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Stimmungs- und Trendbarometer ACHEMA 2009 Statement: Auftragsbücher für Kompressoren und Vakuumtechnik sind bis 2010 gefüllt

| Autor / Redakteur: Alexander W. Peters / Gerd Kielburger

Zum Jammern besteht kein Grund, in der Krise steckt stets auch eine Chance – so lautet das Fazit der ACHEMA-Pressekonferenz des Fachforums Prozesstechnik des VDMA. Wohin geht die Reise der Kompressoren und Vakuumtechnik? Alexander W. Peters, Geschäftsführender Gesellschafter der Neuman & Esser GmbH & Co. KG, Übach-Palenberg und Vorsitzender der VDMA Fachabteilung Prozesskompressoren beleuchtet in seinem Statement im Vorfeld der ACHEMA die Chancen und Risiken.

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Alexander W. Peters, Geschäftsführender Gesellschafter der Neumann & Esser GmbH & Co.KG: „ Die Produktionsanlagen in den Prozessindsutrien wurden in den vergangenen Jahren auf Hochtouren gefahren und müssen jetzt gewartet werden. Das bietet sehr gute Chancen für den After Sales Service.“
Alexander W. Peters, Geschäftsführender Gesellschafter der Neumann & Esser GmbH & Co.KG: „ Die Produktionsanlagen in den Prozessindsutrien wurden in den vergangenen Jahren auf Hochtouren gefahren und müssen jetzt gewartet werden. Das bietet sehr gute Chancen für den After Sales Service.“
( Archiv: Vogel Business Media )

Da Maschinen aus dem Großanlagenbau im Durchschnitt ein bis zwei Jahre Lieferzeit benötigen, verspüren in der gegenwärtigen Situation einige Investitionsgüterhersteller – und dazu gehören einige Mitglieder aus dem Fachverband Kompressoren, Druckluft- und Vakuumtechnik – noch nicht die volle Schlagkraft der gegenwärtigen Rezession wie beispielsweise Betreiber von Chemieanlagen, die näher am Absatzmarkt für Endabnehmer sind. Dafür allerdings wird man sehr wahrscheinlich beobachten können, dass diese Bereiche des Maschinen- und Anlagenbau länger als andere Industrien in der Talsohle verharren werden, also zu einem späteren Zeitpunkt wieder von der Weltwirtschaftskrise regenerieren.

Im Schnitt sind die Auftragsbücher z.B. bei vielen Prozesskompressorenherstellern bis Mitte 2010 gut gefüllt. Vor diesem Hintergrund seien mögliche Verschiebungen von Aufträgen ertragbar, Stornierungen oder Zahlungsunfähigkeit des Kunden wären hingegen gefährlich.

Tatsache ist, dass in unseren Märkten weltweit in allen Staaten massive Konjunktureinbrüche zu beobachten sind. Kein Erdteil kann sich dem entziehen. Während Asien noch etwas verhalten auf die weltwirtschaftliche Krise reagiert, ist Europa bereits zum Stillstand gekommen. In USA geht nichts mehr. Indessen zeichnet sich für Süd-Amerika noch ein Hoffnungsschimmer ab.

Unternehmen, die strukturell gesund sind, die die Zeit des Auftragüberhanges genutzt haben, um ihre Eigenkapiteldecke zu stärken, und Investitionen tätigten, um Logistik und Produktion zu optimieren, dürften die Auswirkungen der gegenwärtigen Rezession weniger stark spüren.

Was können wir in der jetzigen Situation tun?

„Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen“, ein Zitat des Schriftstellers Max Frisch, das man als Botschaft für die gegenwärtige Situation nicht laut genug sagen kann. Leider stellen viele Unternehmer in Krisen nur kurzfristige Maßnahmen zur Kostensenkung und Sicherstellung von Liquidität in den Vordergrund. Dabei ist ein Maßnahmen-Mix zu ergreifen, um langfristigen Nutzen aus der Krise zu ziehen.

