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Antriebe Umweltgerechte Papierherstellung mit mechatronischen Antrieben

Autor / Redakteur: Udo Marmann / Dipl.-Medienwirt (FH) Matthias Back

Ein kanadischer Tissuepapierhersteller übernimmt Verantwortung für die Nachhaltigkeit seines unternehmerischen Handelns. In seiner Fördertechnik setzt der Hersteller mechatronische Antriebseinheiten ein, durch die das Unternehmen Einsparungen bei der Installation und den Stromkosten erzielt sowie weniger CO2 ausstößt.

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Antriebe von SEW-Eurodrive ermöglichen bei Kruger Products in der Papierfabrik Gatineau den effizienten Einsatz von Energie und Ressourcen.
Antriebe von SEW-Eurodrive ermöglichen bei Kruger Products in der Papierfabrik Gatineau den effizienten Einsatz von Energie und Ressourcen.
(Bild: SEW-Eurodrive)

Verschwinden Kanadas legendäre Wälder langsam aber sicher in der Papiermühle? Nicht, wenn es nach der Kruger Inc. geht, einem umweltbewussten kanadischen Hersteller von Papierprodukten. Das Unternehmen sitzt in Montreal, der zweitgrößten Stadt Kanadas und wurde 1904 gegründet. Auf dem nordamerikanischen Markt ist das Unternehmen breit vertreten und bekannt für Druckpapier, Tissuepapier, Schnittholz und andere Holzprodukte, Wellpappe aus Recyclingfasern sowie für Recyclingpapier und Kartonprodukte.

Energieintensive Fertigung vor großen Herausforderungen

Der Unternehmensbereich Kruger Products L. P. stellt eine große Bandbreite an Papierprodukten für den Haushaltsbereich her. Er betreibt Papierfabriken in Kanada und den USA. Die großflächige Produktionsanlage in Gatineau, Provinz Quebec, trägt wesentlich zum Erfolg von Kruger auf dem nordamerikanischen Markt bei. Mit 8700 m² für die Zellstofferzeugung sowie weiteren knapp 18.000 m² für die Papierherstellung hat die Papierfabrik in Gatineau eine Produktionskapazität von 87.500 t/a. Steven Sage, Vice President von Kruger Products und zuständig für Nachhaltigkeit und Innovation, erläutert: „Wir sind der kanadische Marktführer für Tissueprodukte sowohl im Haushalts- als auch im Industriebereich.“

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Von anderen Herstellern zugelieferter Zellstoff aus Frischfasern oder aus gebleichtem Recyclingmaterial wird zunächst in einer Papiermühle verarbeitet. Die Fabrik in Gatineau stellt daraus unterschiedliche Papierqualitäten her, beispielsweise Toilettenpapier, Kosmetiktücher, Papierhandtücher und Servietten für die Hotellerie und Gastronomie, das Gesundheitswesen, die Produktion und Gebäudewirtschaft sowie öffentliche Einrichtungen.

In diesen Segmenten werden die Produkte unter verschiedenen Marken vertrieben. Auch Kanadas meistgekaufte Verbrauchermarke, Scotties, stammt aus dieser Papierfabrik, die bereits 1926 ihren Betrieb aufnahm. Sie beschäftigt heute etwa 470 Mitarbeiter und produziert eine breite Palette von Tissueprodukten, die in ganz Kanada und den USA vertrieben werden.

