amortisiert.

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Marktbegleiter wie Honeywell promoten ihre IoT-Plattform, um Partnerfirmen – Ausrüster aus ergänzenden Bereichen – einzuladen, dort mitzumachen. Ist das auch ein Weg für Siemens?

Brandes: Grundsätzlich wird es wohl eine Handvoll Cloud-Anbieter geben, die „Plattform As a Service“ anbieten. Dann wird es spezifische Plattformen wie unser cloudbasiertes offenes „Internet of Things“-Betriebssystem Mindsphere geben, wo wir relativ einfach sicherstellen können, Feldgeräte mit zwei, drei Mausklicks anzubinden und die zugehörigen Daten dort zur Verfügung zu haben. Damit stellen wir auch eine offene Plattform für andere Software- und Applikationshersteller zur Verfügung. Keiner der Plattform-Anbieter wird vermutlich Exklusivität erlangen. Wir arbeiten mit aller Kraft daran, viele Anwender von den Vorteilen der Mindsphere zu überzeugen.

Parallel zur Digitalisierung kommt die Modularisierung der Automatisierung schneller in Gang. Ist die Modularisierung mit dem Module Type Package (MTP) auf dem richtigen Weg?

Brandes: Ich habe bei der Live Demo auf der letzten Namur-Hauptsitzung mit meinen Jungs gefiebert, als sie den zentralen Teil demonstriert haben, bei dem Module mit Fremdsteuerungen mittels dem Modul Type Package in das übergeordnete Prozessleitsystem Simatic PCS 7 integriert wurden. Das hat funktioniert und damit haben wir bewiesen, dass die MTP-basierte Integration von Steuerungen anderer Hersteller zur Anzeige der Informationen in unserem Leitsystem bereits heute möglich ist. In den Gremien des ZVEI, der GMA und der Namur arbeiten wir aktiv daran, auch die funktionale Integration von Modulen in die übergeordneten Systeme der Prozessführungsebene sicherzustellen. Daran erkennen Sie nicht nur unsere Bereitschaft bei der Standardisierung der modularen Automatisierung mitzumachen, sondern auch aktiv mitzugestalten. Wir sehen das Potenzial der modularen Produktion, z.B. Time to Market, Numbering Up, Flexibilität, deshalb wollen wir unseren Kunden Komponenten und Lösungen zur modularen Automatisierung anbieten. Nach vielen Kundengesprächen bin ich davon überzeugt, dass dies auch Hersteller übergreifend funktionieren muss. Ein übergeordnetes Leitsystem wie Simatic PCS 7 muss Funktionen zur einfachen Orchestrierung einzelner Module bieten. Wir werden sowohl für die Prozessführungsebene als auch zur Modulautomatisierung erstklassige Systeme und Komponenten anbieten.

Herr Dr. Brandes. Wir danken Ihnen für das Gespräch.

* Der Autor ist Chefredakteur der PROCESS. E-Mail: gerd.kielburger@vogel.de

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