Exklusiv-Interview

Ungeahnte Potenziale – So verbessern Sie mit der Digitalisierung Ihre Wettbewerbsposition

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Brownfield- oder Greenfield-Anlagen – wo wird man das am ehesten einsetzen?

Brandes: Überall dort, wo man bei Brownfield-Anlagen mit Papier oder archaischen Dokumentationsablagen gearbeitet hat, und man nicht sicher ist, ob die Dokumentation aktuell ist bzw. man den Bestand noch einmal schnell erfassen will. Aber auch dann, wenn man über einen umfassenden Retrofit nachdenkt und die Informationen als Planungsbasis nutzen möchte.

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Ist der Ausbildungsstand auf Anwender- und Betreiberseite in puncto Digitalisierung nicht noch viel zu niedrig, um all die positiven Effekte erzielen zu können?

Brandes: Das ist ein wesentliches Kriterium. Die Tools müssen so intuitiv und einfach wie möglich gestaltet werden. Bleiben wir bei dem bereits angesprochenen 3D-Bild. Es macht natürlich einen Unterschied, ob auf dem Bild eine theoretische Welt oder – wie bei Context Capture – ein fast naturgetreues reales 3D-Abbild gezeigt wird. Kleine aber wichtige Unterschiede, die es dem Benutzer einfacher mit digitalen Tools machen oder nicht. Hinzu kommt, zukünftig verschwimmen die Grenzen zwischen der B2C- und B2B-Welt. Am Beispiel der Videospiele lässt sich sehr gut erkennen, welche Kriterien bei Kaufentscheidungen auch in der Industrie zukünftig eine Rolle spielen werden. Daran müssen wir uns als Anbieter für die Industriewelt erst einmal gewöhnen und vermehrt Softwareentwickler an Bord holen, die Kompetenzen mitbringen, um einfach zu begreifende und intuitive Tools zu entwickeln.

Erst kürzlich hat Siemens in Karlsruhe ein Democenter für Industrie 4.0-Anwendungen eröffnet. Braucht es nicht deutlich mehr solcher Ansätze, um bei Anwendern die Chancen der Digitalisierung greifbarer zu machen?

Brandes: Ja, Industrie 4.0 und Digitalisierung muss man erleben und trainieren. Auch die Hochschulen werden sich darauf einstellen müssen. Wir werden Wissen aufbauen müssen, das anders strukturiert ist, als heute. Das fällt auch mir persönlich zugegebenermaßen schwer. Wir werden Menschen entscheiden lassen müssen, die noch nicht die Ochsentour in einem Großunternehmen mit allen Abteilungshierarchien hinter sich haben, die aber das Wissen für die zukünftige digitale Welt mitbringen. Damit wandeln sich auch die Entscheidungsstrukturen in den Unternehmen.

Das schreit geradezu nach der Frage, sind Ingenieure von heute in der Lage disruptiv zu denken?

Brandes: Absolut. Davon bin ich mehr als überzeugt. Wir, schließlich bin ich selbst ein Ingenieur, sind kreativer, als es die heutigen Tools zulassen. Insofern glaube ich, dass durch modernere Hilfsmittel und Tools wieder die Kreativität geweckt wird, die notwendig ist, um die nächste Generation von Technik zu erzeugen.

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