Kruger Products steht, wie alle Unternehmen in der energieintensiven Papierherstellung, vor erheblichen Herausforderungen. Die Verringerung der Umweltauswirkungen seiner Produktionstätigkeit ist eine wichtige Herausforderung, der sich das Unternehmen stellt. „Als Marktführer in Kanada nimmt Kruger Products seine Verantwortung auch in puncto Nachhaltigkeit wahr“, erläutert Sage. „Große Unternehmen können zur Erhaltung der Umwelt Großes beitragen.“

Neue Biogasanlage senkt Treibhausgase um ein Drittel

Als aktuelles Beispiel nennt er den erfolgreichen Aufbau einer Biogasanlage für die Produktionsstätte im westkanadischen New Westminster. Sie sorgte in den vergangenen beiden Jahren jeweils für eine Verringerung der jährlichen Emission an Treibhausgasen (THG) um 36 %. „Das Projekt war die erste Anwendung dieses Technologietyps in der Zellstoff- und Papierindustrie Kanadas“, erklärt Sage.

Fünfjahresplan für nachhaltige Unternehmensentwicklung

Im Jahr 2010 wurde in der Papierfabrik Gatineau ein neues Wärmerückgewinnungssystem installiert. Damit wurde der Energieverbrauch der Fabrik um 11 % gesenkt und die THG-Emissionen um 15 %. Die Wärme, die zuvor nach außen entwich, wird nun vollständig am Entstehungsort zurückgewonnen und zur Beheizung der Anlage im Winter sowie zum Aufheizen des Prozesswassers genutzt.

Diese Verbesserungen sind Teil eines von Kruger 2010 aufgelegten Fünfjahresplans zur nachhaltigen Entwicklung, mit dem die Umweltauswirkungen des Unternehmens in neun Bereichen verbessert werden sollen. Dazu gehören Energieverbrauch, THG-Emissionen, Wasserverbrauch, Abfallstoffe und Verpackung als wesentliche Bereiche. Steven Sage zufolge hat Kruger große Erfolge zu verzeichnen, darunter die Verringerung des Gesamtenergieverbrauchs um 3,7 %, die Verringerung der THG-Emissionen sowie die Steigerung der Effizienz in der Logistik.

„Kruger war der erste Tissuehersteller mit Produktkettenzertifizierung (Chain of Custody) nach den internationalen Standards des Forest Stewardship Councils (FSC) der Rainforest Alliance. Wir können unseren Kunden jetzt eines der umfassendsten Tissueportfolios mit FSC-zertifizierten Produkten in Nordamerika anbieten“, erläutert Sage und weist darauf hin, dass Kruger Products eines der größten Portfolios mit Tissueprodukten in Kanada hat, die mit dem Eco-Logo zertifiziert wurden. Er fügt hinzu: „Gegenwärtig sind 93 % unserer Zellstofffasern von unabhängiger Seite zertifiziert und bis Ende 2013 werden wir 100 % erreicht haben.“

„Die Betonung liegt zunehmend auf der Verwendung von Verpackungen aus Recyclingmaterial, auf umweltfreundlichem sowie zertifiziertem Material“, sagt Sage. Als Beispiele dafür nennt er die FSC-zertifizierten KD-Versandkartons und Kartonkerne für Papierhandtücher und Toilettenpapier, biologisch abbaubare Entnahmeöffnungen aus Kunststoff bei Kosmetiktücherkartons sowie biologisch abbaubare Schrumpffolie für entsprechende Multipackungen.

Effiziente Verarbeitungs- und Verpackungsanlage

„Das Werk Gatineau nimmt eine Schlüsselposition bei Kruger Products ein. Es legt das Hauptaugenmerk auf Qualität, Sicherheit und kontinuierliche Verbesserung sowie auf die Bindung seiner engagierten Belegschaft“, berichtet Sage. Er erzählt, dass das ISO-9000-zertifizierte Werk in großem Umfang die anspruchsvollen Six-Sigma-Qualitätskontrollverfahren einsetzt und dabei das hausintern entwickelte Kruger-Way-System zur kontinuierlichen Verbesserung nutzt. Zudem setzt die Papierfabrik auch ein Umweltmanagementsystem ein.

