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Engineering Standards im Engineering: Wann kommt der Durchbruch?

Redakteur: Anke Geipel-Kern

Ingenieure, die die Idee der digitalen Anlage verfechten, kommen um das Thema Standardisierung und Datenintegration nicht herum. Prof. Dr. Leon Urbas, Professor für Prozessleittechnik an der TU Dresden und wissenschaftlicher Programmbeirat, erklärt, warum jeder der sich damit beschäftigt dicke Bretter bohren muss.

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Prof. Dr. Leon Urbas auf dem Digital Plant Kongress 2012.
Prof. Dr. Leon Urbas auf dem Digital Plant Kongress 2012.
(Bild: PROCESS)

PROCESS: Herr Professor Urbas, für Branchen wie die Automobilindustrie sind die Themen Standardisierung und Datenaustausch in der Fabrikplanung ein alter Hut. Warum beschäftigt sich die Prozessindustrie erst jetzt damit?

Urbas: Die Prozessindustrie beschäftigt sich schon geraume Zeit mit Standardisierung und Datenaustausch zur Optimierung ihrer Engineeringprozesse. Allerdings konnten in der Vergangenheit nur wenige firmenübergreifende Aktivitäten wie beispielsweise Cape Open beobachtet werden, der Fokus lag auf internen Prozessen.

Dies liegt zum einen an den großen Unterschieden. Jeweils firmenspezifische gute und schlechte Erfahrungen schlagen sich in individuellen Customizings, Kennzeichnungssystemen, Modellen und Schnittstellen der CAE-Systeme nieder.

Zum anderen sind die Innovations- und Wertschöpfungsprozesse der Prozessindustrie und der Zulieferer deutlich stärker entkoppelt als in der sehr eng verzahnten Automobilindustrie – ein vollständig integrierter firmenübergreifender tiefer Informationsverbund in die jeweiligen Planungssysteme wird von vielen Partnern gar nicht gewünscht.

PROCESS: Im Arbeitskreis Digitale Fabrik des VDA legen OEMs und Zulieferer gemeinsam Standards, Empfehlungen oder Richtlinien im Bereich der digitalen Planung fest – eine Blaupause für die Prozessindustrie?

Urbas: Wo firmenübergreifend standardisiert werden kann, tut das die Prozessindustrie über ihre Arbeitskreise. Das Spektrum der standardisierten Elemente der Digitalen Anlage reicht von der Spezifikation der Chemienormpumpe, über Auslegungsrichtlinien für Rohrleitungen, Wärmeübertrager oder Ventile bis hin zur Definition von Schnittstellen zur Co-Simulation oder für Stoffdaten, Merkmalleisten für die Bestellung von Equipment, Technologien für die Geräteintegration in Leitsysteme oder Standards für die Rezeptsteuerung.

Sieht man sich die Qualität der eingesetzten Standards und die breite Abdeckung des Lebenszyklus einer Anlage an, sehe ich die Prozessindustrie sehr gut aufgestellt. Dennoch fehlen in der Prozessindustrie (wie übrigens auch in der Fertigungsindustrie) für die durchgängige Digitale Anlage essentielle Software-neutrale Informationsmodelle – sowie eine gewerkeübergreifende vereinheitlichte Sicht auf alle im Lebenszyklus einer Anlage handzuhabenden Daten. Wenn Sie sich das Framework des VDA für die Digitale Fabrikplanung ansehen, so finden Sie – auch wenn in der Automobilindustrie häufig andere Beschreibungsmittel und Werkzeuge eingesetzt werden – aus methodischer Sicht eine Reihe von Entsprechungen.

Arbeitskreis mit anspruchsvoller Agenda

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