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Digitales Deutschland Und welcher Online-Nutzertyp sind Sie?

Autor / Redakteur: Gesine Herzberger / Dipl.-Medienwirt (FH) Matthias Back

Das Internet ist längst in unserer Mitte angekommen, jeder ist fast immer online. Wirklich jeder? Eine neue Studie zur Digitalisierung identifiziert sechs Nutzertypen und bringt damit verblüffende Ergebnisse zu Tage.

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Der „Smarte Mobilist“ ist meist männlich und ca. 32 Jahre alt. Er liebt sein Smartphone und setzt es durchschnittlich 16 Stunden pro Tag ein.
Der „Smarte Mobilist“ ist meist männlich und ca. 32 Jahre alt. Er liebt sein Smartphone und setzt es durchschnittlich 16 Stunden pro Tag ein.
(Bildquelle: © TNS Infratest, April 2013)

Längst nicht jeder Deutsche nutzt das Internet oder seine mobilen Helfer wie Laptops, Tablets und Smartphones. Und längst nicht jeder sieht nur die damit verbundenen Vorteile. Tatsächlich ist die Gesellschaft trotz aller Begeisterung für Online noch nicht vollständig in der digitalen Welt angekommen. Dies belegt der aktuelle D21-Digital-Index der Initiative D21. Im Rahmen der Studie wurde die Bevölkerung unter anderem hinsichtlich ihrer Internetnutzung befragt; relevante Dimensionen waren dabei „Zugang und Kompetenz“ sowie „Offenheit und Nutzung“. Anhand der Ergebnisse wurden sechs unterschiedliche Online-Nutzertypen charakterisiert.

„Außenstehender Skeptiker“

28,9 Prozent der Befragten zählen zur Gruppe der „Außenstehenden Skeptiker“. Mit einem durchschnittlichen Alter von 63 Jahren ist dieser Typus im Vergleich der älteste. Die vorwiegend weiblichen Nutzer verfügen über eine niedrige schulische Bildung, zugleich sind rund 70 Prozent von ihnen nicht (mehr) berufstätig, was ein geringes monatliches Einkommen mit sich bringt. Laut eigenen Angaben nutzt nur jeder fünfte „Skeptiker“ das Internet. Ohnehin sieht die Gruppe kaum Vorteile in seiner Nutzung und ist hinsichtlich entsprechender Endgeräte dementsprechend eher schlecht ausgestattet. Lediglich ein simples Handy besitzen immerhin 80 Prozent von ihnen.

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„Häuslicher Gelegenheitsnutzer“

Zum Typ der „Häuslichen Gelegenheitsnutzer“ gehören 27,9 Prozent der Befragten. Diese Gruppe ist eher weiblich, im Schnitt 44 Jahre alt und verfügt über eine niedrige bis mittlere Schulbildung. 50 Prozent der Gelegenheitsnutzer gehen aktuell keiner bezahlten Tätigkeit nach, mehr als die Hälfte von ihnen leben in einem Haushalt mit drei und mehr Personen. Auch wenn die Gruppe mit neuen Technologien nur oberflächlich vertraut ist, nutzen 98 Prozent von ihnen das Internet – am häufigsten zu Recherchezwecken. Beliebter ist bei diesem Nutzertyp aber immer noch das Fernsehen, wo sie sich für Nachrichten oder Dokumentationen entscheiden.

„Vorsichtiger Pragmatiker“

9,5 Prozent der Befragten sind als „Vorsichtige Pragmatiker“ zu charakterisieren. Dieser Typus ist überwiegend weiblich und im Durchschnitt 43 Jahre alt. Über drei Viertel von ihnen sind berufstätig und verfügen lediglich über ein mittleres bis niedriges Einkommen. In Sachen Internetnutzung verhält sich diese Gruppe vorsichtig und ist sehr darauf bedacht, die persönlichen Daten zu schützen. Daher werden als Informationsquellen auch die klassischen Medien wie regionale Tageszeitungen und Radio bevorzugt.

„Reflektierter Profi“

Der „Reflektierte Profi“ – und somit 15,4 Prozent der Befragten – ist vorwiegend männlich und durchschnittlich 41 Jahre alt. Er ist gut ausgebildet und verfügt über ein hohes monatliches Einkommen. Mit dem Internet setzt er sich zielgerichtet und kritisch auseinander und nutzt es vor allem über sein Notebook. Der Profi geht im Web auf Recherche oder vergleicht Preise. In dieser Gruppe ist im Vergleich auch der höchste Anteil an Online-Shoppern zu sehen.