Im Sommer 2011 kaufte Kruger eine neue, hocheffiziente Verarbeitungs- und Verpackungsanlage für das Werk Gatineau. Die Anlage ist seit Dezember 2011 in Betrieb. Der Vice President erläutert: „Um die steigende Nachfrage nach unseren Produkten zu befriedigen, brauchten wir neueste Technik, mit der wir unsere Prozesse verbessern und die Produktionsmenge unseres Werks erhöhen konnten.“ Projektingenieur Martin Levesque erzählt, dass Kruger Products im gesamten Betrieb rund 40 Förderbänder im Einsatz hat für den Transport von Kosmetikpapierkartons, Kartonmultiverpackungen und Toilettenpapiersäcken.

Mechatronische Antriebe sparen fortlaufend Energie

Einer der ausschlaggebenden Faktoren bei der Wahl der neuen Förder- und Verpackungsanlage war der Kauf von 40 mechatronischen Antriebseinheiten Movigear, die von SEW-Eurodrive Co. of Canada geliefert wurden. Levesque erläutert: „Mit der Lösung des Fördertechnikpezialisten Span Tech hatten wir die Möglichkeit, ein Fördersystem zu schaffen, das genau zu unseren Bedürfnissen passt.“

Er fährt fort: „Nachdem Span Tech uns zum mechatronischen Antriebssystem Movigear geraten hatte, informierte ich mich über diese Produkte und traf mich mit Vertretern aus der SEW-Niederlassung Montreal. Danach fiel die Entscheidung zugunsten von Movigear.“ Levesque berichtet, dass Kruger je eine an der Förderwelle ansetzende Movigear-Antriebseinheit für jedes Förderband einsetzt. Die Antriebseinheiten werden durch einen Antriebscontroller Movifit angesteuert. Er verteilt die Energie und Kommunikation an bis zu zehn mechatronische Antriebe.

Eines der wichtigsten Kaufargumente für die Firma Kruger war, dass das mechatronische Antriebssystem von SEW-Eurodrive als Bestandteil der Prozesslösung für deutliche Energieeinsparungen sorgt. Levesque erläutert: „Weil bei Kruger rund um die Uhr und auch an den Wochenenden 25 Motoren gleichzeitig laufen, haben wir ermittelt, dass wir – im Vergleich zu einem Standard-Motorsystem – rund 4000 kanadische Dollar jährlich einsparen. Jede Möglichkeit zum schlankeren Betrieb unserer Fertigungsstraße ist gut für das Unternehmen.“

Vice President Sage stimmt ihm zu: „Es steht in Einklang mit unserem Bestreben, unseren Energieverbrauch im Rahmen unserer Nachhaltigkeitsinitiative Sustainability 2015 zu senken.“ Die Antriebskomponenten von SEW-Eurodrive mögen zwar zunächst etwas teurer sein als übliche Antriebslösungen, nach ein oder zwei Jahren jedoch – je nach Nutzung – amortisieren sich diese Kosten durch die Einsparungen, die bei den Stromkosten erzielt werden.

Grünere Produkte durch Ressourcenschonung

Abgesehen von den Energieeinsparungen ergeben sich durch Movigear auch Einsparungen bei den CO2-Emissionen, wie Sage erläutert. „Industrie, Handel, Gastgewerbe und Verwaltung suchen nach grüneren Produkten von Herstellern, die auf die Umsetzung von Initiativen zur Nachhaltigkeit setzen, um ihre Position zu stärken“, fasst er zusammen und fügt hinzu: „Deswegen sind – neben der Fasergewinnung – Einsparungen bei Energie, Wasser, Emissionen, Abfällen und Verpackung für uns die Bereiche, auf die wir uns besonders konzentrieren.“

Der Artikel ist zuerst auf unserem Schwesterportal Nachhaltige Produktion erschienen.

* Udo Marmann ist Marktmanager bei der SEW-Eurodrive GmbH & Co KG in 76646 Bruchsal. Weitere Informationen: sew@sew-eurodrive.de, Tel. (0 72 51) 75-0

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