Konjunktur Top-Manager sehen 2010 als Jahr des Aufschwungs

Redakteur: Stéphane Itasse

Top-Manager weltweit sehen das Ende der Wirtschaftskrise in Reichweite. Zwei von drei Vorstandschefs prognostizieren einen Konjunkturaufschwung spätestens in der zweiten Jahreshälfte 2010, nur knapp 30 Prozent rechnen damit erst 2011, wie die Unternehmensberatung Pricewaterhousecoopers (PWC) am Mittwoch bei der Vorstellung ihres „13th Annual Global CEO Survey 2010“ mitteilt.

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2010 geht es aufwärts: Diese Meinung vertraten zumindest die meisten der von PWC befragten Top-Manager. Bild: obs/Mice
2010 geht es aufwärts: Diese Meinung vertraten zumindest die meisten der von PWC befragten Top-Manager. Bild: obs/Mice
( Archiv: Vogel Business Media )

Noch optimistischer beurteilten die rund 1200 befragten Manager die Perspektiven ihres eigenen Unternehmens. So würden weltweit 81 Prozent mit steigenden Erlösen im laufenden Jahr rechnen. Dabei sei der Anteil der Befragten, die ihre Umsatzentwicklung 2010 „sehr zuversichtlich“ sehen, mit 31 Prozent deutlich höher als in der Umfrage von 2009 (21 Prozent).

Wachstum in Schwellenländern

Regional betrachtet würden die CEOs für ihre Unternehmen vor allem in Asien (82 Prozent) und Lateinamerika (75 Prozent) steigende Umsätze prognostizieren, während die Aussichten für Erlössteigerungen in Nordamerika (52 Prozent) und Westeuropa (46 Prozent) verhaltener eingeschätzt würden.

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Die Vorstandsvorsitzenden deutscher Unternehmen seien gemessen an den Erwartungen ihrer Kollegen im übrigen Westeuropa besonders zuversichtlich. Mit steigenden Umsätzen im laufenden Jahr rechneten 87 Prozent der Befragten in Deutschland, hingegen nur 71 Prozent in Großbritannien und 80 Prozent in Frankreich.

Stellenabbau läuft aus

Die Wachstumserwartungen der Spitzenmanager schlagen sich auch positiv in den Personalplanungen nieder, heißt es weiter. So wollten annähernd 40 Prozent der CEOs in den kommenden zwölf Monaten zusätzliche Mitarbeiter einstellen, mit Stellenkürzungen rechneten nur noch 25 Prozent. Im Jahr 2009 hatten laut PWC 48 Prozent der Unternehmen ihre Belegschaft verringert.

Die meisten Unternehmen, die mit zusätzlichem Personal planen, würden aus den Schwellenländern Brasilien (61 Prozent mit Stellenaufbau), Indien (59 Prozent) und China (53 Prozent) stammen. Zurückhaltend zeigten sich demgegenüber die Vorstandschefs deutscher Unternehmen. Von diesen wollten 2010 lediglich 27 Prozent neue Jobs schaffen, während 40 Prozent mit einem Stellenabbau rechnen.

Mit dem Abflauen der Krise habe sich auch die Risikowahrnehmung der Manager verändert. Eine fortgesetzte Rezession der Weltwirtschaft würden zwar noch immer zwei von drei Spitzenmanagern und damit die meisten Befragten als Gefahr für das Unternehmenswachstum nennen. In der Umfrage von 2009 hatten sich jedoch noch 85 Prozent besorgt oder sogar sehr besorgt über einen möglichen Wirtschaftsabschwung gezeigt.

Angst vor staatlichen Interventionen wächst

Stark gestiegen sei demgegenüber die Sorge vor den Folgen staatlicher Interventionen in die Wirtschaft. Die Gefahr eines wachsenden Protektionismus sähen nunmehr 49 Prozent der CEOs, im Vorjahr waren es erst 39 Prozent. Eine staatliche Überregulierung in Folge der Krise fürchteten 60 Prozent der Befragten (2009: 55 Prozent), in Deutschland sogar 71 Prozent.

Ein gravierendes Wachstumshindernis bleibt nach Einschätzung der Top-Manager die Kapitalknappheit. So würden 51 Prozent der Befragten der Aussage zustimmen, dass Banken zögerlicher Kredite vergeben als vor der Krise. Von den deutschen Spitzenmanagern würden dies sogar 63 Prozent. sagen.

Cash-Flow wird für Unternehmensfinanzierung wichtiger

Entsprechend setzten die Unternehmen stark auf die Finanzierung aus eigener Kraft. So würden 83 Prozent der Befragten insgesamt und sogar 92 Prozent der deutschen Spitzenmanager auf den Cash-Flow zur Investitionsfinanzierung verweisen. Bankkredite wollten demgegenüber nur 40 Prozent der CEOs in Anspruch nehmen.

Die Finanzierungsprobleme würden auch die Investitionspläne der Unternehmen prägen. Während kapitalintensive Vorhaben wie die Erschließung neuer Märkte (15 Prozent der Befragten) oder Unternehmenszukäufe (14 Prozent) nur bei vergleichsweise wenigen CEOs auf der Agenda stünden, setzten die relativ meisten Befragten (38 Prozent) auf Wachstum durch die intensivere Bearbeitung bestehender Absatzmärkte.

Klimawandel eher als Chance für Unternehmen denn als Risiko gesehen

Ungeachtet der unmittelbaren ökonomischen Risiken sei in den Vorstandsetagen auch die Aufmerksamkeit für die Folgen der globalen Erderwärmung gestiegen. Den Klimawandel betrachtteen nunmehr 37 Prozent der CEOs als potenzielle Gefahr für ihr Unternehmen (2009: 26 Prozent), in Deutschland 41 Prozent.

Insgesamt gut jeder dritte Befragte erwartet laut Mitteilung, dass sein Unternehmen künftig verstärkt Emissionen reduzieren muss, knapp jeder vierte befürchte ein langsameres Wachstum in seiner Branche auf Grund von Klimaschutzvorschriften. Auf der anderen Seite würden 47 Prozent der Befragten (Deutschland: 52 Prozent) in Initiativen zum Klimaschutz auch eine Chance für Wachstum durch neue Produkte und Dienstleistungen sehen.

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