„Passionierter Onliner“

Dem Typ „Passionierter Onliner“ können 15 Prozent der Befragten zugeordnet werden. Sie sind eher männlich und im Schnitt 37 Jahre alt. Die Gruppe hat einen hohen Bildungsgrad, ist beruflich engagiert und darüber hinaus sehr an Internet- und Technologiethemen interessiert. Hier spielt das Internet nicht nur im Beruf, sondern auch im Privatleben eine zentrale Rolle – ein Dasein ohne World Wide Web ist für „Passionierte Onliner“ unvorstellbar. Dementsprechend sind sie Feuer und Flamme für neue mobile Produkte wie zum Beispiel Tablets. Sie betreiben Online-Banking, lesen Blogs und sind in Foren aktiv.

„Smarter Mobilist“

Mit nur 3,2 Prozent sind die „Smarten Mobilisten“ die kleinste Gruppe. Dieser Typ ist eher männlich und mit durchschnittlich 32 Jahren noch relativ jung. 79 Prozent von ihnen sind berufstätig, gleichzeitig sind in dieser Gruppe mit 13,1 Prozent im Vergleich die meisten Schüler. Merkmal aller „Smarten Mobilisten“: Jeder von ihnen besitzt ein Smartphone, das im Schnitt 16 Stunden pro Tag eingesetzt wird. Das Web ist Informationsmedium Nummer Eins, soziale Netzwerke sind Standard. Dementsprechend ist bei diesem Typus im Vergleich zu den anderen der höchste Anteil an mobilen Internetnutzern zu verzeichnen.

Wie digital ist Deutschland?

Der D21-Digital-Index gibt nicht nur einen Überblick über die unterschiedlichen Charaktere der Internetnutzer in Deutschland, sondern bildet darüber hinaus auch den Digitalisierungsgrad der Gesellschaft ab. Die Idee hinter dem Index: Mit nur einer einzigen (Maß-)Zahl soll der Stand der Digitalisierung in Deutschland widergespiegelt werden. Laut aktuellem Index befindet sich Deutschland mit 51,2 Punkten derzeit auf einem mittleren Digitalisierungsgrad. Setzt man die anhand der Untersuchung charakterisierten Typen zu diesem Wert in Bezug, ist der „Außenstehende Skeptiker“ mit 19,3 Punkten weit abgeschlagen. „Häusliche Gelegenheitsnutzer“ (57,1 Punkte) und „Vorsichtige Pragmatiker“ (58,6 Punkte) stehen dagegen schon im Mittelfeld der Digitalisierung. Auf den Plätzen vier und fünf folgen mit einem bereits recht hohen Digitalisierungsgrad der „Smarte Mobilist“ (69,8 Punkte) und der „Reflektierte Profi“ (71,4 Punkte). Am stärksten digitalisiert ist der „Passionierte Onliner“: Mit 72,2 Indexpunkten erreicht diese Gruppe den höchsten Digitalisierungsgrad. Der Vergleich zeigt, dass viele Menschen das Internet in seiner vollen Bandbreite nutzen, beinahe ebenso viele aber auch deutlich „unterdigitalisiert“ sind. „Die Mehrheit der Deutschen ist noch nicht in der digitalen Gesellschaft angekommen. Der Nutzen des Internets muss für diese Zielgruppe greifbar und erlebbar werden. Mobile Applikationen und intuitive Bedienbarkeit senken Nutzungsschwellen und bieten einen vielfältigen Zugang zur digitalen Welt“, erklärt Robert A. Wieland, Vizepräsident der Initiative D21 und Geschäftsführer von TNS Infratest.

Zur Studienerhebung

Mit der Studie „Digitale Gesellschaft“ liefert die Initiative D21 seit 2009 jährlich eine umfassende Bestandsaufnahme der Digitalisierung in Deutschland. Im Jahr 2013 wurde erstmals der D21-Digital-Index berücksichtigt. Der Index basiert auf einer repräsentativen Befragung unter der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren. Das Marktforschungsinstitut TNS Infratest führte hierfür 3.819 computergestützten Telefoninterviews durch.

* Die Autorin ist Redakteurin bei Marconomy. E-Mail: gesine.herzberger@vogel.de

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