So ist sie eine gute Gelegenheit, eigene Ressourcen zu nutzen, Forschung & Entwicklung weiter voranzutreiben und Innovationen aus Gewinnen vergangener Jahre zu finanzieren. Darüber hinaus bietet sie einen fruchtbaren Boden für radikale Prozessverbesserungen, um so gestärkt aus der Krise zu kommen bzw. die Krise als Sprungbrett für zukünftige Erfolge zu nutzen.

Doch woher die Innovationskraft nehmen? Aus eigener Erfahrung ist es ratsam, Verbindungen mit strategischen Partnern einzugehen bzw. die Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten zu forcieren, denn insbesondere mittelständische Unternehmen haben generell nicht die Mittel, einen großen F&E-Stab im eigenen Haus für die Vielzahl der Forschungsaufgaben vorzuhalten. Hier bewährt sich z.B. das im VDMA geförderte Instrument der industriellen Gemeinschaftsforschung, das wir auch in unserem Fachverband im Forschungsfonds Vakuumtechnik seit über 10 Jahren betreiben. Ergebnisse aus diesem Forschungsarbeiten sind oder werden in die Produkte einfliessen, die auch jetzt auf der nächsten ACHEMA präsentiert werden.

Welche Technologien und Märkte werden sich entwickeln?

Der Trend zur Energieeffizienz bleibt für die Kompressorenhersteller vorrangiges Thema, denn wachsender Energiebedarf, die Verknappung und Verteuerung fossiler Energieträger und nicht zuletzt die weltweiten Umweltauflagen aufgrund des Klimawandels sind zentrale Herausforderungen unserer Zeit.

Die Zukunftsmärkte sind die der regenerativen Energie, in denen sich einige deutsche Hersteller bereits als Marktführer positioniert haben wie z.B. bei der Produktion von Polysilizium zur Herstellung von Solarzellen. Ein weiteres interessantes Zukunftsthema ist die seismische Erkundung von Erdöl- und Erdgasreserven.

Einige Großprojekte wurden bereits angesagt, die weitere Investitionen erhoffen lassen wie beispielsweise die Reduzierung der CO2-Emission von Kraftwerken, der Lagerung von CO2 in Aquiferen sowie der Gewinnung von Biogas zur Einspeisung in bestehende Erdgasnetze. Aber auch die jüngste Erdgaskrise zwischen Russland und der Ukraine zeigt, welchen Stellenwert Kavernen und deren Lagerbevorratung mit Gas hat.

Die Hersteller von Vakuumtechnik – dazu zählen wir Vakuumpumpen, -geräte und -komponenten – in unserem Fachverband Kompressoren, Druckluft- und Vakuumtechnik sehen sich durch Ihre Innovationskraft ebenfalls optimal aufgestellt ist. Neue Produkte und Investitionen für Zukunftstechnologien wie erneuerbare Energien (Photovoltaik, Windkraft) aber auch Anwendungen im Health Care und Umweltschutzbereich belegen das. Darüberhinaus hat die Branche aber auch breiten Marktanforderungen nach mehr Energieeffizienz bei Maschinen mit hohem Energieverbrauch oder niedrigeren Geräuschemissionen durch entsprechende neue Produkte Rechnung getragen. Da die Vakuumtechnik Schlüsseltechnologie für viele Anwendungen im Anlagenbau und der Verfahrenstechnik ist, wirkt sich dies auch über die Wertschöpfungskette auf große Teile des Anlagenbaus aus.

Besondere Herausforderung für den Service!

Dem After Market Bereich wird kurzfristig eine große Bedeutung zukommen, denn in den letzten Jahren liefen sämtliche produzierende Maschinen aufgrund der ebenfalls starken Kapazitätsauslastung bei unseren Kunden auf Hochtouren. Die Pflege der Maschinen musste deswegen häufig vernachlässigt werden. Jetzt ist die Zeit für Wartung des Maschinenbestandes, Reparaturen und Modernisierungen, um alle Ressourcen auf Knopfdruck einsetzen zu können, wenn die Konjunktur wieder anzieht. Somit ist ein sehr gut ausgeprägtes Serviceangebot ein wichtiges Geschäftsfeld eines Unternehmens, das dazu beiträgt, Konjunkturschwankungen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu glätten.

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