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Impulsgeber Fachpack

„Umweltgerechtes Verpacken“ im Fokus der Fachpack 2019

| Autor/ Redakteur: Alexander Stark* / Matthias Back

Die Fachpack 2019 stellt „umweltgerechtes Verpacken“ in den Fokus. Bei den Ausstellern, aber auch in Foren und Rahmenveranstaltungen wird dieses Leitthema von Unternehmen und Verbänden in großem Umfang aufgegriffen. Dem negativen Ruf der Verpackungsbranche als Umweltsünder möchte die Messe damit nachhaltige Impulse entgegensetzen. Welche Neuheiten können die Besucher im Bereich recycelter und umweltfreundlicher Verpackungen erwarten?

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Im Forum Techbox berichten Experten aus Industrie, Forschung und Politik über die brennendsten Themen der Ver­packungsbranche.
Im Forum Techbox berichten Experten aus Industrie, Forschung und Politik über die brennendsten Themen der Ver­packungsbranche.
( Bild: Nuernberg Messe / Thomas Geiger )

Volle Gänge und Gedränge garantiert: Rund 1600 Aussteller und 45.000 Fachbesucher erwartet die Nürnberg Messe in den zwölf Messehallen der Fachpack 2019. Vom 24. bis 26. September bildet das Messeangebot einen Querschnitt der Verpackungs- und Logistiklösungen für unterschiedlichste Branchen ab; zahlreiche Sonderschauen und Themenparks fokussieren auf ausgewählte Branchentrends.

Insbesondere für die Lebensmittel- und Getränkebranche bietet die Fachpack traditionell eines der umfassendsten Angebote. Den Zahlen der Veranstalter zufolge machte diese Gruppe im vergangenen Jahr 16 Prozent der Besucher aus und lag damit zusammen mit dem Papier- und Druckgewerbe auf Platz Eins. Über 1300 Anbieter stellen in der Dürer-Stadt ihre Lösungen für die Food- und Beverage-Branche vor. Die Maschinenbauer kommen dabei u.a. dem Bedarf der Lebensmittelhersteller nach flexiblen Lösungen entgegen. Kleinere Batchgrößen, eine schnelle Reaktionsfähigkeit auf Kundennachfragen sowie höhere Effizienz stehen bei dieser Zielgruppe im Fokus. Als Antwort darauf bieten die Maschinenhersteller Systeme, bei denen Mechanik soweit wie möglich durch intelligente Steuerungen ersetzt wird.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Verpackung: Sie soll dem Verbraucher durch intelligente Features Mehrwert bieten. Intelligente Etiketten z.B. liefern exakte Informationen über die Haltbarkeit des Verpackungsinhalts. Auf diese Weise sollen Lebensmittelverluste verringert werden.

Verpackungshersteller unter Druck

Eine zunehmend wichtige Rolle sowohl beim Verpackungsdesign als auch beim Material spielt für die Verbraucher das Thema Nachhaltigkeit. Nicht zuletzt neue gesetzliche Rahmenbedingungen hatten in diesem Zusammenhang erheblichen Einfluss auf die Wahl des diesjährigen Leitthemas: die Fachpack 2019 steht ganz im Zeichen des „umweltgerechten Verpackens“.

Seitdem seit Anfang des Jahres das novellierte Verpackungsgesetz in Kraft ist, stehen Verpackungshersteller unter Druck, die Recyclingquote und die Nachhaltigkeit ihrer Produkte zu verbessern. So stieg z.B. die Quote für Kunststoffverpackungen von 36 auf 58,5 Prozent. Bis zum Jahr 2022 sollen gar 63 Prozent erreicht werden. Auch bei Metallen, Glas und Papier wurden die Anforderungen auf 90 Prozent hochgeschraubt. Zahlreiche Unternehmen und Forschungsprojekte arbeiten deshalb daran, die Recyclingfähigkeit von Verpackungen zu verbessern. Lange stand die Lebensmittelbranche recycelten Kunststoffen aufgrund von Verunreinigungen, Fehlgerüchen und anderen Qualitätsmängeln kritisch gegenüber. Mittlerweile liefern chemische Recyclingprozesse aus Post-Consumer-Abfällen jedoch sauber getrennte Grundstoffe, die sogar wieder für Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden können.

Daneben sollen Biokunststoffe einen wesentlichen Beitrag leisten, die Abhängigkeit von erdölbasierten Produkten zu reduzieren und den CO2-Ausstoß zu verringern. Wichtige Anwendungsbereiche für biobasierte Verpackungskunststoffe in der Lebensmittel- und Getränkebranche sind Tragetaschen, Obst- und Gemüsebeutel sowie Getränkeflaschen. In den Super- und Discountermärkten findet man außerdem bereits viele Verpackungen, die aus biobasierten Kunststoffen und Recyclat hergestellt wurden (z.B. Getränkeflaschen aus Bio-PET, Folien aus Bio-PE, biobasiertem HDPE oder Zellulose sowie Joghurtbecher aus biobasiertem PLA). Auch in der Verpackungslogistik gibt es Bestrebungen, Kunststoffbehältnisse aus biobasierten Materialien einzusetzen.

Künstliche Intelligenz im Kommen

Natürlich werden auch die Themen Digitalisierung und Automatisierung eine bedeutende Rolle auf dem Nürnberger Messegelände spielen. Lebensmittel- und Getränkeproduzenten hoffen dank Digitalisierung flexibler auf Marktanforderungen reagieren zu können und eine schnellere Time-to-Market zu erzielen. Viele Aussteller, vor allem Maschinenhersteller und Softwareanbieter, messen in diesem Zusammenhang der Künstlichen Intelligenz (KI) eine immer größer werdende Bedeutung zu. Während es im Produktionsumfeld dabei schwerpunktmäßig um das maschinelle Lernen und Themen wie die vorausschauende Wartung geht, bieten Logistiker z.B. Anwendungen zur vorausschauenden Analyse im Supply Chain Management an. Auch die Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS hat sich des Themas KI angenommen. Auf der Fachpack wird das Institut im Forum Techbox über seine aktuellen Erkenntnisse berichten. Die Referenten werden am 26. September u.a. darauf eingehen, wie Disponenten mithilfe datenbasierter Prognose- und Optimierungslösungen Ressourcen effizienter einsetzen und so Kosten sparen sowie die Kundenzufriedenheit erhöhen können.

Das Forum Techbox in Halle 4 ergänzt in diesem Jahr erneut das Forum Packbox in Halle 7. Dort finden rund 70 verschiedene Fachvorträge, Workshops und Diskussionen statt. „Die Ergänzung des beliebten Forums Packbox um das Forum Techbox stieß im letzten Jahr auf großes Interesse und wurde von insgesamt 7500 Teilnehmern begeistert angenommen. Deshalb werden auch in diesem Jahr wieder in beiden Foren renommierte Branchenexperten ihr Wissen zu den unterschiedlichsten Fachthemen teilen“, so Cornelia Fehlner, Leiterin der Fachpack.

Für die meisten Unternehmen der Lebensmittel- und Getränkeindustrie ist es schon heute selbstverständlich, Energie, Material und damit Kosten einzusparen. Neben einem nachhaltigeren Materialmix haben u.a. die umfangreichen Materialeinsparungen in den vergangenen Jahren die Nachhaltigkeitsbilanz von Verpackungen maßgeblich verbessert. Trotzdem gilt es, die Bemühungen von Forschung, Unternehmen und Politik weiter zu forcieren. Die Fachpack fungiert hier als wichtiger Impulsgeber.

* Der Autor ist freier Mitarbeiter bei PROCESS. Kontakt: redaktion@process.de

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